CSI Basel
Den Idolen ganz nah: Die Amateur-Springen sind für die Teilnehmer das Highlight des Jahres

Am CSI Basel duellieren sich nicht nur die Topstars der Szene. Auch die Amateur-Springer sind fester Bestandteil des Turniers – und erhalten manchmal gar Gratistipps von Olympiasiegern.

Julian Förnbacher
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Amateur Tour
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Stephanie Senn in Aktion
Stephanie Senn nimmt am gleichen Wettkampf mit zwei Pferden teil.
Stephanie Senn mit Ciano
Stephanie Senn mit Ciano
Stephanie Senn mit Ciano

Amateur Tour

Kenneth Nars

Es beginnt langsam hell zu werden an diesem milden Januarmorgen. Vor der St. Jakobshalle tummeln sich erste Zuschauer, die auf die Türöffnung warten. Auf dem Parkplatz herrscht ein emsiges Treiben von Reitern, die mit ihren Pferden zur Halle laufen. Zwischen Gesprächsfetzen und Hufklappern spürt man ein Kribbeln in der Luft: Der CSI Basel ist in der Stadt. Traditionell wird der Grossanlass in der St. Jakobshalle, an dem die weltbesten Springreiter zu sehen sind, nicht von diesen eröffnet. Jene Ehre gebührt stattdessen den Amateurreitern, welche die ersten drei Wettkampftage jeweils mit ihren Konkurrenzen lancieren.

Zu diesen Amateuren gehört auch Stephanie Senn. Die 34-jährige aus Bättwil nimmt bereits zum vierten Mal am CSI Basel teil. Der Reitsport ist von Kindheitsbeinen an ihre grosse Passion. «Ich bin sogar schon im Bauch meiner Mutter auf dem Pferd gesessen», erzählt sie. Nach einer Lehre als Bereiterin ist es jedoch die Mutter, die sie überredet «etwas Gescheites zu lernen». So hängt sie eine KV-Ausbildung an, die ihr letztlich zu ihrem heutigen Job verhilft. Auf dem Hof von Felix Graf in Bättwil leitet Senn die Administration, gibt aber auch Reitstunden und findet genügend Zeit, mit ihren Pferden zu trainieren und so beide Welten zu vereinen. Nun steht also der CSI an. Für Amateur-Reiterinnen wie Senn das grosse Highlight im Jahr.

«Der CSI ist eine ganz eigene Welt. An den regionalen Turnieren, an denen ich normalerweise starte, kommt man an, reitet, und fährt wieder heim. Hier erleben wir dasselbe Drum und Dran wie die Weltbesten. Das ist schon speziell», schwärmt sie. Senn meint damit einerseits das Prozedere wie den Veterinärcheck und das Einstallen der Pferde aber natürlich auch die grosse Zuschauerkulisse. Die Amateure springen über dieselben Hindernisse wie später Martin Fuchs, Steve Guerdat & Co. – einzig die Sprunghöhe unterscheidet sich.

Die einzigartige Kantine sorgt für Zusammenhalt

«Dass am CSI jeder Reiter, egal ob Amateur oder Weltnummer 1, gleich behandelt wird, ist grandios. So bekommt der Anlass eine familiäre Atmosphäre», sagt Senn. So würden etwa in der Kantine des CSI von Pflegern über Amateure bis hin zu internationalen Topstars alle gemeinsam essen – ein Unikum, das auch der zukünftige CSI-Basel-Präsident Andy Kistler lobt. Man kennt sich am CSI Basel. Auf dem kurzen Fussmarsch vom Veterinär-Zelt zum Pressezentrum hält Senn mehrfach an, um befreundete Reiter zu begrüssen. Auch die Topshots der Szene sind durchaus nahbarer, als man meint. Bei einem Turnier in Italien fragte Senn Steve Guerdat, ob sie mit ihm den Parcours ablaufen dürfe. Dieser willigte nicht nur ein, sondern nahm sich bei jedem Hindernis Zeit, um Senn den perfekten Anritt zu erklären.

Die Tipps vom Olympiasieger kann Senn auch an jenem Morgen in Basel gut brauchen. Ein anspruchsvoller Parcours erwartet die Amateure in der ersten Konkurrenz. Die Halle ist für den frühen Termin bereits recht ordentlich gefüllt, eingefleischte Reitsport-Enthusiasten sitzen neben eingeladenen Schulklassen. Die Kinder schauen den edlen Tieren und ihren Reitern mit grossen Augen hinterher, wenn sie über die Hindernisse fliegen. «Oh nein!», seufzen sie lautstark, wenn ein Pferd eine Stange touchiert. Bei Senn müssen die Kinder nicht seufzen, denn sie bleibt zweimal fehlerfrei. Zweimal? Genau. Einige Reiter wagen sich gleich auf zwei verschiedenen Pferden in den Parcours. So kommt es an der Spitze zu einem Kuriosum: Die Schweizerin Lea Hüsler belegt gleich den 1. und 2. Platz.

Für Senn resultieren der 7. und 9. Rang, die Zeit verhindert ein besseres Resultat. Für die beiden Klassierungen gibt es gleichwohl ein kleines Preisgeld von 175 Franken. Immerhin. «Ich bin sehr zufrieden. Die Pferde haben sich super an die Kulisse gewöhnt und haben das toll gemacht. Den ersten Tag nutze ich jeweils gerne zur Akklimatisierung, angreifen will ich dann im weiteren Verlauf des Turniers.» Anders als im vergangene Jahr, als Senn am Freitag Zweite wurde, klappte dieses Vorhaben 2020 mit den Plätzen 32 und 33 weniger gut. So muss Senn weiter auf ihr hohes Ziel warten: «Die Sieger erhalten jeweils eine schöne Pferdedecke. So eine hätte ich unglaublich gerne», sagt sie schmunzelnd.

Auch Weltklasse-Reiter waren einst Amateure

Doch den Amateuren geht es in erster Linie nicht um Preise. Auch nicht um eine Sprungbrett-Funktion, die ein Ritt auf so einer Bühne haben könnte. «Ich denke, die meisten Amateure sehen den CSI einfach als riesiges Highlight. Es geht ihnen um die Liebe zum Reiten und zum Pferd. Aber Hoffnungen, plötzlich zur Weltklasse aufzusteigen, macht sich keiner. Das geht schon alleine wegen der Pferde nicht. Da spielen die Profis in einer ganz anderen Liga», so Senn.

Gleichwohl nutzen immer wieder einige Talente die Chance. So traten schon Weltstars wie Martin Fuchs oder der Belgier Jos Verlooy bei den CSI-Amateuren an. Athleten, die man heutzutage am CSI erst sieht, wenn Stephanie Senn und die anderen Amateure ihre Pferde schon längst im Stall untergebracht haben und selbst mit Kribbeln im Bauch und grossen Augen auf der Tribüne sitzen.