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Interview

Belinda Bencic nach ihrem Turniersieg in Dubai: «Man lernt eben so einiges von Roger»

Belinda Bencic feierte am Samstag in Dubai beim mit 2,82 Millionen Dollar dotierten Event ihren dritten WTA-Turniersieg. Die 21-jährige Ostschweizerin über ihren bisher grössten Triumph und Roger Federer.
Jörg Allmeroth
Belinda Bencic mit dem Pokal für den Turniersieg in Dubai. (Bild: Zuma Sports Wire / Freshfocus)

Belinda Bencic mit dem Pokal für den Turniersieg in Dubai. (Bild: Zuma Sports Wire / Freshfocus)

Belinda Bencic, vier Top Ten-Gegnerinnen hintereinander geschlagen, mit dem Erfolg über Petra Kvitova den ersten Turniersieg seit 2015 geholt: Wie ist Ihnen dieses Kunststück gelungen?

Um ehrlich zu sein: Ich kann es selbst noch gar nicht richtig fassen. Es ist wirklich zu schön, um wahr zu sein. Ich habe lange, lange auf so einen Moment warten müssen. Wahrscheinlich kommt das im Bewusstsein erst mit ein paar Tagen Verspätung an.

Wer Ihnen in der Turnierwoche zusah, war über die Coolness verblüfft, mit der Sie sich immer wieder aus bedrängten Situationen befreiten. In der dritten Runde wehrten Sie sogar sechs Matchbälle gegen Aryna Sabalenka ab.

Manchmal war ich innerlich am Kochen, ziemlich geladen, blieb aber nach aussen ruhig. Wenn es zählte, war ich mental sehr stark, da habe ich mir keine Aussetzer geleistet. Ich habe die Big Points sehr konsequent, geradlinig und konzentriert gespielt, da war kein Zittern, da gab es auch keine Zweifel. Mein Niveau war am besten, als es um die Entscheidung ging.

Sie betonten auch, Sie hätten sich bei Roger Federer, Ihrem Hopman-Cup-Partner, die Ruhe und Gelassenheit in diesen kritischen Momenten abgeschaut.

Man lernt eben so einiges, wenn man mit Roger zusammen auf dem Platz steht. (lacht) Es ist immer ein fabelhaftes Erlebnis. Wie er seine Coolness behält, wenn es heiss zugeht, ist unfassbar. Da habe ich natürlich immer gedacht: Das willst du auch so machen, das ist der Weg, um in grossen Spielen erfolgreich zu sein. Hier in Dubai ist es mir wirklich gelungen, das auf den Platz zu bringen: Die Leidenschaft in den Matches, die Emotionalität, denn das gehört zu mir. Aber eben auch eine Ausgeglichenheit und Balance, um schliesslich vorne mit dabei zu sein in einem Turnier.

Kann ihren Sieg kaum fassen: Belinda Bencic. (Bild: Jürgen Hasenkopf/Freshfocus (Dubai, 23. Februar 2019))

Kann ihren Sieg kaum fassen: Belinda Bencic. (Bild: Jürgen Hasenkopf/Freshfocus (Dubai, 23. Februar 2019))

Federer startet heute

Dubai  Nach Bencics Siegeszug könnten die Schweizer Tennis-Festspiele im «Übermorgenland» der Vereinigten Arabischen Emirate weitergehen: Beim ATP-Turnier geht Roger Federer (37) auf die Jagd nach seinem 100. Karrieretitel und dem achten Pokalgewinn in der Stadt, in der er grosse Teile seines jährlichen Trainingsprogramms bestreitet. Federer gewann dort erstmals vor sechzehn Jahren, seinerzeit gegen den Tschechen Jiri Novak. Im Halbfinal überwand er seinen heutigen Coach Ivan Ljubicic. Federer trifft heute (16.05 Uhr, SRF zwei) in der ersten Runde des 2019er-Turniers auf Philipp Kohlschreiber. Es ist auch sein erster Auftritt seit dem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open in Melbourne gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas.

