Basketball
Clint Capela ist mit seinen aufmüpfigen Aussenseitern aus Atlanta auf dem Weg in den NBA-Playoff-Final

Clint Capela fehlen mit den Atlanta Hawks noch zwei Siege, um als erster Schweizer seit zehn Jahren den Playoff-Final in der NBA zu erreichen. Der Genfer ist bei den Hawks ein Teamleader – und er hat sich auf seiner Position als einer der besten Spieler der Welt etabliert.

Nicola Berger
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Clint Capela ist in einer überzeugenden Form.

Clint Capela ist in einer überzeugenden Form.

Erik S. Lesser / EPA

Es sprach nicht viel für die Atlanta Hawks in der Nacht auf Mittwoch. Fast nichts eigentlich. Sie mussten ohne ihre verletzte Lichtgestalt Trae Young antreten – und feierten doch einen Kantersieg, 110:88 gegen den turmhohen Favoriten Milwaukee Bucks. Clint Capela sagt: «Wir gewinnen Spiele entgegen allen Prognosen. Das macht diese Mannschaft aus. Die Leute sagen, wir hätten keine Chance, sie trauen uns nichts zu. Und wir schocken sie immer wieder. Mit unserer Mentalität können wir alles erreichen.»

Capela, 26, ist einer der wenigen Routiniers im sehr jungen Kollektiv der Hawks, welches in diesem Sommer tatsächlich eine unwiderstehliche Aussenseiterromantik umschwirrt. Seit im März der Trainer Nate McMillan eingesetzt wurde, übertrifft Atlanta alle Erwartungen und eilt von Sieg zu Sieg. In der zweiten Runde schaltete das Team in sieben Spielen überraschend die deutlich favorisierten Philadelphia 76ers aus. Und nun fehlen nur noch zwei Siege zum ersten Finaleinzug, seit die Franchise 1968 nach Atlanta umzog; in der Serie gegen die Bucks steht es 2:2.

Mit 16 Millionen bei den Top-Verdienern

Sie reiten auf der Erfolgswelle: Kevin Huerter (rechts) und Clint Capela.

Sie reiten auf der Erfolgswelle: Kevin Huerter (rechts) und Clint Capela.

Matt Slocum / AP

Capela ist einer der Väter der aktuellen Hausse, für die Hawks hat es sich als lohnenswert erwiesen, im Februar 2020 mit Houston ein Tauschgeschäft für den Genfer zu orchestrieren. In der Qualifikationsphase war Capela der fleissigste Rebounder der Liga. Und nun im Playoff überzeugt er mit offensiver Effizienz und defensivem Gewissen. Capela verdient in dieser Saison 16 Millionen Dollar, auf seiner Center-Position liegt er damit auf Platz 8.

Center haben eine bemerkenswerte Renaissance hinter sich, in dieser Saison, mit Nikola Jokic (Denver Nuggets) und Joel Embiid (Philadelphia) waren zwei davon die wertvollsten Spieler der Liga. Capela hat sich in seiner siebten NBA-Saison in der Weltelite etabliert, es zeichnet ihn aus, dass er defensiv wie offensiv wertvoll ist. Beim deutlich besser bezahlten Franzosen Rudy Gobert, der gerade erneut zum «Defensivspieler des Jahres» gewählt wurde, beschränken sich die Talente auf die Verteidigung. Capela aber kann auch skoren, in der Qualifikation produzierte er 15,2 Punkte pro Spiel. Wie schon in Houston ist der Romand deshalb ein Trainerliebling; der Coach McMillan nennt ihn «unseren Anker».

Thabo Sefolosha war der erste

Thabo Sefolosha war der erste Schweizer in einem NBA-Playofffinal.

Thabo Sefolosha war der erste Schweizer in einem NBA-Playofffinal.

David Zalubowski / AP

Die Frage ist, wie hoch die Hawks noch fliegen können in diesem Playoff. Der Grieche Giannis Antetokokounmpo, der Star der Bucks, schied in der Nacht auf Mittwoch nach einem Zusammenprall mit Capela verletzt aus – von seiner Verfügbarkeit für den Rest der Serie hängt ab, ob Atlanta tatsächlich sensationell den Final erreichen kann. Spiel 5 in Milwaukee findet in der Nacht auf Freitag statt. Gelingen den Hawks zwei weitere Coups, wäre es erst das zweite Mal, dass ein Schweizer den NBA-Final erreicht: Thabo Sefolosha, Capelas Mentor, brachte es 2011/12 mit den Oklahoma City Thunder so weit, ehe das Superteam der Miami Heat um LeBron James, Dwayne Wade und Chris Bosh Endstation bedeutete.

Eine Finalteilnahme, ein Titel womöglich gar, würde viel Scheinwerferlicht für Capela bringen, der gerade in der Deutschschweiz trotz seines Status als bestbezahlter Schweizer Teamsportler der Geschichte noch immer wenig bekannt ist. Unabhängig vom Ausgang des Playoffs wird er im August etwas dagegen tun: Erstmals führt er sein «Capela-Camp» für Jugendliche zwischen 11 und 15 Jahren nicht nur in Genf, sondern auch in Zürich durch.

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