Balsam für Urechs Psyche

Die Emmentaler Hürdensprinterin Lisa Urech gewinnt bei Spitzenleichtathletik Luzern die A-Serie und lässt sowohl die Europameisterin als auch die Weltmeisterin hinter sich.

Jörg Greb/Luzern
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Leichtathletik. Sprint- und Sprungwetter war's nicht, was die zum Teil hochkarätigen Athletinnen und Athleten beim 25. Spitzenleichtathletik Luzern empfing. Kalt war's und feucht, und auf der Zielgeraden blies der Wind von vorne. Topleistungen waren deshalb von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Bestes Beispiel dafür: Jelena Isinbajeva, die Stabhochsprung-Weltrekordhalterin und die hochkarätigste Athletin, die je in Luzern am Start gestanden hatte. «Weil ich mich beim Einspringen verletzte, kann ich leider nicht starten», sagte sie. Umso erstaunlicher deshalb Walter Dix' Siegerleistung über 200 m: Der Amerikaner setzte sich in starken 20,02 Sekunden durch – neuer persönlicher Bestzeit und der viertbesten Zeit 2011. Nicht richtig warm wurde hingegen Speerwurf-Doppelolympiasieger Andreas Thorkildsen. Der Norweger gewann mit 84,12 m, fünf Meter unter seiner Jahresbestweite.

Prestigesieg für Urech

Bedeutend war der Start für Hürdensprinterin Lisa Urech. Die Bernerin, die vergangenen Samstag an der U23-EM der Favoritenposition nicht gerecht geworden ist und mit Silber in 13,00 Sekunden schwer enttäuscht war, wollte sich revanchieren. Und das glückte ihr. Souverän setzte sie sich vor der Amerikanerin Kristi Castlin und der Irin Derval O'Rourke durch. Die türkische Europameisterin Nevin Yanit und Weltmeisterin Brigitte Foster-Hylton aus Jamaika mussten sich mit den Plätzen sechs und acht begnügen. Befreien konnte sich Urech damit von einer Last. Es war ihr erster Sieg gegen erstklassige internationale Konkurrenz. «Anders drauf» sei sie gewesen. «Die Beine waren bereit, der Kopf war bereit, und die Nerven spielten mit.»

Triumph steht über der Zeit

Zugute kamen Urech zwei Faktoren: Sie war nicht die Favoritin und das Publikum voll hinter ihr. Der Triumph stand deutlich vor der Zeit. 12,93 Sekunden – um 31 Hundertstel verpasste sie ihren Schweizer Rekord. «Die Spritzigkeit fehlte noch etwas.» Wegen der Bedingungen brauchte sie sich aber nicht zu hinterfragen. Vielmehr sagte sie: «Ich habe zum alten Ich zurückgefunden.» Als Balsam für Urechs Psyche liess sich das Rennen werten.

Eine starke Schweizer Leistung zeigte auch Stabspringerin Anna Katharina Schmid. Mit ihrer neuen Saisonbesthöhe von 4,40 m erfüllte sie die Limite für die WM. Im Hammerwerfen übertraf Lydia Wehrli als erste Schweizerin die 60-Meter-Marke. Mit 60,06 verbesserte sie die nationale Bestmarke um acht Zentimeter.