Rudern
Luca Fabian wird immer stärker dank dem Grossvater als Mentor

Luca Fabian hat seine Ambitionen im Skiff mit dem Sieg gegen den aktuellen Schweizer Meister angemeldet. Dies, obwohl er in der Saisonvorbereitung wegen des Pfeifferschen Drüsenfiebers drei Monate lang ausfiel.

Fabio Baranzini
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Luca Fabian mit einem starken Einstieg in die Saison.

Luca Fabian mit einem starken Einstieg in die Saison.

Luca Fabian rudert bis zu 100 Kilometer pro Woche. Mit der Nationalmannschaft auf dem Sarnersee, ansonsten auf dem Rhein-Rhone-Kanal in Frankreich. Im Winter trainiert er zudem regelmässig auf dem Rhein. Beim Clubhaus des Basler Ruder-Clubs steigt er ins Boot. Am deutschen Rheinufer entlang gehts nach Osten. Sieben Kilometer bis Augst, dann in der Mitte des Flusses wieder runter. «Ich kenne die Strecke in- und auswendig. Ich weiss, welche Fabrik wo steht. Ich weiss, wo es stinkt und wie die Schiffe heissen», sagt Fabian. Oftmals ist er alleine unterwegs. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn er ist nicht der Einzige auf dem Wasser. Immer wieder muss er einen Blick zurück werfen, damit er kein Frachtschiff übersieht. Hören tut er diese nicht. «Vor einem Monat hatte ich einen Frachter viel zu spät entdeckt. Da blieb mir schon kurz das Herz stehen», erzählt der 20-Jährige. Zum Glück sei sein Boot aber sehr wendig, fügt er an.

20 bis 28 Stunden trainiert Luca Fabian jede Woche. Die meiste Zeit verbringt er auf dem Wasser. Zu seinem Leidwesen allerdings auch regelmässig auf dem Ergometer im Kraftraum. «Das ist saumässig langweilig. Es braucht viel Selbstdisziplin und vor allem laute Musik, um darauf zu trainieren», meint der Baselbieter schmunzelnd. Er hat das Gerät aber auch schätzen gelernt. Es ist unerbittlich und objektiv.

Was ihm das Display des Ergometers derzeit anzeigt, dürfte ihm jedoch gefallen. Seine Form stimmt, obwohl er von November bis Ende Januar vom Pfeifferschen Drüsenfieber ausser Gefecht gesetzt worden war. Vor zwei Wochen hat er in Lauerz im Leichtgewicht Einer zwei Rennen gewonnen und beide Male den amtierenden Schweizer Meister und WM-Sechsten Michael Schmid geschlagen. Deswegen sieht er sich aber noch nicht als neue Nummer eins der Schweiz. «Ich gehöre mit Schmid und den beiden Olympiateilnehmern Gyr und Schürch aber zu den Top 4 im Leichtgewicht-Skiff», so Fabian. Trotzdem könnten seine beiden Siege grosse Auswirkungen haben. Kann er sie an diesem Wochenende bei der Regatta in Essen bestätigen, dürften die Verantwortlichen des Ruderverbandes nicht darum herumkommen, Fabian für die Elite-EM in Spanien Anfang Juni zu nominieren.

Damit will sich Luca Fabian allerdings noch nicht befassen. Er konzentriert sich voll auf die U23-WM, die im Juli in Linz stattfindet. Vor einem Jahr hat der Reinacher Bronze gewonnen. «Dieses Mal soll es wieder eine Medaille werden, wenn möglich eine bessere als vor einem Jahr», so Fabian. Selbst der WM-Titel ist realistisch. Diesen hatte er im Vorjahr lediglich um 1,4 Sekunden verpasst.

Dafür, dass der Baselbieter beim Saisonhöhepunkt in Topform ist, sorgt sein Grossvater Stefan Fabian. Der 76-Jährige ist seit 2007 Trainer von Luca. «Mein Grossvater ist Rudertrainer, seit man ihn kennt. Er ist ein Techniker mit dem Auge für die Details», schwärmt der Enkel. Die beiden sehen sich jedoch nicht oft. Stefan Fabian wohnt im Tessin. Ab und zu reist er nach Basel oder Sarnen, um seinen Enkel im Training zu betreuen. Im Gegenzug packt dieser hin und wieder sein Boot aufs Auto und fährt ins Tessin. Wenn sie gemeinsam trainieren, rudert Fabian und der Grossvater fährt im Motorboot nebenher und gibt Anweisungen übers Megafon. «Das funktioniert gut. Er ist für mich mittlerweile ein Mentor geworden», so der 20-Jährige. Dank der Hilfe des Grossvaters soll Luca Fabian auch an den Olympischen Spielen in Rio teilnehmen können. «Das ist mein grosser Traum», sagt er.

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