Federer gehörte inzwischen zu den prominentesten Gratulanten von Bencic, die mit ihm zusammen beim Hopman Cup in Perth die Saison eröffnet hatte. Damals gewannen die beiden Schweizer in einer Last-Minute-Entscheidung, mit dem allerletzten Punkt das Finale gegen Deutschland (Angelique Kerber/Alexander Zverev). «Ich hoffe, dass ich hier die Vorlage von Belinda nutzen kann», sagte Federer, «ich freue mich unheimlich für sie. Es ist schön, dass sie wieder auf diesem Topniveau angekommen ist.» (all)

Bei Ihren sechs Siegen spielten Sie 16 Sätze, oft ging es über die Zwei-Stunden-Marke hinaus. Aber von Müdigkeit war nichts zu spüren bei Ihnen.

Die wird erst jetzt ein wenig kommen, wo alles vorbei ist. Aber es ist richtig: Ich fühle mich so gut wie nie zuvor, so unheimlich fit. Martin (Hromkovic, die Red.), mein Fitnesscoach, hat einen sensationellen Job gemacht übers letzte Jahr. Diese Fitness ist die Grundlage des Erfolgs. Wenn du weisst, dass du in diesen Matches immer noch mal zulegen und an deine Grenzen gehen kannst, schafft es eben auch das nötige Selbstvertrauen.

Steigen mit diesem Sieg nun auch die eigenen Ansprüche?

Ich gehe immer ehrgeizig an die Sache heran. Aber ich habe immer auch noch das Gefühl, bei den Turnieren frei drauflos spielen zu können. Was mich von den Topspielerinnen sicher noch unterscheidet, ist diese Konstanz auf höherem Niveau. Ganz vorne in der Rangliste stehst du nur, wenn du über Wochen, Monate gute Ergebnisse hast. Das ist das Ziel, aber es ist eben noch ein Weg dahin.

Gleichwohl: Dieser Sieg ist ein Ausrufezeichen, der wertvollste überhaupt in Ihrer Karriere.

Schon ein bisschen verrückt, dass es hier so plötzlich geklappt hat. Ich bin natürlich mit dem Plan hergekommen, in diesem Topfeld für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. Aber dass ich dann vier absolute Spitzenspielerinnen schlagen würde, das hätte ich mir nicht zu träumen gewagt. Nach dem Sieg über Steffi Vögele war der Rest schon Kür. Aber dass der Bonus dann so ausfallen würde, ist der Hammer. Totaler Wahnsinn.

Dieser Erfolg erinnert ja verblüffend an Ihren Lauf beim Turnier in Toronto vor dreieinhalb Jahren. Auch dort besiegten Sie namhafte Konkurrenz, Wozniacki, Serena Williams, im Endspiel dann Simona Halep.

Aber es fehlte eben dieser emotionale Matchball-Moment im Final. Simona musste aufgeben, das war halt nicht so schön, da war ich schon sehr enttäuscht, weil ich anders gewinnen wollte. Hier musste ich mich durchbeissen bis zum letzten Punkt, im Achtelfinal, im Viertelfinal, im Halbfinal und im Final.

Siegerin der Duty Free Championships zu sein markiert auch den vorläufigen Höhepunkt Ihrer Comeback-Mission. Wie blicken Sie auf die letzten, nicht immer einfachen Jahre zurück?

Ich habe sehr viel gelernt. Und ich habe viel lernen müssen. Ich würde nichts davon rückgängig machen, wenn ich könnte. Jeder Sportler, jede Sportlerin hat damit zu tun, Verletzungen zu überwinden und wegzustecken – das gehört zu einer Karriere dazu. Ich habe diese Probleme früh gehabt, es waren keine leichten, aber wertvolle Erfahrungen, eben wie man mit so einer Situation umgeht. Und vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgeht.

Was wird dieses Jahr noch bringen für Sie, nach diesem Traumsieg in Dubai, nach einem insgesamt starken Auftakt?

Wenn ich das wüsste, wäre es ja langweilig. Aber nein: Ich bin stolz, wie die ersten Wochen der Saison verlaufen sind. Das macht Mut, da fühlt man sich bestärkt in seiner Arbeit. Trotzdem bin ich gut gefahren damit, meine Erwartungen niedrig zu halten und keine Riesenziele zu formulieren.

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