Europa League

Djordje Nikolic: Endlich im verdienten Scheinwerferlicht

Beim 1:0 gegen Getafe ragt Djordje Nikolic aus dem auch sonst starken FCB-Kollektiv heraus – danach schwärmen Team und Trainer von der Basler Nummer 2.

Céline Feller
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Djordje Nikolic wird nach seiner Topleistung von Basels Nummer 1, Jonas Omlin, geherzt.

Djordje Nikolic wird nach seiner Topleistung von Basels Nummer 1, Jonas Omlin, geherzt.

freshfocus.ch

Als Taulant Xhaka sich in der Mixed Zone des Coliseum Alfonso Perez hinter Fabian Frei durchschleicht, tätschelt er diesem auf die Schulter, sagt: «Man of the Match» und läuft weiter. Natürlich. Freis Anteil an diesen drei so wichtigen Auswärtspunkten ist immens, schliesslich erzielte er das einzige Tor. Und doch muss man Xhaka widersprechen. Denn den Titel als Mann des Abends, den muss Frei zumindest teilen, wenn nicht gar ganz abgeben. Wenn man Frei so lauscht nach diesem 1:0-Sieg des FCB über Getafe, dann spürt man: Es fällt ihm alles andere als schwer, den Titel abzugeben.

Der Mann, der noch ein Quäntchen besser war als Frei, heisst Djordje Nikolic. Der 22-jährige Goalie zeigte eine überragende Darbietung mit sensationellen Paraden – insbesondere in der 33. Minute gegen Ángel, als er den Winkel verkürzt und den Ball akrobatisch um den weiten Pfosten lenkt. Aber nicht nur. Nikolic strahlt eine Ruhe aus, als wäre es das Normalste der Welt, was er da am Donnerstagabend getan hat.

Das europäische Debüt

Dabei feierte die Nummer 2 des FCB in Getafe ihr Europacup-Debüt. Weil Jonas Omlin mit einer leichten Zerrung am Oberschenkel fehlt, die er sich nach einem Ausfallschritt zugezogen hat, musste oder besser durfte der junge Serbe einspringen. «Ich hatte nach dem Spiel das Gefühl, als hätte er schon ewig solche Spiele gemacht. Man hat ihm nicht angesehen, dass es sein erstes internationales Spiel war», lobte ihn Trainer Marcel Koller.

Der Mann, der ihm noch etwas näher ist im Alltag, Goalietrainer Massimo Colomba, strich noch weitere Punkte heraus: «Mir haben seine Ausstrahlung und seine Präsenz speziell gut gefallen. Er hatte eine gute Mischung aus Spannung und Lockerheit. Es war eine ganz abgeklärte Leistung.» Colomba betreut Nikolic seit dessen Wechsel vor knapp dreieinhalb Jahren. Auch in Nikolics Leihjahren – erst bei Schaffhausen, dann bei Thun und vergangene Saison bei Aarau – war Colomba stets nah dran. «Ich habe mir jedes Spiel von ihm angeschaut und ihn analysiert. Auch mit ihm zusammen», erzählt er.

Das grosse Lob

Der Goalie hatte es in seiner Zeit seit seinem Wechsel nach Basel nicht immer einfach. Einerseits aufgrund der drei Leihen. Andererseits, weil er beim FCB selber immer nur die Nummer 2 war und ist. Weder an Tomas Vaclik noch an Jonas Omlin gab und gibt es ein Vorbeikommen. Nikolic aber hat stets das Beste aus seiner Situation gemacht. Auch deshalb sind seine Mitspieler und Colomba voll des Lobes für ihn. Colomba spricht von einem sehr ruhigen Typen, der klar im Kopf sei und wisse, was er wolle. «Und er ist ein sehr sozialer Typ.»

Frei gerät gar richtig ins Schwärmen, als er auf Nikolic angesprochen wird: «Er hat die Leistung gezeigt, die er verdient. Er hat ein riesen Match gemacht.» Und steht folglich auch endlich im verdienten Scheinwerferlicht, so hat man das Gefühl. Frei und Nikolic kennen sich erst seit einem halben Jahr, «aber in dieser Zeit hat er sich absolut in den Dienst der Mannschaft gestellt. Ich habe schon viele Ersatzgoalies erlebt, aber so einen wie ihn, der so abgeht mit dem Team und für jeden da ist während dem Spiel – sei es um Schuhe zu wechseln oder zu trinken zu bringen – noch nicht.»

Das auslaufende Arbeitspapier

Nikolic selber stapelt tief, sagt, «dass ich nur meinen Job gemacht habe. Aber ich freue mich sehr über meine Leistung». Bestätigen kann er diese bereits am Sonntag. Dann fehlt Omlin erneut. Wie lange die Nummer 1 ausfällt, ist noch unklar. «Natürlich hoffen wir, dass Jonas bald von seiner Verletzung zurück ist. Aber ich hoffe auch sehr für Djordje, dass noch ganz viele Spiele für ihn dazukommen», sagt Frei. Ob diese mit dem FCB sein werden, ist offen. Nicht nur, weil Nikolic immer wieder bei anderen Klubs Interesse weckt, wie zuletzt bei Lausanne. Sondern auch, weil sein Vertrag in Basel im Sommer 2020 ausläuft.

Will ihn der FCB halten oder zumindest eine angemessene Summe für ihn kassieren, muss eine Vertragsverlängerung her. «Wir sind dran, es wird diskutiert», sagt Colomba zu diesem Thema. Und weiter: «Er ist unsere Nummer 2 und wir schauen, wohin das führt.» Macht Nikolic so weiter, dann kommt er sicher zu weiteren Einsätzen. Und vielleicht ja gar zu solchen, in denen er sich erneut das Prädikat «Man oft he Match» verdient.