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Beben im Land der Roten Teufel

In Belgien zeichnet sich ein Skandal ab: Die Polizei verhaftet mehrere namhafte Personen verschiedener Clubs. Unter ihnen befindet sich Ivan Leko, Trainer des belgischen Meisters Brügge. Den Verhafteten wird Korruption vorgeworfen.
Markus Brütsch
Der verhaftete Ivan Leko ist seit 2017 als Trainer des FC Brügge tätig. (Bild: Philippe Crochet/Getty (Liege, 7. Oktober 2018))

Der verhaftete Ivan Leko ist seit 2017 als Trainer des FC Brügge tätig. (Bild: Philippe Crochet/Getty (Liege, 7. Oktober 2018))

Zwei Tage bevor die Schweiz in der Nations League in Brüssel gegen Belgien antritt, wurde der Fussball des Gastgeberlandes von einem Korruptionsskandal erheblichen Ausmasses erfasst. Wie dramatisch die Angelegenheit ist, zeigen die Verhaftungen von zahlreichen namhaften Protagonisten des belgischen Clubfussballs. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, es gehe bei den Ermittlungen um Geldwäsche, Korruption und organisiertes Verbrechen. Im besonderen Fokus: Steuerbetrug bei Transfers und Spielmanipulationen durch verschiedene Vereine.

Begonnen hatte die konzertierte Aktion der Kriminalpolizei Limburg mit zahlreicher Unterstützung aus vielen anderen Gebieten des Landes am frühen Mittwochmorgen. 220 Polizisten in Belgien und Ländern wie Frankreich, Luxemburg, Zypern, Montenegro, Serbien und Mazedonien waren an 44 Hausdurchsuchungen beteiligt. Durchforstet wurden die Büros von zehn Erstligisten wie Brügge, Anderlecht, Standard Lüttich und Royal Antwerpen und Beweismaterial beschlagnahmt.

Auch Schiedsrichter festgenommen

In Belgien schlug der Skandal wie eine Bombe ein. Dies, obwohl es seit geraumer Zeit Hinweise auf verdächtige Transaktionen in der höchsten Spielklasse, der Jupiler Pro League, gegeben hatte und die Untersuchungen schon Ende 2017 angelaufen waren. Liegen einige belgische Medien mit ihren Berichten richtig, dann sind in den vergangenen beiden Saisons einige Meisterschaftsspiele «verschoben» worden. Pikant ist dabei, dass ausgerechnet auch der Trainer von Brügge festgenommen wurde. Der 40-jährige Kroate Ivan Leko, der bereits als Spieler während vier Jahren für diesen Club engagiert gewesen war, hatte vor einem Jahr die Geschicke von Brügge übernommen. Und den Verein gleich im ersten Jahr mit drei Punkten Vorsprung auf Standard Lüttich zum Titel geführt. Vereinspräsident Bart Ver­haeghe stellte sich in einer ersten Stellungnahme vor den Trainer und sprach von einem «Missverständnis».

Die Verhaftungen der beiden Fifa-Schiedsrichter Sébastien Delferiere und Bart Vertenten deuten indes stark darauf hin, dass tatsächlich Spiele manipuliert worden sind. Justizminister Koen Geens sagte: «Die Spielabsprachen untergraben die Integrität des Sports. Die Justiz arbeitet an einem fairen Sport.» Die Massnahmen im Kampf gegen Korruption hätten Früchte getragen, so der Politiker. Der 37-jährige Delferiere hat letztmals am 4. Oktober in der Europa League ein Spiel gepfiffen und international insgesamt fünf WM-Qualifikationsspiele geleitet. Der 30-jährige Vertengen stand am vergangenen Sonntag noch beim 3:1-Sieg von Standard Lüttich gegen Brügge im Einsatz. In Belgien wird vermutet, dass die Spielerberater Mogy Bayat und Dejan Veljkovic die Drahtzieher des Skandals sind. Der iranischstämmige Bayat ist die grosse Nummer unter den Agenten. Besonders eng arbeitete der ebenfalls in Gewahrsam genommene frühere Anderlecht-Manager Hermann van Holsbeeck mit Bayat zusammen. Laut der Zeitung «De Morgen» soll die Macht von Bayat so gross gewesen sein, dass er vor ein paar Jahren die Verpflichtung des designierten neuen Trainers Paul Le Guen verhinderte, weil dieser sich weigerte, in Bayats Beraterfirma zu wechseln. Van Holsbeeck, unter dem Anderlecht 2016 den späteren Meistermacher und heutigen Luzern-Trainer René Weiler verpflichtet hatte, verliess den Verein am 6. April dieses Jahres nach 15 Jahren.

Der Verband nimmt keine Stellung

Zu den Ermittlungen war es gekommen, weil Westerlo geklagt hatte. Der Club war 2017 abgestiegen, doch dessen Präsident der Überzeugung gewesen, beim Spiel in der letzten Runde zwischen Kortrijk und Mouscron sei zum Nachteil von Westerlo nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, habe Kortrijk dem Gegner die drei Punkte geschenkt und Westerlo damit zum Abstieg verurteilt. Spieleragent Bayat hatte damals bei beiden Vereinen Schützlinge platziert.

Der belgische Fussballverband äusserte sich bisher noch nicht zu den Geschehnissen, bot in einem dürren Communiqué lediglich die Mithilfe bei den Untersuchungen an, falls nötig. Fest steht aber, dass durch die unappetitliche Geschichte die gute Entwicklung des belgischen Fussballs und vor allem der Nationalmannschaft in den Hintergrund rückt. Zusammen mit Weltmeister Frankreich belegt Belgien in der Fifa-Weltrangliste Platz eins.

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