BELOHNUNG: Abflug in die Champions League

Der Titel als EM-Torschützenkönig verleiht der Karriere von Ondrej Zdrahala neuen Schwung. Der tschechische Topskorer wechselt von St.Otmar zum polnischen Spitzenclub Wisla Plock.

Daniel Good
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Ondrej Zdrahala während eines Derbys gegen Gossau. (Bild: Ralph Ribi)

Ondrej Zdrahala während eines Derbys gegen Gossau. (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Good

Mit St. Otmar spielte Ondrej Zdrahala zweimal in der NLA-Abstiegsrunde. Am Ende dieser Saison schliesst sich der 34-jährige Tscheche einem Club an, der regelmässig an der Champions League teilnimmt. Das von einem Petrochemiekonzern unterstützte Wisla Plock ist siebenfacher polnischer Meister. In dieser Champions-League-Saison spielte der Club in einer Gruppe mit Barcelona und Rhein-Neckar mit dem Schweizer Regisseur Andy Schmid. Hinter Viva Kielce, dem Gewinner der Champions League 2016, ist Plock die Nummer zwei im polnischen Club-Handball.

Die Spielhalle Plocks fasst 5500 Zuschauer und ist während internationalen Partien immer ausverkauft. Die Stadt Plock – eine Autostunde nordwestlich von Warschau gelegen – hat 120 000 Einwohner.

Mit Goalie Martin Galia wechselte schon vor knapp zwei Jahren ein Schlüsselspieler St. Otmars in die polnische Liga. Galias Landsmann Zdrahala kam 2016 aus Hamm, das in der 2. Bundesliga spielt, in die Ostschweiz. Zdrahalas Klasse war augenfällig, der Erfolg in der NLA mit St. Otmar blieb aber aus. Das hing auch damit zusammen, dass der Topspieler des Traditionsvereins mit einer Ellbogenverletzung lange Zeit ausfiel. Die Genesung dauerte acht Monate anstatt der vorgesehenen acht Wochen.

So musste Zdrahala anstatt auf der grossen Bühne zweimal in der NLA-Abstiegsrunde in Kleinstädten wie im aargauischen Siggenthal oder Gossau auflaufen. Wenn er fit war, verbuchte er in fast jedem Spiel eine ansehnliche Trefferquote.

Auf Augenhöhe mit den Superstars

An der EM im Januar in Kroatien wuchs Zdrahala nach einer harten Vorbereitung unter St. Otmars ehemaligem Trainer Jan Filip über sich hinaus. Gegen Topnationen wie Olympiasieger Dänemark oder den Gastgeber lief er zu grosser Form auf und war mit 56 Treffern der erfolgreichste Torschütze des Turniers. Er liess auch den ehemaligen Welthandballer Mikkel Hansen aus Dänemark um Längen hinter sich. Dieser Exploit weckte Begehrlichkeiten in ganz Europa.

Weit herumgekommen in Europa

Mit der Erlaubnis St. Otmars durfte Zdrahala nach der erfolgreichen EM mit anderen Clubs verhandeln. Wisla Plock ist die achte Station ausserhalb des Heimatlandes für den tschechischen Regisseur. Neben Deutschland und St. Otmar war Zdrahala auch schon in Norwegen, Dänemark und der Slowakei aktiv.

Zdrahala wohnt mit der Familie in Freidorf. Der Abgang des Starspielers war absehbar. Zum Abschluss seiner Karriere dürfte Zdrahala nochmals ansehnliche Zahltage erhalten. Überdies kann St. Otmar mit einer Ablösesumme rechnen, da Zdrahalas Vertrag mit den St. Gallern bis Ende Juni 2019 datiert war.