Interview

Belinda Bencic sagt im Interview: «Kein normaler Mensch will jetzt nach Amerika reisen, ich würde lieber in Europa bleiben»

Am Donnerstag kehrte Belinda Bencic erstmals seit über fünf Monaten in die Schweiz zurück. Am Freitag sprach die Nummer 8 der Weltrangliste vor den Medien über die Corona-Pause und ihre Pläne für die US Open.

Simon Häring, Biel
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Beim Swiss Tennis Pro Cup in Biel wird ein strenges Sicherheitskonzept angewendet. Das Tragen von Masken ist Pflicht.

Beim Swiss Tennis Pro Cup in Biel wird ein strenges Sicherheitskonzept angewendet. Das Tragen von Masken ist Pflicht.

Urs Lindt / freshfocus

Belinda Bencic, wie viel haben Sie mitbekommen, was in der Coronazeit die Unterschiede waren zwischen der Schweiz und der Slowakei?

Über meine Familie und meine beste Kollegin habe ich mitbekommen, wie die Situation in der Schweiz ist. Ich schaue auch die Schweizer Nachrichten. Es war in der Slowakei im Vergleich zur Schweiz viel strenger. Meine Mutter hat gesagt, auf dem Land habe man fast nichts mitbekommen vom Virus. Ich habe das Gefühl, die Schweiz hat das in allen Bereichen super gemeistert. Die Slowakei hatte fast am wenigsten Infizierte in Europa, aber sie hatte auch strenge Regeln und alles zugemacht. Für die Wirtschaft war das natürlich nicht so gut, aber dafür sind sie auch gut durchgekommen.

Nun wurden auch noch die Turniere in China abgesagt. Wie gehen Sie persönlich mit den Unsicherheiten um?

Ein schwieriges Thema. Was soll ich sagen? Ich habe es auch erst heute morgen gelesen. Es ist schade, dass wir es durch die Medien erfahren. Es ist nicht in der Hand der WTA. Es wird noch öfter solche Situationen geben. Denn jetzt treffen Regierungen Entscheidungen.

Ob Belinda Bencic bei den US Open antritt, lässt sie noch offen.

Ob Belinda Bencic bei den US Open antritt, lässt sie noch offen.

Urs Lindt / freshfocus

Wie planen Sie die nächsten Monate?

Sehr kurzfristig. Es gibt einen Plan A, B, C und D. Angemeldet habe ich mich für ein Turnier in Prag auf Sand. Allerdings werde ich dort nicht spielen, wenn ich in die USA reisen und dort antreten kann.

Die USA sind das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land der Welt. Dort sollen ab Ende August die US Open ausgetragen werden. Haben Sie überhaupt Lust, in die USA zu reisen?

Es ist logisch, dass derzeit kein normaler Mensch in die USA reisen will. Ich würde auch lieber in Europa bleiben. Andererseits garantiert uns der Veranstalter, dass wir sicher sind in dieser Blase. Wir wären nicht in Amerika draussen, sondern nur im Hotelzimmer und auf der Tennisanlage. Ich mache mir Gedanken, unter welchen Bedingungen gespielt wird und ob es mir das wert ist. Derzeit sind aber noch zu viele Fragen offen. Was passiert zum Beispiel, wenn sich jemand ansteckt? Wird dann das Turnier abgebrochen? Oder nur der Spieler aus dem Turnier genommen? Darf man dann das nächste Turnier spielen? Ich werde darum alles sehr kurzfristig entscheiden.

Angenommen, Europäer müssten sich in Quarantäne begeben und eine Teilnahme würde deshalb nur wenig Sinn machen, das Turnier findet aber dennoch statt. Würden Sie das unfair finden?

Schauen Sie, wenn wir warten, bis die Bedingungen für alle wieder gleich sind, spielen wir dieses Jahr gar nicht mehr. Es ist in dieser Situation unmöglich, Fairness zu gewährleisten. Es muss irgendwie weitergehen. Deshalb hat die WTA entschieden, dass jene, die spielen können, die Möglichkeit haben sollen, Turniere zu spielen.

2019 erreichte Belinda Bencic bei den US Open erstmals in ihrer Karriere die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers.

2019 erreichte Belinda Bencic bei den US Open erstmals in ihrer Karriere die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers.

Charles Krupa / AP

Beim Ranking ist es so, dass mindestens die Punkte für den Halbfinal vom letzten Jahr drin bleiben, egal, ob Sie spielen oder nicht.

Genau. Erst bei einem Final oder Turniersieg würde ich Punkte dazu gewinnen. Verlieren kann ich aber nichts. Dadurch habe ich keinen Druck, in New York spielen zu müssen. So hat man die Freiheit, sich für die Gesundheit und die Sicherheit zu entscheiden.

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