Kommentar

Beat Feuz, die «coole Socke»

Der Schweizer Abfahrer Beat Feuz gewinnt nach 2012 und 2018 zum dritten Mal am Lauberhorn. Das Erfolgsrezept des 32-jährigen Emmentalers? Er hat die Effizienz perfektioniert.

Rainer Sommerhalder
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Beat Feuz hört im Zielraum in Wengen der Schweizer Nationalhymne zu. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone; 18. Januar 2020)

Beat Feuz hört im Zielraum in Wengen der Schweizer Nationalhymne zu. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone; 18. Januar 2020)

Peter Klaunzer, KEYSTONE

Nein, Nerven scheint dieser Teufelskerl Beat Feuz nicht zu kennen. Als Topfavorit vor Heimpublikum anzutreten; vor über 30 000 Zuschauern, die nur das eine von ihrem Kugelblitz erwarten. Grösser kann Druck nicht sein.

Erwartungen haben Feuz noch nie gebremst. Er bringt es Abfahrt für Abfahrt auf den Punkt, fährt die schwierigsten Pisten runter wie auf Schienen, gerät selten bis nie in Schwierigkeiten. Feuz fahre derart ökonomisch, er könnte wohl noch zwei Minuten länger diesen Speed halten, wenn es sein müsste. Sagt Teamkollege Carlo Janka mit grösster Anerkennung. 

Die Effizienz des Beat Feuz endet nicht auf der Piste. Am Vortag der Abfahrt schaut er im Hotel in Wengen gemütlich zu, wie seine grossen Konkurrenten in der Kombination Körner liegen lassen, während er seinen Energiehaushalt mit einem Ruhetag auf ein Maximum auffüllt.

Der Schweizer hat nichts dagegen, dass der Trainingsschnellste Matthias Mayer die Kombination gewinnt und mit Interviews und abendlicher Siegerehrung einen ausgefüllten Tag erlebt. Gleichzeitig nutzt Feuz die Gelegenheit, von Mayer die schnelle Variante durchs Kernen-S zu kopieren. Im Training wählte Feuz dort noch eine andere Taktik. 

Äusserst effizient ist Beat Feuz auch nach dem Rennen. Früher war es üblich, dass sich der König des Lauberhorns am Sonntagmorgen noch einmal den Medien stellte. Schliesslich garantiert das fette Schlagzeilen und ist der Slalom ohnehin nicht ihre Bühne. Auch auf Wunsch von Feuz wurde diese Tradition abgeschafft. 

Denn der Berner schaut längst voraus. In einer Woche folgt der Höllenritt auf der Streif in Kitzbühel. Da soll der Akku frühzeitig wieder grün leuchten. Faulenzen mit der Familie zuhause in Innsbruck kommt da eher gelegen als sich feiern lassen vor den Medien in Wengen. 

Denn grün leuchten soll in Kitzbühel nicht nur die Energiereserve von Beat Feuz. Grün leuchten soll im Ziel auch die Zeit – und zwar bis nach dem letzten Konkurrenten. Die Abfahrt auf der Streif, der zweite grosse Klassiker neben Wengen, hat Beat Feuz noch nie gewonnen.  

Viele Gelegenheiten dazu wird der 32-Jährige nicht mehr haben. Also erneut maximaler Druck. So wie er es liebt, die «coole Socke». Carlo Jankas Ausdruck für den Wengen-Sieger beinhaltet höchsten Respekt – und eine grosse Portion Wahrheit. 

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