Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Beim Tanzen fliegt die Seele

BISCHOFSZELL. Im Kreistanz findet sich der einzelne in bewegter Gemeinschaft wieder. Das fasziniert den Bischofszeller Tanzpädagogen Adrian Gut auch nach zwanzig Jahren immer wieder neu. Darum hat er das Welttanzfestival gegründet.
Katrin Zürcher
«Ich will mit den Menschen tanzen, nicht für sie»: Adrian Gut lebt und arbeitet in Bischofszell. (Bild: Katrin Zürcher)

«Ich will mit den Menschen tanzen, nicht für sie»: Adrian Gut lebt und arbeitet in Bischofszell. (Bild: Katrin Zürcher)

Adrian Gut tanzt, weil die Seele beim Tanzen fliegen kann. Weil Tanzen Leichtigkeit vermittelt, weil es gleichzeitig Selbstausdruck ist und Loslassen. Er tanzt, seit er als 20-Jähriger in der kirchlichen Jugendarbeit israelische Volkstänze kennengelernt hat, die im Kreis getanzt werden.

Nach der Ausbildung zum Primarlehrer wollte er nicht unterrichten, sondern weiterlernen. Er absolvierte in Konstanz eine Tanzpädagogik-Ausbildung und gründete zusammen mit einigen Mitstudenten eine Tanzcompany. Zusammen verwirklichten sie verschiedene Bühnenprojekte, bevor ihm klar wurde: «Ich will mit den Menschen tanzen, nicht für sie.» So kehrte er zurück zum Kreistanz, auch wenn der in der Performance-Tanzszene zuweilen belächelt wird. Um diesem Vorurteil zu begegnen, hat er vor zehn Jahren das Welttanzfestival gegründet und verschiedene Tanzateliers angeboten – vom Ausdruckstanz über orientalischen Tanz bis Kreistanz. «Im Kreis hat jeder seinen Platz, und alle sind einander gleichgestellt.»

Gute und schlechte Lehrer

Doch eigentlich philosophiert Adrian Gut nicht gern übers Tanzen. «Tanzen soll man tun, nicht zerreden.» Doch da er an diesem Vormittag bei einer Tasse Kaffee auf einem Stuhl in einem Bischofszeller Restaurant sitzt, redet er dennoch weiter. Er erzählt von seiner Seniorentanzgruppe in Sitterdorf, die er seit 15 Jahren leitet und von der er sagt: «Neben viel Unbeständigem ist sie das Beständige in meinem Leben.» Er erzählt von seiner Tanzschule Chora, die er im Jahr 2000 gegründet hat, um Lehrerinnen und Lehrer für Kreistänze auszubilden; er erzählt vom Tanzraum Bischofszell, den er aufgebaut hat.

Er redet sich ins Feuer, wickelt seinen blauen Schal vom Hals, spricht von der Gemeinschaft, die beim Tanzen im Rund entsteht, von Lebensfreude und Energie, die durch einfache Schritte zu Musik freigesetzt werden, vom Choreografieren, das er mit dem Kochen vergleicht – «aus bekannten Zutaten entsteht Neues» –, von guten Tanzlehrern, die ihre Schüler fördern, und von solchen, die sich lieber anhimmeln lassen.

Von der Sehnsucht leben

Mit Tanzlehrerinnen und Tanzlehrern hat der 42-Jährige viel Erfahrung, seit er alle zwei Jahre das Welttanzfestival organisiert. Dieses Jahr findet es zum fünften Mal statt, Anfang August im oberschwäbischen Heiligkreuztal bei Sigmaringen. Mit Cecilia Vargas wird auch eine Thurgauer Tanzlehrerin dabei sein. Sie hat kolumbianische Wurzeln, unterrichtet aber seit Langem in Frauenfeld. Das sei ideal, findet Adrian Gut, denn eine professionelle Methodik und Pädagogik seien mindestens so wichtig wie Authentizität.

Das Wichtigste überhaupt aber sei, dass jemand mit dem Herzen tanze. Nachdenklich fügt er an: «Jeder, der den Wechsel vom Selbertanzen zum Unterrichten macht, verliert etwas vom Zauber.» Tanzlehrer lebten in gewissem Mass von der Sehnsucht ihrer Schülerinnen und Schüler, so wie Bühnentänzer von der Sehnsucht der Betrachter lebten.

Aufgewachsen ist Adrian Gut in Bronschhofen. In Bischofszell lebt und arbeitet er seit 15 Jahren. Er fühlt sich wohl im Städtli, wo er zusammen mit seiner Frau und dem kleinen Sohn wohnt. Sein Büro und seine Massagepraxis befinden sich nur ein paar Türen weiter, im einzigen grün bemalten Haus der Altstadt.

Gruppen können ermüden

Die Ausbildung in Yoga-Massage, einer thailändischen Druckpunktmassage, hat er vor fünf Jahren absolviert. «Durch die jahrelange Gruppenarbeit hatte ich gewisse Ermüdungserscheinungen», sagt er. «In der Yoga-Massage kann ich mich intensiv auf einen einzigen Menschen einlassen.» Dem Massieren widmet er mittlerweile einen Viertel seiner Zeit. Doch ganz kann er das mit den Gruppen auch hier nicht lassen: Im Herbst bietet er in Sitterdorf eine einwöchige Ausbildung in Yoga-Massage an. Darin eingewoben sind Tanzelemente zur Auflockerung. Damit die Seele fliegen kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.