Ski-WM St. Moritz

Benjamin Weger ist auf der Suche nach dem perfekten Zaubertrank

Der Schweizer Teamleader Benjamin Weger hat sich den Gewinn einer WM-Medaille zum Ziel gesetzt. Eine grosse Herausforderung für den 27-Jährigen.

Rainer Sommerhalder
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Benjamin Weger startet an der WM in Hochfilzen mit hohen Zielen.

Benjamin Weger startet an der WM in Hochfilzen mit hohen Zielen.

KEYSTONE/EPA/ANTONIO BAT

Beni Weger trägt das Herz am rechten Fleck. Der Walliser ist eine offene und ehrliche Frohnatur, nie um eine Antwort verlegen. Dass er seine (hohen) Ziele offensiv verkündet, geriet ihm in der Vergangenheit nicht immer zum Vorteil. Wer Rennen gewinnen, aufs olympische Podest steigen oder gar der beste Biathlet der Welt werden will, der sieht sich mit grosser Wahrscheinlichkeit zuerst einmal mit dem Scheitern konfrontiert. Da ist einer schnell einmal als Schwätzer verschrieen.

Der Lift nach oben stockte

Doch Talent war bei diesem Naturburschen aus dem Obergoms nie das Problem. Gebremst wurde er in der Vergangenheit entweder durch den eigenen Irrtum, der Lift nach oben sei für ihn reserviert und fahre automatisch ab, oder durch chronische Schwächen am Schiessstand. Schnell wie der Wind war Weger immer schon.

Die Ingredienzien für den wahren Zaubertrank, für das perfekte Rennen, sind in der komplexen Sportart Biathlon schwieriger zu finden als sonst wo. In diesem Winter schiesst der passionierte Fliegenfischer mit dem Forellen-Tattoo präzis wie einst Wilhelm Tell, dafür fehlen ihm in der Loipe die entscheidenden Sekunden, die einen Top-10-Läufer von Podestkandidaten unterscheiden. «Hätte Beni vor zwei, drei Jahren so geschossen wie heute, er hätte bereits Rennen gewonnen», mutmasst Ex-Biathlet und Fernseh-Experte Matthias Simmen.

Hochfilzen als Lieblingsstrecke

Weger blickt der WM wie immer mit grosser Zuversicht entgegen. Er spürt, dass wenig zum grossen Exploit fehlt. Allerdings ist diese kleine Differenz nicht einfach so aus der Welt zu schaffen. Will der Walliser tatsächlich als erster Schweizer an einer Biathlon-WM eine Medaille gewinnen, dann muss er seine Schussfrequenz erhöhen und in der Loipe an Tempo zulegen.

Und dies, ohne dass die Scheiben am Schiessstand wieder vermehrt stehen bleiben.
In den letzten Rennen war Wegers Laufform ansteigend. Und an Hochfilzen hat er ohnehin beste Erinnerungen. «Auf dieser Strecke kann ich schnell laufen, das weiss ich», sagt er. Hier holte er sich die ersten zwei von insgesamt drei Podestplätzen im Weltcup. Allerdings liegt diese Leistung fünf Jahre zurück. Dazwischen stockte die Karriere des Schweizer Teamleaders aus den bekannten Gründen.

Benjamin Weger Biathlon
5 Bilder
Er gehört zu den schnellsten Langläufern in der Loipe.
Weger am Schiessstand beim Liegendanschlag.
Weger im Stehend-Anschlag.
Der Hobby-Angler ist vor der neuen Saison optimistisch.

Benjamin Weger Biathlon

KEYSTONE

Nun läuft es aber wieder rund beim Walliser. Präzis wie eine Punktlandung liefert Weger im Weltcup Top-10-Resultate: Zweimal Achter, einmal Neunter, zweimal Zehnter – nur weiter nach vorne schafft er es bisher nicht. «Bis vor diesem Winter bin ich immer im Schiessstand daran gescheitert, nun laufe ich zu wenig schnell. Irgendwie passt es noch nicht hundertprozentig zusammen.»

Weger mit neuen Werten

Allerdings fühlt sich Weger in der Rolle des zuverlässigen Schützen bedeutend wohler. «Vorher hiess die Devise, so schnell wie möglich rennen, beim Schiessen auf Gott vertrauen und auf einen Lucky Punch hoffen. Jetzt weiss ich, dass ein Podestplatz nicht mehr auf einem Zufallsprodukt beruht.»

Noch etwas hat sich in Benjamin Wegers Sicht auf seinen Sport und seine Leistungen verändert. «Mittlerweile ist mir der Rang nicht mehr ganz so wichtig. Im Vordergrund steht das Ziel, mein Potenzial auszuschöpfen. Gelingt dies, verschafft mir das unabhängig vom Resultat die viel grössere Befriedigung», sagt der Obergommer, der sich in der Freizeit regelmässig dem Bergsteigen widmet. Dort hat Weger gelernt, dass es Geduld braucht, bis man den höchsten Gipfel erreicht.