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Thabo Sefoloshas Suche nach der Nische

Im Herbst der Karriere erhält der Schweizer NBA-Pionier Thabo Sefolosha (34) bei den Utah Jazz wenig Auslauf. Doch er will mit der Situation nicht hadern.
Nicola Berger
Bei Utah Jazz oft nur Zuschauer: Thabo Sefolosha. (Bild: Melissa Majchrzak/Getty (Salt Lake City, 4. Dezember 2018))

Bei Utah Jazz oft nur Zuschauer: Thabo Sefolosha. (Bild: Melissa Majchrzak/Getty (Salt Lake City, 4. Dezember 2018))

Wer in diesen Tagen irgendwo auf der Welt bei Google «Thabo Sefolosha» eintippt, dem wird als erster Suchbegriff eine Seite angezeigt, bei der man für Sefolo­sha abstimmen kann, damit dieser Mitte Februar am All-Star-Game der NBA in Charlotte teilnimmt. Der Algorithmus funktioniert bei jedem NBA-Profi so, aber bei Sefolosha wirkt es ein bisschen wie eine nette Geste. Weil sonst die Gefahr bestünde, dass er einfach in Vergessenheit gerät.

Sefolosha steht im Herbst seiner Karriere, im Mai wird er 35 Jahre alt. Es gibt Spieler mit mehr Lebenserfahrung in der NBA – Vince Carter und Dirk Nowitzki haben die 40 bereits überschritten – aber Sefolosha hatte nie deren Status, er war nie ein Star, sondern immer ein Ergänzungsspieler. Da schien es zu passen, dass er 2017 bei den Utah Jazz unterschrieb, jenem Team, welches in der modernen NBA eine Anomalie darstellt, weil es nicht auf das Wundermittel des unbändigen Offensivdrangs mit einer rekordverdächtigen Anzahl an Dreipunktewürfen setzt, dem grassierenden Starkult nicht erliegt, sondern auf Defensive, Teamgeist und eben Rollenspieler setzt. Es ist fast ausgeschlossen, dass diese Strategie dereinst in einem Meistertitel zinst, aber der Weg ist alternativlos – Salt Lake City ist einer der kleinsten Märkte im Milliardengeschäft NBA, die Jazz können mit den finanziell potenteren Schwergewichten der Branche aus den grossen Medienmärkten wie Boston, San Francisco oder Los Angeles nicht konkurrieren.

Der Wechsel nach Salt Lake City

Sefolosha hätte sich in jenem Sommer auch den Golden State Warriors anschliessen können, dem Serienmeister, doch er entschied sich bewusst für den Wechsel nach Salt Lake City, der Stadt der Mormonen, über die er der NZZ sagte, sie sei wie Vevey, nur ohne den See, was sich eher nicht als Spruch für den nächsten Tourismusprospekt eignet. Sefolosha traf seinen Entscheid aus ­finanziellen Überlegungen – bei den Warriors hätte er den Mindestlohn erhalten, in Utah ist sein Zweijahresvertrag mit 5,25 Millionen pro Jahr dotiert, so hoch wie noch nie in seiner erstaunlichen Laufbahn. Doch es war auch ein Wechsel aus Überzeugung; die Hoffnung war, dass er bei den Jazz mehr Verantwortung erhalten würde. Dieser Teil des Plans ist nicht aufgegangen. 2017/18 verpasste Sefolosha mehr als die Hälfte der Saison mit einer Knieverletzung.

Und weil er während der Rehabilitationsphase bei einer Dopingkontrolle mit Marihuana hängen blieb, sperrte ihn die Liga für die ersten fünf Spiele der neuen Saison. Seither spielt Sefolo­sha sporadisch und ziemlich wenig, am meisten Einsatzminuten waren es am 4. Dezember gegen die San Antonio Spurs, bei einem Kantersieg, der früh feststand. 17 Minuten stand Sefolosha da auf dem Parkett – bei seinem letzten Arbeitgeber, den Atlanta Hawks, war es regelmässig mehr als eine halbe Stunde gewesen.

Der Jazz-Coach Quin Snyder jedoch hat Sefolosha weitgehend marginalisiert, auch wenn das Team die Erwartungen nach der Qualifikation für die Playoff-Halbfinals der Western Conference im Vorjahr derzeit nicht erfüllt und nach etwas weniger als der Hälfte der Qualifikation ausserhalb der Playoff-Plätze klassiert ist. Sefolosha akzeptiert die Rolle klaglos, er sagt, so sei eben Basketball, es würden nun mal nur fünf Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen können. Und er sagt auch: «Mit 27, 28 hätte ich mich mit meiner Rolle schwerer getan. Aber man wird älter, gelassener.»

Die Frage ist, ob die Karriere des Schweizer NBA-Pioniers auf diese Weise zu Ende gehen wird: still, im Verborgenen fast, nach 14 Jahren in der Liga mit sehr ansprechenden Leistungen. Sefolosha sagt, er wisse nicht, was die Zukunft bringe, sicher ist aber, dass sein Horizont über das nächste Korbnetz hinausreicht, dass er auch andere Interessen hat: Im Welschland investiert er in Immobilien, daneben hat er sein sommerliches Basketball-Camp, dass er gerne ausbauen würde. Er sagt: «Was mich reizen würde, ist in der Romandie etwas mit jungen Menschen zu machen, sie zu fördern.»

Die Gegenwart aber heisst NBA, in der Nacht auf Mittwoch gastiert Utah in Toronto, dieser Partie gilt Sefoloshas Konzentration – im Bewusstsein, dass es für eine Nomination ans All-Star-Game wieder nicht reichen wird.

Charlotte – Brooklyn 100:87. Indiana – De­troit 125:88. Orlando – Toronto 116:87. Washington – Chicago 92:101. Miami – Cleveland 118:94. Minnesota – Atlanta 120:123 n. V. New Orleans – Dallas 114:112. Denver – San Antonio 102:99. Phoenix – Oklahoma City 102:118. Los Angeles Lakers – Los Angeles Clippers 107:118.

Eastern Conference: 1. Milwaukee 24/10 (70,6). 2. Toronto 26/11 (70,3). 3. Indiana 24/12 (66,7). 4. Philadelphia 23/13 (63,9). 5. Boston 20/14 (58,8). 6. Charlotte und Miami, je 17/17 (50,0). 8. Detroit 16/17 (48,5). 9. Brooklyn 17/20 (45,9). 10. Orlando 15/19 (44,1). 11. Washington 13/23 (36,1). 12. Atlanta 10/24 (29,4). 13. Chicago 10/26 (27,8). 14. New York 9/27 (25,0). 15. Cleveland 8/28 (22,2).

Western Conference: 1. Denver 22/11 (66,7). 2. Oklahoma City 22/12 (64,7). 3. Golden State 23/13 (63,9). 4. Los Angeles Clippers 21/14 (60,0). 5. Portland 20/15 (57,1). 6. Houston (Capela) 19/15 (55,9). 7. Los Angeles Lakers 20/16 (55,6). 8. Sacramento 19/16 (54,3). 9. Memphis 18/16 (52,9). 10. San Antonio 19/17 (52,8). 11. Utah (Sefolosha) 17/19 (47,2). 12. Dallas 16/18 (47,1). 13. Minnesota 16/19 (45,7). 14. New Orleans 16/20 (44,4). 15. Phoenix 9/27 (25,0).

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