Formel 1
Pérez-Renningenieur Marco Schüpbach erhält einen kleinen Helm

Dreimal führte der 35-jährige Tenniker Sauber-Renningenieur Sergio Pérez in dieser Saison aufs Podest. Kehrseite des Erfolgs: der Mexikaner wechselt zu McLaren-Mercedes, währenddessen Schüpbach bei Sauber bleibt.

Ruedi Kuhn
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Der Tenniker Sauber-Renningenieur Marco Schüpbach. Foto: Keystone

Der Tenniker Sauber-Renningenieur Marco Schüpbach. Foto: Keystone

Die Schlussphase vom Grand Prix von Malaysia wird zu einem Krimi. Fernando Alonso ist Erster. Sergio Pérez fährt auf Rang zwei und rückt dem roten Ferrari auf die Pelle. Der Sauber-Pilot hat den ersten Sieg seiner Karriere vor Augen. Wann greift der Mexikaner an?

Plötzlich rutscht er mit seinem Boliden neben die Strecke. Pérez’ Renningenieur Marco Schüpbach ist angespannt. Die Nervosität steigt. Er kann kaum noch hinsehen. Der folgende Funkspruch am Team Radio klingt fast wie ein Befehl. «Riskier nicht zu viel, Sergio», sagt Schüpbach mit flehendem Unterton. «Das Sauber-Team braucht diesen zweiten Platz. Unbedingt.»

War diese Botschaft eine spontane Reaktion oder ein Befehl von oben? Schüpbach zögert. «Das war eine interne Entscheidung», hält der 35-Jährige fest. «Natürlich hätte Pérez in Kuala Lumpur gewinnen können. Für das Sauber-Team war aber auch der zweite Platz ein hervorragendes Resultat. Ich wollte unter allen Umständen einen Ausfall vermeiden.»

Am Ende wurde Pérez Zweiter und schaffte den ersten von drei Podiumsplätzen dieser Saison. Die Erfolge führten dazu, dass das eine oder andere Topteam auf den 22-Jährigen aufmerksam wurde. Schliesslich schnappte sich McLaren-Mercedes das Talent.

Alsdann gab Pérez beim Grand Prix von Brasilien in Sâo Paulo seine Abschiedsvorstellung für das Sauber-Team. Vor dem Rennen lud der Jungstar seine 20-köpfige Crew zu einem Nachtessen ein und schenkte jedem Teilnehmer einen kleinen Helm. «Es war ein schönes Fest», sagt Schüpbach.

Das Rennen selbst war weniger schön. Pérez war unverschuldet in einen Crash involviert, kassierte den sechsten Nuller in Folge und musste erkennen, dass selbst für ihn die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Sorgte er zu Beginn der Saison mit den Podiumsplätzen in Kuala Lumpur, Montreal und Monza für positive Schlagzeilen, stand der Abschluss der Saison unter dem Motto Pleiten, Pech und Pannen.

Schüpbach blickt zurück und sagt: «In diesem Jahr gab es kein Mittelmass. Entweder waren wir top oder es lief gar nichts. Bei den Ausfällen war allerdings viel Pech mit im Spiel.» Mit dieser Aussage hat Schüpbach zweifellos recht. So wurde Pérez zweimal von Grosjean und einmal von Maldonado abgeschossen.

Bevor im Januar die Vorbereitungen für den Testauftakt am 5. Februar in Jerez beginnen, kann es Schüpbach über Weihnachten und Neujahr etwas ruhiger angehen. Der gebürtige Tenniker wird die Festtage im Kreis seiner Familie und Freunde verbringen. Spätestens beim Auftakt zur neuen Saison Mitte März in Australien läuft der gelernte Feinmechaniker und Maschineningenieur aber wieder unter Strom.

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