Bei Gisin muss alles zusammenpassen

Obwohl sich Dominique Gisin beim Sturz in der Abfahrt am vergangenen Sonntag die Hand gebrochen hat, startet sie heute zum WM-Riesenslalom. Die Chancen auf eine Spitzenplazierung stuft die Engelbergerin deshalb als gering ein.

Christof Krapf/Schladming
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«Kaputtgehen kann nichts mehr»: Dominique Gisin fährt heute den WM-Riesenslalom mit eingegipster Hand. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

«Kaputtgehen kann nichts mehr»: Dominique Gisin fährt heute den WM-Riesenslalom mit eingegipster Hand. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

SKI ALPIN. «Es gibt wohl kaum einen Athleten im Weltcup, der mehr einstecken musste als ich», sagt Dominique Gisin. Die 27-Jährige wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Insgesamt neunmal musste sie sich am Knie operieren lassen, stürzte in der Olympia-Abfahrt 2010 schwer und zog sich eine Hirnerschütterung zu. Im vergangenen Winter verletzte sie sich erneut am Knie und musste die Saison Mitte Januar abbrechen.

Gisins Verletzungsserie fand in der WM-Abfahrt am vergangenen Sonntag ihre Fortsetzung: Die Innerschweizerin verlor in einer Kurve das Gleichgewicht und prallte in eine Plane. Dabei brach sie sich den Mittelhandknochen. Verletzungen sind für Gisin der Grund, warum sie in diesem Winter noch nicht recht auf Touren gekommen ist. «Ich fahre mit Sicherheitsmargen, und das wirkt sich auf die Zeit aus. Ich muss Geduld haben, bis ich wieder Sicherheit gewinne», sagt sie.

Mühe in der Hocke und am Start

Obwohl Gisin an der rechten Hand einen Gips trägt und eine Schramme im Gesicht vom Sturz in der Abfahrt geblieben ist, wird sie heute um 10 Uhr im Riesenslalom starten. «In den technischen Disziplinen fahre ich nicht so gehemmt wie im Speed.» In den vergangenen zwei Tagen trainierte sie – trotz gebrochener Hand – wieder Riesenslalom. «Es geht erstaunlich gut. Ich kann zu 99 Prozent so fahren wie ich will», sagt die Engelbergerin. Damit sie heute im Rennen mit möglichst wenigen Beeinträchtigungen fahren kann, wurde ihr Gips an den Handschuh und den Stock angepasst. «Mühe habe ich nur in der Hocke und beim Start», sagt Gisin.

Für sie hatte die Riesenslalom-Saison stark begonnen. Die Obwaldnerin belegte Ende Oktober in Sölden Rang vier. «Damit ich in Schladming ein ähnliches Resultat erreichen kann, muss alles zusammenstimmen», sagt Gisin. Sie glaubt nicht, dass die Verletzung Druck von ihr genommen hat und sie deshalb befreit antreten kann. «Der Druck hielt sich im Riesenslalom bei mir sowieso in Grenzen.» Sie bleibt deshalb realistisch: «Es werden zahlreiche Athletinnen starten, die keine Verletzung haben und besser im Riesenslalom sind als ich.»

Für die Hand besteht kein Risiko

Obwohl Gisin nicht viel erwartet, freut sie sich auf den Start. «Die steile Piste kommt mir entgegen. Ich habe mich schon vor der WM auf den Riesenslalom gefreut», sagt die 27-Jährige. Ein Risiko, wegen der gebrochenen Hand, geht Gisin nicht ein. «Kaputtgehen kann nichts mehr.» Nebst ihr werden für die Schweiz Lara Gut, Fabienne Suter und Wendy Holdener antreten. Von diesem Quartett ist am ehesten Gut ein Podestplatz zuzutrauen. Sie fuhr im Riesenslalom in dieser Saison zweimal auf Rang vier.