Barnettas Suche nach dem einen Puzzleteil

Bis Dezember 2016 hat sich Tranquillo Barnetta bei Philadelphia Union, dem Club der Major League Soccer, vertraglich gebunden. Der 30jährige St. Galler hob gestern zuversichtlich von Zürich ins amerikanische Abenteuer ab. Von einem Ausklingen der Karriere will der 75fache Schweizer Nationalspieler nichts wissen.

Christian Brägger
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Tranquillo Barnetta wird neuer Spieler Philadelphia. (Bild: Ralph Ribi)

Tranquillo Barnetta wird neuer Spieler Philadelphia. (Bild: Ralph Ribi)

FUSSBALL. Das Angebot von Philadelphia Union, dem Club der Major League Soccer MLS, habe schon lange im Raum gestanden. Doch Tranquillo Barnetta wollte zuerst einmal fühlen, ob die USA, dieses fremde Land, diese neue Kultur und der Fussball, der dort gespielt wird, überhaupt etwas sein könnten für ihn. Gestern, nach einem ersten Beschnuppern und bevor Barnetta erneut den Flieger in die Staaten bestieg, war sich der St. Galler seiner Sache sicher: «Ich spürte vom ersten Kontakt an, dass mich diese einzigartige Chance reizt. Und dass sie nicht so rasch wiederkommen würde.»

Das Gefühl stimmt

Plötzlich habe er gemerkt, dass er diesen Weg, der doch so anders scheint, gehen wolle. Deshalb habe er sich gesagt: «Jetzt mache ich etwas ganz anderes. Ich habe elf Jahre lang die Bundesliga gesehen. Der Zeitpunkt für den Wechsel in die USA stimmt.» Barnetta weiss, dass einige neue Herausforderungen auf ihn warten, weil die Amerikaner vieles anders handhaben, als er es gewohnt ist. Genau dieses Puzzleteil habe er gesucht, er will es in seiner Karriere noch mitnehmen. Den Einwand, in den USA lasse man die Karriere ausklingen, lässt Barnetta nicht gelten. Das Niveau der Liga steige kontinuierlich, sagt er. Und man müsse nicht immer alles so machen, wie es das Gros der Leute tun würde. «Qualität und Tempo sind sicherlich nicht so hoch wie in den Topligen Europas. Aber so schlecht ist es auch nicht. Für ein definitives Urteil muss ich aber zuerst selbst spielen.»

Bei den übrigen Angeboten – Leicester City oder Betis Sevilla standen wohl im Raum – habe immer etwas nicht gestimmt. Sei es die offerierte Laufzeit von drei Jahren oder einfach das Bauchgefühl. Nicht Spanien, nicht England, lieber die USA also.

Dafür hat Philadelphia Union keine bekannten Namen in seinen Reihen, die Spieler im Kader sind jung und hauptsächlich Einheimische. Trainiert wird der Club vom erst 36jährigen Amerikaner Jim Curtin. Dieser zählt auf die Erfahrung Barnettas und hofft, mit dem 75fachen Schweizer Internationalen nochmals einen Schub zu erhalten; das Erreichen des Playoffs ist mehr als unsicher, aktuell belegt Philadelphia in seiner Conference den neunten Rang bei zehn Mannschaften. Bis Ende Oktober muss es für die Playoff-Teilnahme in den nächsten zwölf Spielen auf den sechsten Rang vorrücken.

Morgen spielt Barnettas neuer Arbeitgeber gegen die New York Red Bulls. Der linke Mittelfeldspieler fühlt sich fit, aber natürlich fehlen ihm die Trainings mit dem Ball. Noch ist es ungewiss, ob ihn Curtin schon einsetzt. Gestern morgen erhielt der St. Galler jedenfalls das US-amerikanische Visum, und somit ist der unterschriebene Vertrag, der ihm jährlich ungefähr 600 000 Franken einbringt, bis Dezember 2016 rechtsgültig.

Später doch noch St. Gallen?

Barnetta sagt, vielleicht habe er deshalb etwas Exotisches gewählt, weil er danach sein Leben in St. Gallen verbringen möchte. Es darf also 18 Monate lang weiter spekuliert werden.