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FC Bayern München: Planlos, ratlos, chancenlos

Der FC Bayern ist nur ein Schatten jener Mannschaft, die mit sieben Pflichtspielsiegen in die Saison startete. Was immer auch Trainer Niko Kovac vorgeben mag: Es funktioniert nicht.
Thomas Häberlein und Ruben Start (SID), München
Wirkt derzeit ratlos: Bayern-Coach Niko Kovac. (Bild: Maja Hitij/Getty (Gelsenkirchen, 22. September 2018))

Wirkt derzeit ratlos: Bayern-Coach Niko Kovac. (Bild: Maja Hitij/Getty (Gelsenkirchen, 22. September 2018))

Niko Kovac weiss, was die Stunde geschlagen hat. Vier Pflichtspiele nacheinander nicht gewonnen, nun die zweite Niederlage nacheinander in der Bundesliga – bei Bayern München heisst das normalerweise: Der Trainer gerät in die Schusslinie. «Ich kenne die Mechanismen im Fussball, ich weiss, dass die Zeit beim FC Bayern anders läuft als anderswo», sagte Kovac beinahe emotionslos nach dem bitteren 0:3 am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach. Drei Monate ist er im Amt, und schon tickt die Uhr. Immerhin sprang Uli Hoeness dem viel kritisierten Trainer zur Seite. Er stehe «wie eine Eins» für Kovac ein, sagte der Präsident am Sonntag. «Egal, was in den nächsten Wochen passieren wird.» Noch am Samstag hatten sich Hoeness, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hassan Salihamidzic vor einem Statement zu Kovac gedrückt.

Es ist offensichtlich, dass bei den Bayern derzeit der Wurm drin ist. Thomas Müller, in der Offensive erneut wirkungslos, sprach nach der erschütternden Leistung gegen Gladbach von einer «Mischung aus Fehlern, Unvermögen und eben einem gewissen Antilauf». Und er schlussfolgerte: «Die Situation ist brutal.» Gegen Gladbach setzte sich fort, was sich vier Tage zuvor beim 1:1 gegen Ajax Amsterdam in der Champions League schon angedeutet hatte: Die Münchner sind in der Spielgestaltung erstaunlich planlos.

Kovac sollte anfangen, Lösungen zu finden

Die Bayern hatten am Samstag mehr als 70 Prozent der Zeit den Ball, doch sie wussten erneut nichts damit anzufangen. «Es ist nicht so, dass wir so viele Chancen versemmelt haben. Wir hatten einfach keine», analysierte Verteidiger Joshua Kimmich. Abwehrpartner Mats Hummels ergänzte: «Wir haben zu wenige Spieler in die Räume gebracht, wo es dem Gegner weh tut.» Zugleich betonte er: «Wir lassen uns davon jetzt nicht verrückt machen.» Allerdings: Der Trainer sollte langsam anfangen, Lösungen zu finden.

Kovac ist zumindest geschwächt. Nein, behauptete er, «ich bin nicht ratlos», er wisse ja, «warum es nicht geklappt hat». Es sei nicht gelungen, die Abwehr der Gladbacher «über aussen» zu überwinden, und «durch die Mitte schaffen wir es auch nicht». Gegen Gladbach fanden die Münchner keine Lösung gegen eine gut verteidigende Mannschaft, gegen Ajax fanden sie keine Lösung gegen eine früh und hoch attackierende Mannschaft. Die Fälle der Planlosigkeit häufen sich. Derzeit, sagte Captain Manuel Neuer, sei der FC Bayern nicht der wahre FC Bayern, «das ist zu wenig». Daran etwas zu ändern, «ist meine Verantwortung», weiss Kovac, der doch ratlos wirkt.

Nicht zuletzt wegen der Fehler in der Defensive: Niklas Süle patzte beim 0:1 durch Alessane Plea, Neuer mit einem riskanten Anspiel und Thiago mit einem Ballverlust beim 0:2 durch Lars Stindl, die ganze Abwehr beim 0:3 durch Patrick Herrmann. Mittlerweile ist auch die DNA des FC Bayern geschädigt, vom «Mia san mia» ist wenig zu sehen. Seine Spieler seien ja auch nur Menschen, sagte Kovac, manchmal streike eben der Kopf.

Kader wirkt überaltert und ausgelaugt

Der Trainer wiederum, sagt zumindest Kimmich, mache allerdings eine gute Arbeit. «Er versucht uns immer wieder zu pushen», es sei «erstaunlich, wie selbstbewusst er trotzdem bleibt», und genau das «brauchen wir jetzt, wir brauchen einen starken Trainer, dem das alles von aussen nichts ausmacht». Wie stark Kovac noch ist, hängt allerdings massgeblich von den internen Vorgängen ab. Die Klubführung hat dem Trainer ein Kader überlassen, das überaltert und ausgelaugt wirkt und in dem nach der Verletzung von David Alaba (Verdacht auf Muskelfaserriss) nur noch ein Aussenverteidiger steht. Am Sonntag stiess der Vorstandsvorsitzende Rummenigge auf der Wiesn für die Fotografen immerhin mit Niko Kovac an – über den beiden hing ein aufblasbares Herz mit der Aufschrift: «I mog di...»

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