Belgien verzweifelt an Italien

Belgien kassiert im EM-Auftaktspiel eine Niederlage. Die Mitfavoriten finden gegen die taktisch hervorragend eingestellten Italiener kein Mittel und verlieren schliesslich 0:2.

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Italiens Emanuele Giaccherini (rechts) jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Die Belgier finden danach keinen Weg, um das Spiel auszugleichen. (Bild: ap/Pavel Golovkin)

Italiens Emanuele Giaccherini (rechts) jubelt nach seinem Treffer zum 1:0. Die Belgier finden danach keinen Weg, um das Spiel auszugleichen. (Bild: ap/Pavel Golovkin)

FUSSBALL. Den wegweisenden ersten Treffer für Italien erzielte Emanuele Giaccherini in der 32. Minute nach schönem Steilpass von Leonardo Bonucci. Für die Belgier vergab Romelu Lukaku Anfang der zweiten Halbzeit die grösste Chance. Und in der 82. Minute köpfelte der eingewechselte Divock Origi knapp über das Tor. Ansonsten präsentierten sich die hoch gehandelten Belgier weitgehend ideenlos. Sie bissen sich am italienischen Bollwerk von Juventus Turin die Zähne aus. Nur ein Lucky Punch in den Schlussminuten, als sie alles nach vorne warfen, hätte noch zum Unentschieden verhelfen können. Stattdessen erhöhte Graziano Pellè in der Nachspielzeit auf 2:0. Ein wenig vermittelte die Partie den Eindruck, als spielte eine der meistüberschätzten Mannschaften gegen eine der meistunterschätzten. Kevin De Bruyne fand bis auf seinen Pass zu Lukaku beim Konter in der Offensive keine Lösungen, Eden Hazard ebenso wenig. Die Italiener dagegen belehrten ihre Skeptiker eines Besseren, setzten mit einer vor allem, aber nicht nur, taktisch starken Leistung ein erstes Ausrufezeichen.

«Noch ein weiter Weg»

«Das war ein sehr gutes Spiel von uns», sagte Italiens Trainer Antonio Conte. «Wir waren richtig eingestellt. Die Jungs wussten, dass sie leiden mussten. Wir haben gegen ein sehr gutes Team gewonnen, mit Kompaktheit kann man viel erreichen. Wir sind ein Team in jeder Beziehung, 23 Jungs, die sich mögen. Aber es ist noch ein weiter Weg.»

Die Defensive, der vermeintlich einzige Trumpf Italiens, präsentierte sich schier unüberwindbar – ohne dass dabei die Offensive vernachlässigt wurde. Mit ihren Nadelstichen wurden die Italiener öfter gefährlich als die Belgier, vor allem zwischen der 30. und der 40. Minute, in denen auch der Führungstreffer fiel und Pellè schon beinahe das 2:0 erzielte. Und wenn es sein musste, behalfen sich die Italiener mit taktischen Fouls.

Vor dem 1:0 bewies Bonucci indes eine grossartige Übersicht und ein feines Füsschen. Sein langer Steilpass gelangte mit der Präzision eines Chirurgen zum ansonsten oft als zusätzlicher Verteidiger agierenden Giaccherini, der genau zum richtigen Zeitpunkt startete. Alleine vor Courtois versenkte der von Sunderland an Bologna ausgeliehene Giaccherini souverän.

Ohne Vorschusslorbeeren

Selten wurde Italien vor einer EM so wenig zugetraut wie diesmal. Einzig die defensive Dreierkette von Juventus Turin und Goalie Gianluigi Buffon genügen höchsten Ansprüchen. Gestern in Lyon bewiesen die Italiener aber eindrücklich, dass sie diesen Umstand mit einer starken kollektiven Leistung wettmachen können. (sda)