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BARNETTA-RÜCKKEHR: Barnetta auf Abschiedstour

Ab der Rückrunde wird Tranquillo Barnetta wieder für St.Gallen spielen. Über seine Zeit in den USA sagt der 31-Jährige an einem Treffen mit Philadelphia-Anhängern: «Als Fussballer kann man sich frei bewegen. Das habe ich genossen.»
Roman Elsener/Philadelphia
"Barnetta setzt sich jedes Mal ein, als wäre es sein letztes Spiel", lobte kürzlich ein US-amerikanischer Sportkommentator den St.Galler. (Bild: Keystone)

"Barnetta setzt sich jedes Mal ein, als wäre es sein letztes Spiel", lobte kürzlich ein US-amerikanischer Sportkommentator den St.Galler. (Bild: Keystone)

FUSSBALL. Lukas Pfister trägt ein Trikot der Schweizer Nationalmannschaft, auf dem Rücken prangen die Nummer 16 und der Name Barnetta. Live hat der Zehnjährige, der mit seinen Schweizer Eltern und dem älteren Bruder Xavier in Philadelphia wohnt, sein Vorbild noch nie gesehen. Am Fernsehen folgt er dem Club Philadelphia Union, wo der St.Galler Tranquillo Barnetta seit über einem Jahr spielt. Selber steht Lucas auch schon für zwei Teams als Mittelfeldspieler auf dem Feld.

Heute wird er den 75fachen Schweizer Nationalspieler zum ersten Mal nicht nur auf dem Rasen des Talen Energy Stadiums sehen. Der Knabe darf Barnetta nach dem Spiel zu einem «Meet & Greet» treffen. Das Spiel im offenen, weissen Stadion ist gut besucht. Über 17 000 Zuschauer sind gekommen, 18 500 fasst der Bau – rund 1000 mehr als der Kybunpark in Winkeln. Zum einen geht es gegen die New York Red Bulls, die mit einer lauten Fangemeinde angerückt sind. Zum anderen hat Philadelphia eine relativ gute Saison hinter sich und kann sich zum ersten Mal seit fünf Jahren – sogar mit einer Niederlage gegen New York – für das Playoff qualifizieren.

Barnetta wird eingewechselt

So lässt der Trainer Jim Curtin vier seiner geschundenen Stammspieler erst einmal auf der Bank, auch Barnetta spielt in der ersten Halbzeit nicht. Die New Yorker übernehmen das Zepter und führen zur Pause 1:0. Als Philadelphia noch einen zweiten Treffer hinnehmen muss, werden Barnetta und der Brasilianer Ilsinho aufs Feld geschickt. Endlich kommt Druck in den Angriff von Philadelphia. Rasch fügt sich der St.Galler ein, stellt sich frei und kommt zweimal zum Abschluss – der Goalie reagiert geschickt. Es bleibt trotz einem guten Schlusseffort beim 0:2. Das Playoff ist dennoch erreicht – Barnetta spielt mindestens noch eine weitere Partie in der Major League Soccer.

Die Sitzkissen mit dem Schweizer Wappen, die Lucas und die rund 80 Schweizer Zuschauer schwenken, hat der Profi schon während dem Spiel gesehen. Nach dem Schlusspfiff kommt er zur Fanecke und spediert einen Ball in den gold-blauen Farben der Union ins Publikum. Lucas schnellt von seinem Sitz und kann ihn fangen. Unter Applaus wird Barnetta in die Kabine entlassen, schon 15 Minuten später wird er geduscht zum «Meet & Greet» erwartet.

Der St.Galler gehört in Philadelphia, der fünftgrössten Stadt der USA, nicht zu den grossen Berühmtheiten. Es gibt hier das American-Football-Team der Eagles, das Baseball-Team der Phillies und die Eishockeyspieler der Flyers, unter ihnen auch der Schweizer Mark Streit, ein Star in der Hockeywelt, der rund 25 Millionen Dollar verdient. Ein Jahressalär, von dem Fussballer in den USA nur träumen können, auch wenn der Sport im Aufwind ist. Barnetta ist bei der Philadelphia Union immerhin der am zweitbesten bezahlte Spieler, mit einem garantierten Einkommen von rund 700 000 Dollar. Dass er nicht dauernd erkannt wird, stört den 31-Jährigen, der über zehn Jahre in der Bundesliga präsent war, nicht. «Als Fussballer kann man sich hier frei bewegen. Das habe ich sehr genossen», sagt er am Treffen mit den Fans.

Lucas wartet mit dem neuen Ball, den die Unterschriften des ganzen Teams zieren. Die von Barnetta kann er aber nicht identifizieren. Nun will er sich ein Autogramm holen, um den direkten Vergleich machen zu können. Lucas ist bald an der Reihe. Der Fussballer gratuliert dem Junior zum guten Fang. «Ich habe dich nicht gesehen im Publikum», lacht der Taktiker augenzwinkernd.

Vater und Mutter zu Besuch

Neben der Lebensart und der Geschichte des Landes hat Barnetta in den USA auch gut Englisch gelernt. Sprachen sind ihm wichtig. Schon während seiner Zeit in Leverkusen lernte er mit einem Teamkollegen Spanisch, um mit den Mitspielern aus Südamerika kommunizieren zu können. Das klappt auch mit den lateinamerikanischen Spielern von Philadelphia ganz gut. Bloss komme ihm das Spanisch heute in die Quere, wenn er Italienisch, die Sprache seiner Eltern, sprechen wolle, lacht der trotz des vielen amerikanischen Krafttrainings immer noch erstaunlich feine Sportler, der auch bestes Französisch spricht. Vater und Mutter sind auch dabei beim «Meet & Greet».

Geschichte geschrieben hätte Barnetta für die Union, wenn es dem Team in der vergangenen Nacht gelungen wäre, im Playoff den favorisierten Toronto FC zu bezwingen. «Barnetta setzt sich jedes Mal ein, als wäre es sein letztes Spiel», lobte kürzlich ein Sportkommentator aus Philadelphia. Gegen Toronto könnte es tatsächlich sein letztes im blau-goldenen Trikot gewesen sein.

Der Rückkehrer weiss, dass man sich auch in St.Gallen viel erhofft von ihm. Er bringt mit seiner Erfahrung aus bald 13 Jahren im Ausland bestimmt Rezepte für den serbelnden FC St.Gallen mit. Laut seinem amerikanischen Wikipedia-Eintrag ist Barnetta «bekannt für seine extreme Geschwindigkeit, Mobilität und Kreativität». Das kann der FC St.Gallen gut gebrauchen.

Barnetta mit Philadelphia ausgeschieden

In der Nacht auf Donnerstag ist für Tranquillo Barnetta das 15-monatige Gastspiel in Nordamerika zu Ende gegangen. Der Ostschweizer scheidet mit den Philadelphia Union in den MLS-Playoffs bei erster Gelegenheit aus. Philadelphia verlor die Knockout-Partie um den Viertelfinal-Einzug bei Toronto mit 1:3. Mit Barnetta hatte Philadelphia erstmals seit 2011 wieder die Playoffs in der Major League Soccer (MLS) erreicht.

Für den 75-fachen Schweizer Internationalen war es zugleich sein letzter Einsatz in Übersee. Seit Ende September ist klar, dass der 31-Jährige in der Rückrunde wieder in der Super League für seinen Stammklub FC St. Gallen auflaufen wird. Der Mittelfeldspieler unterschrieb beim FCSG einen Vertrag bis Sommer 2019. (sda)

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