Guiness-Welt-Rekord

Zwei Weltrekorde sind noch nicht genug: Der Binninger ShinShendo Weber hat grosse Pläne

Der Asiate ShinShendo Weber aus Binningen plant zwei Guinness Weltrekorde und das nur nebenbei als Hobby.

Alexandra Toscanelli
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ShinShendo Weber will seinen Erfolgsweg weiter geben - auch wenn er ihn selber noch nicht zu Ende gegangen ist.

ShinShendo Weber will seinen Erfolgsweg weiter geben - auch wenn er ihn selber noch nicht zu Ende gegangen ist.

Roland Schmid

Die Geräuschkulisse im Schützenmattpark ist an diesem Abend enorm: Schreiende Kinder, eine Teakwandotrainingsgruppe und vier Spanierinnen, die lautstark tratschen. Daneben steht ein Asiate in Sportkleidung, ShinShendo Weber, mit seiner Trainingsgruppe beim Seelöwenbecken. Zum Start steht die bunt zusammengesetzte Gruppe hinter Weber und beginnt den Kinetik-Workshop mit T’ai Chi. Die Bewegungen sind ohne Eile, Stress oder Zwang. Auf der einen Seite ist da also der ruhige, in sich gekehrte Asiate. Doch dann ist da auch der 5-fache Schweizermeister im Seilspringen, 4-fache Weltmeister im SportStacking und 5-fache Finisher des Swiss Alpine Marathon (79,4km/2600 Höhenmeter), der zwei Guinness-World-Rekord Versuche plant - in verschiedenen Kategorien.

Weber wurde aus Korea in die Schweiz adoptiert. Er war damals etwa fünf Jahre alt, genau steht dies aber bis heute nicht fest. Genau so wenig wie die Tatsache, ob er tatsächlich aus Korea stammt. Der inzwischen etwa 55-Jährige durchlebte eine typisch schweizerische Kindheit. Aufgewachsen in Bern,arbeitete er nach der Schule in einer Bank in Basel. Urplötzlich, merkte Weber aber, dass er das eigentlich gar nicht ist. «Der Asiate fing an auszubrechen», sagt er über die Zeit Mitte Zwanzig. Dies war für ihn und auch für seine Adoptivfamilie sehr schwierig. «Nicht nur einmal war ich dem Tod näher als dem Leben und habe tagelang nichts essen können.» Auch jetzt hat er diese Neufindung noch nicht abgeschlossen: «Etwa zwei Drittel bin ich durch.»

Der anwährende Findungsprozess

Als er sich damals eingestanden hat, dass auch der Asiate in ihm leben kann und soll, fingen auch seine verrückten sportlichen Leistungen an. «Schon sehr früh habe ich gemerkt, dass ich Bewegungen, die andere ausüben, sehr gut nachmachen und rasch ausüben kann», erzählt Weber. Dieses Talent im Erlernen von Bewegungen und Bewegungsabläufen spiegelt sich auch in seinen derzeitigen Tätigkeiten wieder: er ist unter anderem Kursleiter, Trainer, Artist, DJ, Tänzer, Choreograph, T‘ai Chi-, Zhan Zhuang- und Ch’i Gong-Meister.

Über das Label «MIKADO» bietet er verschiedenste Kurse und Workshops an. Von Yoga Flow über T’ai Chi, Joggen und Jonglieren ist alles dabei. Genau damit verdient Weber auch heute seinen Lebensunterhalt. Diese Kurse sind nicht nur für Erwachsenen, sondern auch für Kinder. Für das Binninger Dorffest 2019 hat er beispielsweise wöchentlich kostenlos einen Kurs für Kinder angeboten und diese in verschiedensten Koordinationsübungen geschult. Diese erlernten das Jonglieren oder SportStacking und führten das am dann am Dorffest auf.

Aber Weber liegt nicht nur das Vermitteln der erlebten Fähigkeiten. Er selber ist in einigen Kategorien wie Seilspringen, SportStacking und Long Jogging absolute Spitze. Er hält den Rekord mit 5841 Seilsprüngen am Stück, ohne Unterbruch oder Fehler. Zudem hat er 2009 einen Weltrekord im SportStacking aufgestellt: 10 Stunden ohne Pause, ohne zu essen und zu trinken, hat Weber durchgehend Becher in einem bestimmten Ablauf gestapelt.

Körper über Geist - dann braucht es keine Spazialvorbereitung

In zwei neuen Kategorien möchte er nun sogar einen Guinness-World-Rekord aufstellen. Beim ersten davon möchte er 120 bis 180 Minuten ohne Pause und ohne Fehler Seilspringen. Um dies für Guinness zu machen, kommt viel Aufwand auf ihn zu. «Wir müssen mehrere Schiedsrichter haben, der Verband muss kommen und natürlich Guinness. Das alles kostet viel Geld und ist sehr viel Aufwand. Und wenn ich einen Fehler mache, sei dies nach nur ein paar Minuten, ist alles vorbei.»

Der zweite Rekordversuch scheint aber noch verrückter: Zwölf Stunden am Stück joggen, ohne einen Schluck zu trinken oder etwas zu essen. «Fünf Stunden jogge ich bereits ohne Pause. Nächste Woche sind es sechs und bis im November möchte ich auf neun Stunden sein.» 2022 soll dann auch in dieser Kategorie der Weltrekord folgen. Die Frage, wieso er sich das genau antut oder ob er sich keine Sorgen über seine Gesundheit macht, beantwortet er einfach: «Die Schwierigkeit liegt nicht im Körper, sondern im Geist. Man muss lernen, einfach abzuschalten, dann schafft man das Unmögliche und das auch ohne Spezialvorbereitung.»

Momentan fokussiert sich ShinShendo Weber mit seinen scheinbar übernatürlichen Kräften weiterhin auf den Sport, für alles andere hat es nicht viel Platz in seinem Leben. Er möchte seinen Weg zum Erfolg weitervermitteln. Auch wenn dieser Weg auch für ihn noch lange nicht abgeschlossen ist.