Basketball
Der Weg zum Leader – wie Clint Capela in der NBA zum Führungsspieler wurde

Der Genfer Clint Capela gilt mit 26 Jahren bereits als gestandener Spieler in der NBA – derzeit spielt er die beste Saison seiner Karriere.

Leandro De Mori
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Clint Capela hat sich bei Atlanta durchgesetzt.

Clint Capela hat sich bei Atlanta durchgesetzt.

Rick Scuteri / AP

Etwas mehr als sechs Jahre ist es her, als Clint Capela in der besten Basketballliga der Welt debütiert hat. Als 20-Jähriger wurde Clint Capela von den Houston Rockets gedraftet. Damals lief er als Teamkollege von NBA-Superstar James Harden auf.

Heute gehört Capela selbst zu den Leadern der Liga. Bei den Atlanta Hawks spielt er derzeit die beste Saison seiner Karriere und führt das Team dank seiner ausserordentlich guten Leistungen in Richtung Playoffs. «Momentan sehe ich mich selbst als den besten defensiven Center der Liga und als bester Rebounder. Ausserdem bin ich einer der aktivsten Center.»

Von Frankreich nach Amerika

Capelas Geschichte liest sich wie ein Märchen. Weil sich seine Eltern früh trennten, wuchs er zusammen mit seinem Bruder in einem Wohnheim für sozial benachteiligte Jugendliche in Genf auf. Um seine Basketballkarriere voranzutreiben, verliess er seine Heimatstadt und zog nach Frankreich. Erst führte ihn sein Weg nach Paris, bis er schliesslich zum Verein Élan Sportif Chalonnais stiess.

Thabo Sefolosha war der erste Schweizer in der NBA.

Thabo Sefolosha war der erste Schweizer in der NBA.

David Zalubowski / AP

Ab 2012 stand er im Aufgebot der Erstligamannschaft, bis er zwei Jahre später nach Amerika geholt wurde. Er war der zweite Schweizer nach Thabo Sefolosha, der in die NBA wechselte.

Die Houston Rockets drafteten den 2,08m grossen Center damals. Seine ersten Erfahrungen sammelte er im Farmteam, bis er ab 2015 zum festen Bestandteil der Rockets gehörte. An der Seite von James Harden entwickelte sich Capela in den vergangenen Jahren zu einem der besten Spieler der Liga. Bis sich anfangs 2020 ihre Wege trennten.

Der beste Rebounder der Liga

Capela wurde im Zuge eines Deals mit vier involvierten Mannschaften und zwölf Spielern nach Atlanta transferiert, wo er nun seit über einem Jahr spielt. Und die Statistiken verraten: Capela ist definitiv in Atlanta angekommen. Im Schnitt gelingen ihm 15,4 Punkte und 14,3 Rebounds pro Spiel. Mehr Rebounds schafft derweil niemand in der NBA.

«Ich denke, dass ich mit meiner Leistung einen grossen Teil zum Erfolg des Teams beigetragen habe. Letztes Jahr hatte Atlanta noch Probleme, dieses Jahr spielen wir um die Playoffs mit», sagt Capela zu seiner Verfassung.

Anders als bei den Rockets kann Capela bei den Hawks von Beginn weg eine grössere Rolle im Team einnehmen und das Team in Richtung Titel führen. «Mir bedeutet es viel, zum Leader aufzusteigen.»

Er ist überzeugt davon, dass die Hawks noch einiges erreichen können: «Ich bin definitiv einer der effizientesten Spieler der Liga, was grossartig ist. Wir sind in dieser Saison zu einem grossartigen Team herangewachsen, bekommen jetzt den Respekt, den wir verdienen. Es fühlt sich gut an, Teil davon zu sein. Ich glaube, wir können in dieser Saison einige Leute überraschen.»

Die spezielle Verbindung zur Schweiz

Nicht ganz so erfolgreich wie in der NBA läuft es Capela mit der Schweizer Nationalmannschaft. 2019 führte er die Schweizer Nationalmannschaft durch die Vorqualifikation für die Europameisterschaft 2022. Bei der Qualifikation konnte er wegen dem dicht getakteten Spielplan der NBA jedoch nicht mehr mittun.

Capela hat sich in der NBA durchgesetzt.

Capela hat sich in der NBA durchgesetzt.

John Bazemore / AP

Er hat die Spiele aus Atlanta aus mitverfolgt und mit der Mannschaft mitgelitten. Denn die Schweiz bedeutet ihm sehr viel: «Ein Spiel mit der Nationalmannschaft ist für mich wichtiger als ein Spiel in der NBA. Denn es war ein sehr spezielles Gefühl, für mein Land zu spielen, es hat mich unglaublich stolz gemacht. Deswegen war es umso schwieriger für mich, bei der Qualifikation nicht dabei sein zu können.»

Ob er noch einmal für das Schweizer Nationalteam auflaufen wird, lässt er dennoch offen. Die Priorität liegt bei der NBA-Titeljagd mit den Hawks.