Beinfreiheit als Privileg – mehr ist nicht

Die Lobby des Flughafens in Bern-Belp ist beinahe menschenleer. Etwa ein Dutzend Fluggäste für den Charterflug der Schweizer Fussballnationalmannschaft nach Vilnius warten, es herrscht angenehme Ruhe. Allmählich trudeln immer mehr Journalisten ein, ja, die schreibende Zunft ist pünktlich.

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Die Lobby des Flughafens in Bern-Belp ist beinahe menschenleer. Etwa ein Dutzend Fluggäste für den Charterflug der Schweizer Fussballnationalmannschaft nach Vilnius warten, es herrscht angenehme Ruhe. Allmählich trudeln immer mehr Journalisten ein, ja, die schreibende Zunft ist pünktlich. Ein Schwätzchen hier, ein Tratsch da, man tauscht sich aus. Bis sich die Anzeichen verdichten: Weit kann das Nationalteam nicht mehr sein. Was wiederum die Journalisten dazu veranlasst, in die Nähe des Lobby-Eingangs zu stehen und für Interviews zwischen Tür und Angel die besten Plätze zu ergattern.

Keine Ausnahme für die Spieler

Timm Klose wird als Erster erspäht. Gut gelaunt passiert er die Passkontrolle. Den Sicherheitscheck muss er – wie jedermann – über sich ergehen lassen. Da gibt es keinen Prominenten-Bonus. Hinter ihm folgen frühere und aktuelle Exponenten des FC Basel und setzen sich kreisförmig nieder. Neben ihnen in der Ecke hockt Vladimir Petkovic mit seinem Assistenten. Er macht einen gelassenen Eindruck, man glaubt, in der Miene des Nationalcoachs Zuversicht zu erkennen. Oder täuscht dieser Eindruck?

Admir Mehmedi ist der erste Spieler, um den sich eine Traube von Journalisten bildet. Ruhig steht er Red und Antwort. Stephan Lichtsteiner steht ihm weiter rechts in nichts nach. Der Verteidiger parliert auf Deutsch, auch die französische und italienische Schweiz bedient er souverän. Der Laie staunt.

Auffallend ist die Nähe einiger Profis zum «Blick» und zu «20 Minuten». Man scheint sich gut zu kennen und noch besser zu verstehen. Wie immer geht es auch hier um den Informationsaustausch.

Menschen wie wir

Was, schon Boarding-Time? Noch eine letzte Kontrolle, die Sitzplätze werden eingenommen. Pünktlich hebt der ausgebuchte Flieger nach Litauen ab. Die Nationalmannschaft vorne in der Business-Klasse, der Rest hinten im Economy-Sektor. Für einen Moment kommt Neid auf, etwas mehr Beinfreiheit oder eine warme Mahlzeit, das hätte man jetzt auch gern.

Vilnius ist erreicht. Hurtig verlassen alle den Flieger. Beim langen Warten an der Gepäckausgabe sieht man sich vorerst ein letztes Mal wieder. Vorzugsbehandlung? Fehlanzeige. (cbr)