Schwingen

Neue Präsidentin: In ihren Adern fliesst Sägemehl

Ihr Vater im Himmel, der ehemalige Schwingerkönig Peter Vogt, wäre sicher stolz auf sie, sagt Anita Biedert-Vogt, die neue Präsidentin des Schwingklubs Muttenz

Michael Schenk
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Anita Biedert-Vogt ist vom Nationalsport fasziniert.

Anita Biedert-Vogt ist vom Nationalsport fasziniert.

Anita Biedert-Vogt

In ihrem Haus in Muttenz stehen und hängen zig Preise, die ihr Vater in den 40er- und 50er-Jahren im Sägemehl erkämpft hat. Ein 12-teiliges Geläut etwa, stammend vom «Eidgenössischen» 1953 in Winterthur. Über dem Bauerntisch und passend zum Originalplakat, das sie einst ersteigert hat, «sieht das der Hammer aus», schwärmt Anita Biedert-Vogt. Die Kränze und viele Bilder hängen im Fitnessraum und der Sauna der ausgebildeten Turnlehrerin. Und auch das Ferienhaus in Grindelwald, der Lieblingsplatz ihres Vaters, ist proppenvoll mit Souvenirs seiner königlichen Hoheit. Die 60-jährige Baselbieterin ist die Tochter von Peter Vogt, dem Schwingerkönig von 1948 in Luzern und Erstgekrönten der «Eidgenössischen» 1945 in Bern und 1950 in Grenchen. «Ich bin praktisch im Sägemehl aufgewachsen», erzählt die dynamische Frau. Nebst ihrem Vater waren auch dessen Brüder bärenstarke Böse. «Schwingen war immer und überall Thema bei uns», so die Frau, die dem Klischee nach gar nicht aussieht, wie eine Schwingerin. «Ich schminke mich sehr gern, trage gern ganz moderne Kleider und liebe tolle Taschen und Schuhe», sagt sie. Aber das eine schliesse das andere ja nicht aus.

Auf allen Plätzen daheim

Ihr Vater sei «ein ganz lieber und herzlicher» gewesen, hält Anita Biedert-Vogt fest. Auch wenn der Papa 1950 in Grenchen «ausflippte», nachdem der Kampfrichter seinerzeit den Schlussgang nach 35 Minuten abbrach. Als himmelschreiende Ungerechtigkeit muss Peter Vogt, der später für ein Jahr gesperrt wurde, dieses Urteil empfunden haben. Diesen Sinn für Gerechtigkeit hat seine Tochter geerbt, sagt sie.

Die Hobby-Jodlerin und Schwyzerörgeli-Spielerin in einer Grossformation, die aber auch ein schwärmender Opern-Fan und besonders von Verdis «La Traviata» gefesselt ist, ist von Frühling bis September fast jeden Sonntag an einem Schwingfest anzutreffen. «Ich war wohl schon 50-mal auf dem Brünig», berichtet sie. Die Zeit, als das noch im Kinderwagen der Fall war, inklusive. Aber auch auf dem Stoos, der Rigi oder an allen Teilverbandsfesten trifft man die in Liestal tätige Sekundarlehrerin an. Ob Wenger, Sempach oder Abderhalden – sie kennt sie alle und dazu viele aus der älteren Generation. «Manchmal komme ich vor lauter ‹schwätze› gar nicht dazu, mir alle Gänge anzuschauen», lacht sie.

Respekt, Fairness, Anerkennung. Traditionen hegen und pflegen, geben und nicht nur nehmen oder eine familiäre Atmosphäre pflegen, das fasziniert Anita Biedert-Vogt am Nationalsport. «Diese Tugenden habe ich versucht auch meinen beiden Kindern weiterzugeben und versuche das auch bei meinen Schülern.»

Geben ist seliger ...

Diese «starken Werte», wie sie sagt, will die Muttenzerin auch als neue Präsidentin des örtlichen Schwingklubs fördern und vermitteln. Das allein freilich habe sie nicht dazu bewogen, das Amt zu übernehmen. «Mir liegt es auch, zu führen und zu organisieren», stellt die Sektionspräsidentin der SVP Muttenz und Landrats-Kandidatin fest. Kommt hinzu, dass einst auf dem Bauernhof in ihrer Familie das Wort «Geben ist seliger denn Nehmen» noch richtig gelebt worden sei. Biedert-Vogts Sohn war früher auch schon Vereinspräsident. «Und dass ich jetzt, da der Verein 75 Jahre ist, Präsidentin bin, macht meinen Vater im Himmel sicher stolz.» Peter Vogt starb 55-jährig an Herzversagen.

Eher für St. Jakob-Park

Die erste präsidiale Amtshandlung von nachhaltiger Tragweite wird für Anita Biedert-Vogt am Freitag die Teilnahme an der GV des Kantonalverbandes sein, an der abgestimmt wird, ob Baselland mit Aesch eine eigene Kandidatur für das eidgenössische Schwingfest 2022 ausarbeitet oder ob man von vornherein allein auf den St. Jakob-Park setzt. «Ich finde, der idealere Standort soll den Ausschlag geben», sagt die frühere NLA-Handballerin in dieser Causa. In dem Sinn würde für sie die Logistik eher für Basel sprechen. «Selbst als Baselbieterin muss ich das so sagen. Falscher Stolz ist in dem Fall fehl am Platz.» Doch je nachdem, wie die Präsentation ausfällt, lasse sie sich auch noch vom Gegenteil überzeugen. Ganz schwingerisch eben: «Nume schön hübscheli.»