Basels Wiedersehen mit Paulo Sousa

Heute abend um 21.05 Uhr trifft der FC Basel in der Europa League auf den italienischen Traditionsclub Fiorentina, der von Paulo Sousa trainiert wird. Trotz anfänglicher Widerstände hat sich Basels ehemaliger Trainer seit seinem Arbeitsbeginn in Florenz rasch Respekt und Ansehen verschafft.

Luke Plaschy/Rom
Merken
Drucken
Teilen

FUSSBALL. Paulo Sousa hatte Basel noch gar nicht verlassen, da prangten in Florenz an diversen Hauswänden, auf Trottoirs und Mülltonnen bereits Schmähschriften. Der harte Kern der Fiorentina-Fans monierte Sousas Spielervergangenheit beim verhassten Rekordmeister Juventus Turin. Knapp zwei Monate später sind die Sprayereien in der Stadt verschwunden. Statt Skepsis dominiert Begeisterung für die Arbeit des neuen Trainers. Die guten Resultate aus den Testspielen im Sommer mit Siegen gegen Chelsea und den FC Barcelona nahmen den voreiligen Kritikern den Wind aus den Segeln. Vor allem aber verstand es Sousa, das Vertrauen der Anhängerschaft zu gewinnen.

Im Stile von Giovanni Trapattoni

Anders als bei seinem Vorgänger Vincenzo Montella gibt es neu einmal pro Woche ein öffentliches Training mit anschliessender Autogrammstunde. Mit Charme und Schalk hat der 45-Jährige die Florentiner überzeugt. Sousa spricht passabel Italienisch, sucht den Kontakt zu den Leuten, posiert für Selfies und signiert lächelnd Autogramme. Vergleiche mit Giovanni Trapattoni, der von 1998 bis 2000 die AC Fiorentina trainierte, machen die Runde. Montellas Narzissmus und das Beharren auf einen Tiki-Taka im Stile Barcelonas, jedoch ohne Titel, gehen Sousa völlig ab. Seine Mannschaft spielt einen pragmatischeren Fussball, der auf Pressing und schnelle Konter ausgerichtet ist. Mit sechs Punkten aus drei Spielen ist der Start in die neue Saison geglückt.

Ein so guter Auftakt war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Die Brüder Diego und Andrea Della Valle, Besitzer des Clubs und als Mehrheitsaktionäre des Modehauses Tod's auf der Liste der reichsten Geschäftsmännern Italiens, hatten beschlossen, ihr Mäzenatentum drastisch zu verringern. Das Defizit von 37 Millionen Euro allein für das Jahr 2014 wog zu schwer. Mit den Abgängen der Grossverdiener Mario Gomez (zu Besiktas Istanbul), Stefan Savic (zu Athletico Madrid) und Alberto Aquilani (zu Sporting Lissabon) wurde die Lohnsumme um 23 Millionen Euro reduziert. Während niemand mehr in Florenz dem ehemaligen deutschen Internationalen Gomez eine Träne nachweint, wiegt der Verlust des montenegrinischen Abwehrchefs Savic ungleich schwerer. Und schliesslich strapazierte auch noch der frühere Basler Mohamed Salah die Nerven der Vereinsführung. Der Ägypter war im Januar vom FC Chelsea auf Leihbasis zu den Toskanern gestossen und hatte mit sechs Toren in 16 Spielen wesentlich zur Europa-League-Qualifikation beigetragen. Die Fiorentina besass im Sommer eine Kaufoption und wollte diese auch wahrnehmen. Eine separate Klausel im Leihvertrag ermöglichte es Salah aber, sich einseitig vom Vertrag zu lösen und schliesslich zur AS Roma zu wechseln.

Künftige Stars selber ausbilden

Den Verlust an Routine und internationaler Klasse wollen die Della Valle durch vermehrte Investitionen in die eigene Nachwuchsakademie ausgleichen. Diese trägt mit dem Stürmertalent Federico Berardeschi oder dem Rohdiamanten Abdou Lahat Diakhatè, den manche mit Juventus Turins Paul Pogba vergleichen, erste Früchte.