BEHINDERTENSPORT: Wettkampfpause – kein Rücktritt

Die Rollstuhl-Leichtathletin Catherine Debrunner konzentriert sich während der nächsten zwei Jahre auf die berufliche Ausbildung als Primarlehrerin und schraubt im Spitzensport zurück.

Urs Huwyler
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Catherine Debrunner wird die Ehrenrunde in Rio de Janeiro nach dem 400-m-Lauf nicht so schnell vergessen. (Bild: Alexandra Wey/KEYSTONE)

Catherine Debrunner wird die Ehrenrunde in Rio de Janeiro nach dem 400-m-Lauf nicht so schnell vergessen. (Bild: Alexandra Wey/KEYSTONE)

Siebenkämpferin Linda Züblin gab Anfang Woche ihren Rücktritt vom Spitzensport bekannt. Knieprobleme und eine vierte bevorstehende Operation zwingen das Energiebündel zum Abbruch der Karriere. «Die Gesundheit ist mir wichtiger als kurzfristige Erfolge. Ich möchte in Zukunft Sport als Hobby betreiben können», begründet die Olympia-Teilnehmerin von 2008 ihren Entscheid.

Keine Wettkämpfe bestreiten wird in nächster Zeit auch die 21jährige Paralympics-Teilnehmerin Catherine Debrunner (Mettendorf). Die Rollstuhl-Leichtathletin erfüllte in Rio mit einer Final-Teilnahme (7.) und persönlichen Bestleistungen die Erwartungen und bewies einmal mehr, dass sie inzwischen in der Klasse T53 über 400 m, 800 m und 1500 m zur erweiterten Weltspitze gehört und sich von der Sprint-Spezialistin zur Allrounderin entwickelt.

Konzentration auf das Studium

Im Hinblick auf ihre ersten Paralympics schaltete Catherine Debrunner ein Profi-Zwischenjahr ein. Nun muss der Sport bei der amtierenden Vizeweltmeisterin über 200 m (2015 in Doha) wieder in den Hintergrund rücken. «Die nächsten zwei Jahre, also während meiner Ausbildung zur Primarlehrerin an der Pädagogischen Hochschule, werde ich mich ausschliesslich auf das Studium konzentrieren. Ich möchte mir Zeit für die Ausbildung nehmen und mir auch die nötige Freizeit gönnen.»

Tokio 2020 als erstrebenswertes Ziel

Mit den internationalen Erfolgen haben auch die Verpflichtungen und der Druck (Erwartungshaltung) zugenommen. Während der Ausbildung könnte die ehrgeizige und willensstarke Athletin das Welt-Niveau kaum halten. «In meinem Profijahr habe ich enorme Fortschritte erzielt. Aber die Paralympics in Rio haben gezeigt, wie stark die internationale Konkurrenz inzwischen geworden ist. Den Anschluss zu halten und nebenbei ein Vollzeitstudium zu absolvieren, das funktioniert nicht.»

Der (mutige) Schritt, das «Doppelleben» zu unterbrechen, drängte sich demnach auf. «Es handelt sich», betont Catherine Debrunner, «um keinen Rücktritt, sondern um eine von allen Verpflichtungen befreite Wettkampfpause. Ich werde nach wie vor trainieren, aber dann, wenn es mir zeitlich möglich ist.» Um den Kontakt zum Kader nicht zu verlieren, kann sie sich vorstellen, gelegentlich im Stützpunkt Nottwil mit den andern Teammitgliedern zu trainieren.

Das Ziel ist klar: «Nach Abschluss der Ausbildung im Sommer 2018 möchte ich eine Teilzeitstelle als Lehrerin suchen und mit dem konsequenten Aufbau für die Paralympics 2020 in Tokio beginnen. Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit, 2019 nochmals ein Profijahr einzuschieben.» Linda Züblin wird kein Comeback geben, Catherine Debrunner schon.