Rollkunstlauf

Die WM-Dritte bleibt ihrer Linie treu

Fabienne Bachmann liebt die Kür. Das Pflichttraining verlangt der Baslerin in Zürich aber alles ab.

Patrick Pensa
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Neben den bekannten Markierungen für Basketball und andere Sportarten weist der Hallenboden in Adliswil Kreise, Achten und andere Linie auf. Immer wieder fahren die Rollschuhläufer die Linien ab. Hoch konzentriert, den Körper bis zur letzten Sehne gespannt. Die Trainerin wechselt von einem Athleten zum nächsten, insgesamt sind sieben in der kleinen Halle unterwegs.

Eine der Läuferinnen ist die Baslerin Fabienne Bachmann (23). Sie ist auf den Rollschuhen zu Hause. Fährt immer exakt auf den Linien, macht blitzschnell eine halbe Drehung, fährt rückwärts, dreht zurück. «Die Pflicht ist extrem anstrengend. Die Füsse schmerzen, weil sie immer angespannt sind und man immer auf der Kante fahren muss», sagt Bachmann, die im November an der WM in der Kombination überraschend Dritte wurde. «Es war das erste Mal seit ungefähr 50 Jahren, dass eine Schweizerin eine Medaille holte», sagt die angehende Physiotherapeutin.

Bachmann erklärt, dass es immer weniger Läufer gibt, die in der Kombination starten, also Pflicht und Kür beherrschen. Das sei ihre Chance. «Die Pflicht ist am Ende eine reine Fleissarbeit, für die Kür braucht es Talent und Gefühl.» Die Kür ist ihr Element. Das Pflichttraining versucht sie auf so wenige Stunden wie möglich zu reduzieren. Trotzdem macht es rund die Hälfte des Trainings aus.

Nach einer Verletzung bekam Bachmann in Basel nicht mehr die Unterstützung, die sie brauchte. Deshalb wechselte sie zum Zürcher Rollschuh Club. Für die Tochter eines Zürchers und einer Baslerin anfangs ein grosser Aufwand, da sie weiterhin in Basel wohnte. Mittlerweile lebt und arbeitet sie aber in Zürich und verbringt nur noch die Wochenenden am Rheinknie. Lediglich einzelne Basler Ausdrücke verfälschen den Zürcher Dialekt. Trotzdem wird sie von ihren Teamkollegen, wie zum Beispiel dem besten Schweizer Läufer, Raphael Egli, der sich mit ihr eine Wohnung teilt, wegen des nicht lupenreinen Dialektes aufgezogen.

Bachmann konzentriert sich in diesem Jahr auf die Schweizer Meisterschaften im Juni und natürlich auf die Weltmeisterschaften. Dort ist sie sich aber bewusst, dass sie wohl kaum wieder aufs Podest läuft: «Im letzten Jahr lief alles perfekt. Ich denke, dieses Jahr wird es schwieriger und mit einem Rang in den Top 10 wäre ich absolut zufrieden.»