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Begnadetes Schlitzohr

In der Nachwuchsabteilung von Bayern München war Dejan Janjatovic der beste Spieler seines Jahrgangs. Doch dann folgte der Knick. In St. Gallen ist der 20-Jährige auf gutem Weg, seine Karriere neu zu lancieren.
Patricia Loher/Markus Zahnd
Dejan Janjatovic in der AFG Arena: Seine Eltern und die 16jährige Schwester fahren regelmässig von München nach St. Gallen, um die Heimspiele zu sehen. (Bild: Luca Linder)

Dejan Janjatovic in der AFG Arena: Seine Eltern und die 16jährige Schwester fahren regelmässig von München nach St. Gallen, um die Heimspiele zu sehen. (Bild: Luca Linder)

FUSSBALL. Manchmal gibt es den Moment. Dann denkt Dejan Janjatovic: «Da könnte ich jetzt auch sein.» Einige seiner früheren Teamkollegen in Junioren-Auswahlen Deutschlands haben den Durchbruch geschafft. Mario Götze beispielsweise, mit dem Janjatovic Lehrgänge besuchte, spielt mit Dortmund in der Champions League. Oder Gladbachs Torhüter Marc-André ter Stegen, dessen Stern in den vergangenen Jahren ebenfalls aufgegangen ist.

So wie Götze und ter Stegen ist auch Janjatovic erst 20jährig. Aber der Mittelfeldspieler wählte einen anderen Weg. Mit 19 Jahren verliess er die Nachwuchsabteilung von Bayern München in Richtung Getafe, «weil mir mein Manager viel versprochen hatte», sagt Janjatovic und fügt an: «Ich wäre besser in München geblieben.»

Näher bei der Familie

In Spanien verletzte er sich und kam schliesslich auch in der zweiten Mannschaft kaum zum Einsatz. Er war weit weg von zu Hause. St. Gallen aber ist näher bei München, wo seine Familie und seine Freundin leben. Das war mitunter ein Grund, weshalb er sich im Winter entschied, in der Ostschweiz einen neuen Anlauf zu nehmen. In St. Gallen bildet er mit Stéphane Nater seit dieser Saison das Herz des Aufsteigers im zentralen Mittelfeld. Janjatovics Treffer in Luzern wurde in den vergangenen Tagen zum Tor des Monats gewählt.

Ein Lausbub, im positiven Sinn

Mittlerweile hat der Spieler keinen Berater mehr. «Mein Vater und mein Onkel helfen mir.» In St. Gallen erhält der junge Fussballer eine zweite Chance. Er hofft, die Super League sei ein Sprungbrett, um einst doch einmal in der Bundesliga oder der Primera Division spielen zu können. In den ersten elf Partien hat Janjatovic gezeigt, wozu er fähig ist: Er ist technisch stark, ballsicher und selbstbewusst. Sein Trainer Jeff Saibene sagt: «Janjatovic ist ein begnadeter Fussballer.» Er sei, im positiven Sinn, ein Lausbub, «ein Fussballer, der es faustdick hinter den Ohren hat».

Als Janjatovic im Winter in St. Gallen einen Vertrag über viereinhalb Jahre unterschrieb, wusste kaum jemand, wer da kommen würde. Das erste halbe Jahr spielte Janjatovic in der 1. Liga. Nach dem Aufstieg in die Super League trat er die Nachfolge von Philipp Muntwiler an. Janjatovic hatte im Nachwuchs von Bayern München Eindruck hinterlassen. Es heisst, er sei der beste seines Jahrgangs gewesen. Er spielte für deutsche Nachwuchsauswahlen und «U19- Nationalspieler in Deutschland wird man nicht einfach so», sagt Saibene. Doch dann folgte der Knick. Gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagte Werner Kern, der frühere Nachwuchschef des deutschen Rekordmeisters: «Janjatovic hat vom lieben Gott eigentlich alles mit auf den Weg bekommen.» Und trotzdem: «Für uns war er irgendwann verloren.»

St. Gallen als Lottosechser

Janjatovic habe Extraschichten ausgelassen, sei im gleichen Tempo geblieben und hätte nicht an seiner Grundschnelligkeit arbeiten wollen, so die Zeitung. In St. Gallen jedoch berichten die Verantwortlichen nur Positives. Janjatovics Einsatz in den Trainings sei vorbildlich, so der Trainer. «Seine Einstellung ist top.» Saibene glaubt, sein Spieler wisse es zu schätzen, dass er in St. Gallen eine neue Chance erhalte. «Für ihn ist dieses Engagement wie ein Sechser im Lotto.»

Janjatovic hat den Weg in den Profifussball doch noch gefunden. In St. Gallen fühle er sich wohl, der Teamgeist stimme. Von den Kollegen wird er «Boban» genannt, in Anlehnung an den ehemaligen kroatischen Nationalspieler Zvonimir Boban. Der Vergleich ehrt ihn, der als Zweijähriger mit seinen Eltern aus Serbien zuerst nach Passau und dann nach München kam. Ganz zufrieden ist er damit aber nicht, «denn mein Vorbild ist Zinedine Zidane». Damit verrät er auch, dass ihm die Sechserposition zwar gefällt. «Aber ich kann mir schon vorstellen, hinter den Spitzen zu spielen.»

Das Ziel: Bayern München

Ungeachtet ob defensiv oder offensiv – Janjatovic sieht ohnehin Steigerungspotenzial. «Ich bin jung und kann noch viel lernen.» Diesen Satz sollte jeder Fussballer über sich sagen. Janjatovic aber glaubt man es sofort. Denn er will in die Bundesliga – «am liebsten zu Bayern München» – und in die Nationalmannschaft. Er könnte für Serbien oder für Deutschland spielen. «Die Chance, von Serbien aufgeboten zu werden, ist aber wohl grösser», gibt Janjatovic zu. Vielleicht begegnet er Götze und ter Stegen das nächste Mal in einem Länderspiel.

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