Eishockey

12 Jahre danach: Der EHC Basel kehrt mit Traumspiel auf die grosse Bühne zurück

Die Basler Eishockeyaner treffen im Schweizer Cup auf den grossen SC Bern. Es ist ein Wiedersehen nach 12 Jahren, das Erinnerungen hervorruft.

Simon Leser
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Klare Angelegenheit: 2008 verlor der EHC Basel das letzte Spiel gegen den SC Bern mit 1:5.

Klare Angelegenheit: 2008 verlor der EHC Basel das letzte Spiel gegen den SC Bern mit 1:5.

Keystone

Wenn am Montag der EHC Basel im Cup auf den SC Bern trifft, endet eine zwölfjährige Durststrecke. Eine, in der Erstere Konkurs gingen und Letztere fünf Mal Meister wurden. Letztmals teilten sie sich das Eis am 2. Februar 2008. Basel verlor in der St. Jakob-Arena mit 1:5, stieg kurz darauf ab – und verschwand von der grossen Schweizer Eishockeybühne. Jetzt werfen ehemalige Basler Spieler und Funktionäre der beiden Vereine einen Blick in die Vergangenheit – und schauen auf den Cupkracher voraus.

Ralph Stalder, Ex-Basler: «Das Cupspiel ist eine ideale Werbung für die Region.»

«Spiele gegen den SC Bern sind immer besonders. Als ich um das Jahr 2005 meine ersten Profierfahrungen in Basel sammelte, war Bern eine Macht. Die spielten so richtig hart. Das war jeweils eindrücklich, sowohl auswärts in Bern als auch daheim in Basel. Geboren in Buckten, kann ich sagen: Das Cupspiel ist eine ideale Werbung für die Region Basel, wo Eishockey einen schwierigen Stand hat. Ich hoffe, dass so viele Fans wie aktuell erlaubt kommen und der EHC seine Haut möglichst teuer verkauft. Die Hauptsache ist, dass die Spieler Spass haben, gleichzeitig aber die Überraschung anstreben. Zu solchen kommt es immer mal wieder, vor allem im Cup. Bern wird das Spiel nicht auf die leichte Schulter nehmen, die wollen sich nicht blossstellen. Von zehn Spielen verliert Basel deren neun. Aber eines können sie gewinnen. Dass so ein Spiel möglich ist, zeigt, dass er EHC wieder auf dem richtigen Weg ist.»

Thomas Nüssli, Ex-Basler: «So ein Eigentor vergisst man nicht so schnell.»

«In einem Heimspiel gegen Bern unterlief mir ein Missgeschick: ein Treffer ins leere Tor – blöderweise das unsere. So etwas vergisst man nicht so schnell. Wir waren in der Offensivzone, der Schiedsrichter zeigte eine Strafe für einen Berner an. Wir nahmen den Torhüter vom Eis, um einen zusätzlichen Feldspieler zu erhalten. Ich schoss aufs gegnerische Tor, doch Bern-Torhüter Marco Bührer wehrte den Puck in die rechte Ecke ab. Ich ging dorthin, drehte den Kopf und sah Adrian Plavsic an der blauen Linie. Ich passte, doch gleichzeitig hatte Plavsic den Gedanken, aufs Tor zu ziehen. Der Puck rollte über die blaue Linie – und in unser verwaistes Tor. Die Schiedsrichter waren überfordert mit der Situation. Denn in der Saison zuvor wäre das noch nicht als Eigentor gezählt worden. Die Schiedsrichter sprachen schliesslich den Treffer dem Berner zu, der zuletzt den Puck berührte. Das war Bührer – der Torhüter. Jeder musste darüber schmunzeln. Ich hatte aber keine schlaflosen Nächte. Solche Missgeschicke passieren eben.»

Thomas Nüssli war beim EHC Basel eine der schillerndsten Figuren.

Thomas Nüssli war beim EHC Basel eine der schillerndsten Figuren.

Keystone

Stefan Schnyder, Ex-Basler: «Gegen Bern schoss ich mein erstes NLA-Tor.»

