12. September 2004

Gänsehaut trotz Corona: Der FC Basel klatscht Rekordmeister GC beim 8:1 aber mal so richtig eine

In der fussballfreien Zeit präsentiert die bz in einer Online-Serie die zwanzig emotionalsten FCB-Spiele der letzten zwanzig Jahre. Spiel 3 findet im September 2004 statt. Gleich mit 8:1 demontiert der FCB GC. Dieser Sieg gilt als Ursprung der Wachablösung im Schweizer Fussball. Hier sind die Bilder, die Highlights und der Matchbericht von damals. Mögen die Erinnerungen wieder aufgefrischt werden.

Jakob Weber
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Ricardo Cabanas gegen Matias Delgado. Der eine flog vom Platz, der andere traf zum 1:0 für den FCB.

Ricardo Cabanas gegen Matias Delgado. Der eine flog vom Platz, der andere traf zum 1:0 für den FCB.

Keystone

Die Bilder:

Philipp Degen im Duell mit Kim Jaggy
7 Bilder
Veroljub Salatic gegen Christian Gimenez.
Jubel beim FCB. Insgesamt acht Mal kamen die Spieler so zusammen.
Mladen Petric machte sein erstes Spiel für den FCB. Zuvor stand der Kroate bei GC unter Vertrag. Hier steht im Stephan Lichtsteiner im weg.
Mit einem herrlichen Freistoss trifft Petric zum zwischenzeitlichen 3:0.
Christian Gimenez schoss gleich vier Tore.
Ricardo Cabanas gegen Matias Delgado. Der eine flog vom Platz, der andere traf zum 1:0 für den FCB.

Philipp Degen im Duell mit Kim Jaggy

Keystone

Die Highlights im Video:

Das Telegramm:

Transfermarkt

Das Zitat:

Es war wie meine Geburtstag, denn ich bin am 8.1. geboren.

(Quelle: Pascal Zuberbühler)

Der Matchbericht von damals:

Titel: 8:1 - FCB verpasst eine schallende Ohrfeige

Lead: Die Grasshoppers beziehen in Basel die höchste Niederlage ihrer Klubgeschichte. Für den FC Basel wars ein Jubeltag, für die Grasshoppers eine sehr, sehr bittere Stunde.

von Hansjörg Schifferli (Aargauer Zeitung)

Das Duell der beiden bisher ungeschlagenen Vereine der Super League wurde zu einer Demonstration der Basler - als spielten sie gegen hoffnungslos überforderte Amateure. Und die Zürcher waren nicht mal willens, sich dagegen zu wehren. Bei Halbzeit lagen sie 0:5 zurück; in den 24 Minuten vor der Pause kassierten sie so viele Tore wie in den ersten sieben Meisterschaftsspielen zusammen; am Ende war das 1:8 die höchste Niederlage ihrer Vereinsgeschichte. Bisher wars ein 0:7 in der Saison 1972/73 in . . . Basel.

Der FCB spielte stark, sehr stark. Er liess dem Gegner mit seiner physischen Präsenz von Anfang an kaum Luft zum Atmen; er gewann so gut wie jeden Zweikampf; er hatte - was sich gleich bei mehreren Toren auszahlte - die absolute Hoheit in den Kopfballduellen. Er war schlicht bereiter für dieses Prestigespiel, er war aber auch taktisch besser eingestellt. Mit der Variante des Basler Trainers Christian Gross, Christian Gimenez als einzige Sturmspitze aufzustellen, Mladen Petric neben Matias Delgado aber dahinter, kamen die Zürcher beispielsweise nicht zurecht.

Gimenez, mit vier Toren bis zu seiner Auswechslung nach einer Stunde, war der eine herausragende Mann eines im übrigen sehr geschlossenen FCB, Petric der andere. So begab es sich gar, dass der im Sommer von GC nach Basel gezogene Petric sein erstes FCB-Tor schoss: Es war das 3:0, als sein Freistossball aus 25 Metern vom Innenpfosten an den Rücken des Torhüters Marco Ambrosio und von dort über die Linie flog. Und als Gross in der zweiten Halbzeit dem Genfer Talent Djamel Mesbah einen ersten Meisterschaftsauftritt gönnte, schoss auch der gleich ein Tor. Der FCB fährt nun in zehn Tagen als Leader zum Spitzenspiel gegen den FC Thun, der nominell zurzeit sein stärkster Herausforderer ist. Die Grasshoppers aber werden einiges zu analysieren haben. Zu einer eingehenderen Analyse des Geschehenen sei er noch nicht bereit, liess Trainer Alain Geiger nach dem Spiel wissen. Was aber auch er gesehen hatte: «Wir waren nicht da, nicht engagiert, schlecht mit dem Ball, aber auch mental.» Er habe rasch gemerkt, «dass die Mannschaft völlig neben den Schuhen stand - aber niemand konnte ihr helfen, kein Spieler, auch ich nicht.»

Einzige halbwegs schlüssige Begründungen sind die gewichtigen verschiedenen Absenzen, zu denen nach einer halben Stunde auch noch jene des Abwehrchefs Igors Stepanovs kam. Danach fiel GC völlig auseinander. Aber dermassen widerstandslos hätte sich eine Mannschaft nicht hinstellen dürfen, eine schallende Ohrfeige zu kassieren.

Mit Aussenverteidigern wie Stephan Lichtsteiner und Kim Jaggy, die als Erste überfordert waren; mit einem umgestellten Mittelfeld - mit Tariq Chihab rechts, Javier Villareal zentral -, das die Dinge nie auch nur halbwegs kontrollieren konnte: Mit einem Angriff, dem erstmals in dieser Saison Richard Nuñez von Beginn weg angehörte und der ohne jede Durchschlagskraft blieb. Zum in jeder Beziehung verpatzten Auftritt passte auch noch der Platzverweis, als sich Ricardo Cabanas in der 87. Minute für ein gröberes Foul die zweite Verwarnung einhandelte.

Nur in einer Beziehung war GC Spitze: Seine Chancenauswertung erreichte den höchst seltenen Wert von 100 Prozent. Denn als Nuñez Rogerio freispielte und der den Ball zum 1:6 an Pascal Zuberbühler vorbeischob, wars die einzige Chance von GC im ganzen Spiel. Geiger hat nach seiner höchsten Niederlage als Trainer also einiges zu erkunden. Er kann ja bei Gross nachfragen, wie ein 1:8 zu verarbeiten ist. Der weiss, wie das ist: Er hat im Sommer 2001 das Startspiel in Sion 1:8 verloren - und wurde mit dem FCB danach doch Meister. Eine Kanterniederlage braucht also nicht das Ende aller Hoffnungen zu sein . . .