Bestätigung als hohes WM-Ziel

Ab morgen beteiligt sich der Radprofi Stefan Küng in Kolumbien an der Bahn-WM. Im Februar 2013 gewann der junge Thurgauer überraschend WM-Bronze in der Einzelverfolgung, nun will er seine Leistung aus dem Vorjahr bestätigen.

Daniel Good
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RAD. Trotz grosser Erfolge in der vergangenen Saison ist Stefan Küng bescheiden geblieben. Am liebsten fährt er draussen Velo. Im Winter mag der Radprofi aus Wilen bei Wil auch Langlauf. In Schönengrund, Hemberg und Ricken war Küng trotz des milden Winters zehnmal auf den Ski. «Zum Langlaufen braucht es nicht so viel Schnee», sagt Küng. In Mexiko war der Thurgauer in diesem Jahr auch schon. Am Weltcup der Bahnfahrer in Guadalajara schloss der erst 20-Jährige im Januar nahtlos an die hervorragenden Leistungen aus dem Vorjahr an. In der Einzelverfolgung über vier Kilometer verbesserte er mit 4:19,542 Minuten seinen Schweizer Rekord aus dem Juli 2013 um eine gute halbe Sekunde und belegte den dritten Platz. Mit dem Schweizer Bahnvierer erreichte Küng in Guadalajara sogar den Final.

Nun weist Küngs Weg erneut nach Lateinamerika. Am Freitag ist er an die Bahn-WM im kolumbianischen Cali gereist. Morgen tritt er mit dem Schweizer Team zur Mannschaftsverfolgung an, am Donnerstag bestreitet Küng die Einzelverfolgung, und am Sonntag (Ortszeit) beteiligt er sich mit Théry Schir am Madison.

Vor gut einem Jahr trat Küng als 19-Jähriger aus der Anonymität, als er als Teenager im weissrussischen Minsk WM-Bronze in der Elite-Kategorie holte. Es war für die Schweiz der erste Medaillengewinn in der Einzelverfolgung seit 1983, als Olympiasieger Robert Dill-Bundi WM-Zweiter geworden war. An der Bahn-EM im Juli 2013 in Portugal folgten zwei Goldmedaillen für Küng.

Mit Bencic und Schär

Die starken Leistungen in der vergangenen Saison führten Küng auf Platz drei in der Schweizer Newcomer-Wahl. Vor dem Radprofi reihten sich mit der Tennisspielerin Belinda Bencic und dem Fussball-Nationalspieler Fabian Schär zwei sehr prominente Sportler ein, die wie Küng aus der Region Wil stammen. Die Auszeichnungsfeier im Dezember in Zürich beeindruckte Küng. Ganz wohl fühlte er sich am Gala-Anlass in Zürich aber nicht. «Es war sicher eine tolle Erfahrung, aber ein solcher Event ist nicht so meine Welt. Ich ziehe es vor, in der Natur zu trainieren», sagt Küng. Stolz ist Küng aber schon, einer der besten Nachwuchssportler der Schweiz zu sein. Das Abstimmungsergebnis quittiert Küng realistisch: «Bencic und Schär kommen aus viel populäreren Sportarten.»

Mit der Bahn-WM in Kolumbien folgt der erste Höhepunkt in Küngs zweitem Jahr als Berufsfahrer. Von einem erneuten Medaillengewinn spricht er nicht. «Eine Plazierung unter den ersten drei kann man nicht planen. Es hat viele starke Gegner. Ich will bestätigen, was ich vor einem Jahr erreicht habe», sagt Küng. Einem Erwartungsdruck, der von der WM-Medaille 2013 ausgeht, fühlt er sich nicht ausgesetzt. «Es war schön, im vergangenen Jahr den dritten WM-Platz zu erreichen, aber meine Karriere dauert noch lange.»

Die Einzelverfolgung ist nicht mehr olympisch. Der letzte Olympiasieger in der prestigeträchtigen Disziplin war 2004 und 2008 der Brite Bradley Wiggins, der Sieger der Tour de France 2012. Wie Wiggins steht auch Küng der Sinn nach Rennen und Erfolgen auf der Strasse. Nach seiner Heimkehr aus Kolumbien beteiligt er sich am übernächsten Samstag an einer Strassenprüfung in Holland. Fernziel Küngs ist die Teilnahme an der Tour de France.

Für eine Rückkehr im speziellen Rahmen nach Lateinamerika muss sich Küng mit der Mannschaft für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro qualifizieren. Platz sieben ist die WM-Vorgabe des Schweizer Verbandes für Cali, vom Potenzial her könnten sich die vier Schweizer in der Mannschaftsverfolgung unter den ersten fünf Teams einreihen. Eine weitere Chance, in Südamerika eine Medaille zu gewinnen, hat Küng im Madison, das er zusammen mit dem Waadtländer Schir bestreitet. Mit Schir gewann er im Sommer EM-Silber. Im Madison gehen Zweierteams auf Punktejagd. 2004 in Athen holten Bruno Risi und Franco Marvulli im Madison für die Schweiz Olympiasilber.

Küng kritisiert das IOC

«Leider ist auch die Disziplin Madison nicht mehr olympisch. Es fällt mir schwer, die Entscheide des Internationalen Olympischen Komitees nachzuvollziehen», sagt Küng. Deshalb muss er froh sein, dass in der Schweiz in den vergangenen Jahren ein wettbewerbsfähiger Bahnvierer aufgebaut wurde. Der Qualifikationszyklus für die Olympischen Spiele 2016 beginnt im Herbst des nächsten Jahres mit der EM. Die Schweizer sollten es nach Rio schaffen, auch wenn sich höchstens zehn Teams für Brasilien qualifizieren. «Das sollte möglich sein», sagt Küng. Er mag sich zurückhaltend geben, ambitioniert ist Küng auf jeden Fall – sonst hätte er es nicht schon so weit gebracht.

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