«Ich habe sehr schöne Erinnerungen an die Zeit in Basel. Vor allem, als wir 2005 aufstiegen und dann 2006 gleich die Playoffs erreichten. Da hatten wir viel Erfolg. Unser Trainer, Kent Ruhnke, hat dazu viel beigetragen. Er hat eine Mannschaft geformt, in der jeder wichtig war und seine Rolle kannte. Er war extrem diszipliniert, achtete auf jedes Detail. Wenn er sagte, wir sollen einen Meter nach links gehen, dann wurden 95 Zentimeter nicht toleriert. Der Erfolg gab ihm und uns recht. Da spielten wir auch oft gegen den SC Bern. Das ist immer ein Klassiker, für jede Mannschaft. Bern ist die Hockeystadt schlechthin. Da bist Du als Spieler doppelt motiviert. Mich verbindet mit Bern eine tolle persönliche Erinnerung: Gegen sie schoss ich mein erstes NLA-Tor, als erst 17-Jähriger. Jetzt habe ich immer noch Kontakt zu Olivier Schäublin, er ist einer meiner besten Freunde. Ich wünsche den Baslern im Cup viel Glück. Mit Christian Weber haben sie einen alten Hasen an der Bande, der genau weiss, wie er die Mannschaft am kommenden Montag einzustellen hat.»

Stefan Schnyder schoss gegen den SCB sein erstes NLA-Tor.

Stefan Schnyder schoss gegen den SCB sein erstes NLA-Tor.

Keystone

Olivier Schäublin, Basler Sportchef: «Wir wollen dem SCB ein Bein stellen.»

«Wir gehen in das Cupspiel mit der Einstellung zu gewinnen, sonst müssen wir gar nicht erst antreten. Die nächste Runde wäre für die Spieler sensationell und für den Verein in finanzieller Hinsicht äusserst lukrativ. Doch klar: Über die Favoritenrolle brauchen wir nicht zu diskutieren. Bern ist der Dinosaurier im Schweizer Eishockey, der amtierende Meister und ein Verein mit dem grössten Zuschaueraufkommen – europaweit. Aber dennoch wollen wir mutig sein, unser eigenes Spiel durchziehen und den Bernern ein Bein stellen. Die Vorfreude auf das Spiel ist seit der Auslosung gross. Jetzt hoffen wir auf möglichst viele Fans. Aktuell stehen noch Tickets zur Verfügung. Wir hoffen auf über 2000 Zuschauer, die trotz Maskenpflicht in der St. Jakob-Arena für Stimmung sorgen. Denn ein Spiel gegen den SC Bern gab es seit zwölf Jahren nicht mehr. Auch für mich als ehemaligen Berner Junior ist es ganz besonders. Ich habe dort angefangen und pflege immer noch eine Verbindung zum Verein. Aber am speziellsten ist es für unsere Spieler. Nicht jeder kommt in den Genuss eines Spiels gegen den SCB. Das ist ein einmaliges Erlebnis, das sie geniessen müssen.»

Olivier Schäublin möchte mit dem EHC trotz der grossen Hürde in die nächste Runde.

Olivier Schäublin möchte mit dem EHC trotz der grossen Hürde in die nächste Runde.

Kenneth Nars

Marc Lüthi, SCB-CEO: «Das Cupspiel ist auch für uns Berner speziell.»

«Basel müsste als grosse Stadt in der höchsten Spielklasse vertreten sein. Das fehlt dem Schweizer Eishockey. Ich habe den Werdegang der Basler in den letzten Jahren sehr nah verfolgt. In meinen Augen hat der Kanton Basel-Stadt nicht immer eine gute Figur abgegeben. Mehr möchte ich Jahre danach aber nicht aufwärmen. In Basel war es für das Eishockey immer schwierig, weil der Fussball dermassen dominant ist. Wenn wir am Montag nun wieder aufeinandertreffen, ist das auch für uns Berner speziell. Es ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen, denn wir wollen in die nächste Runde. Auch früher versuchten wir immer, gegen den EHC Basel zu gewinnen, nur klappte es nicht immer. Ich mag mich noch gut an das eine Spiel erinnern, als Thomas Nüssli den Puck ins eigene, leere Tor beförderte.»

Für Marc Lüthi gehört der EHC Basel zum Schweizer Eishockey.

Für Marc Lüthi gehört der EHC Basel zum Schweizer Eishockey.

Keystone