Thurgauer Power im internationalen Bahnradsport: Schallmauer geknackt und erster Schweizer Weltcupsieg

Der Schweizer Bahnvierer ist vor der Olympiasaison stark wie nie – vorab dank Stefan Bissegger und Claudio Imhof.

Daniel Good
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Der erfolgreiche Schweizer Bahnvierer mit den Lokomotiven Stefan Bissegger und Claudio Imhof.

Der erfolgreiche Schweizer Bahnvierer mit den Lokomotiven Stefan Bissegger und Claudio Imhof. 

Vincent Jannink, EPA ANP

«Wir wussten, dass wir sehr, sehr stark sind. Aber wir hatten auch gemischte Gefühle», sagte Stefan Bissegger, bevor am Bahnweltcup in Neuseeland der Final auf dem Programm stand. Für die Schweizer ging es im Kampf um den Sieg gegen die Weltrekordhalter aus Australien.

Die Realität entsprach Bisseggers erster Einschätzung. Die Schweizer bezwangen die Weltmeister und holten den ersten Weltcupsieg in der bedeutendsten Disziplin des Bahnradsports.

Im neuseeländischen Cambridge

Der erst 21-jährige Bissegger ist eine der Lokomotiven im Schweizer Vierer, der im neuseeländischen Cambridge sogar mit einem doppelten Exploit aufwartete. In der Qualifikation hatte die Equipe den Schweizer Rekord über 4000 Meter um nahezu drei Sekunden auf 3:49,982 Minuten verbessert und sich gegen die favorisierten Gastgeber durchgesetzt. Wer die Schallmauer von 3:50 unterbietet, gehört zu den Meistern in der Mannschaftsverfolgung.

Der gute Boden aus der Strassensaison

Die Schweizer waren in der Hoffnung nach Neuseeland gereist, wie im Vorjahr unter die ersten drei zu fahren und eine ordentliche Zeit zu bewerkstelligen. Dass es schliesslich zu weitaus mehr reichte, war für Teamleader Claudio Imhof «überwältigend».

Der 29-Jährige aus Sommeri sagte: «Es brauchte schon Stunden, nein Tage, bis wir zu hundert Prozent realisiert hatten, was wir da erreicht hatten. Wir waren in Form, hatten gute Rennen und waren an die hohen Tempi gewohnt. Aber von solchen Erfolgen hätten wir vor ein paar Monaten kaum zu träumen gewagt.»

Der Bahnfahrer wäre fast Bergkönig geworden

Imhof führt die Leistungssteigerung der Schweizer auch auf die guten Strassensaisons der Bahnfahrer zurück. Er wäre nach einer beherzten Leistung fast Bergkönig der Tour de Suisse geworden. Der aus Mettlen stammende Bissegger beendete an der WM das U23-Strassenrennen auf dem zweiten Rang und gewann eine Etappe der prestigeträchtigen Tour de l’Avenir. «Diese Resultate stärkten das Selbstvertrauen und gaben uns einen guten Boden für die Bahn», so Imhof. Bissegger sagt:

«Wo unsere Grenzen sind, lassen wir einmal offen»

«Wir hoffen einmal, dass uns gar keine Grenzen gesetzt sind», so Bissegger weiter, «sodass wir am Ende der Bahnsaison auch an der WM in Berlin zu den besten Mannschaften gehören.» Die WM in Deutschland findet Ende Februar und Anfang März statt.

Die Mitglieder des Schweizer Bahnvierers haben günstige Perspektiven, denn sie sind jung. Der Waadtländer Robin Froidevaux, der in Neuseeland ebenfalls zur Rekordmannschaft gehörte, hat wie Bissegger Jahrgang 1998.

Ein breites Kader mit zwei Spitzen aus der Ostschweiz

Als die Schweizer in Cambridge unter 3:50 Minuten fuhren, war mit Mauro Schmid sogar ein 20-Jähirger dabei. Imhof ist der mit Abstand älteste Bahnfahrer im Schweizer Aufgebot.

Die Nationaltrainer können mittlerweile auf ein breites Kader zählen. In Neuseeland traten die Schweizer nicht einmal in Bestbesetzung an. Gesetzt sind einzig Imhof und Bissegger. Thurgauer Power eben.

Die Herausforderung in Australien

Diese Woche treten die besten Bahnfahrer der Welt in Australien in die Pedale. In Brisbane steht ein weiterer Weltcup bevor. Die Schweizer sind schon seit Wochen unterwegs, damit sie genügend Zeit zur Akklimatisierung hatten. Im Mittelpunkt steht erneut die Mannschaftsverfolgung. Denn für die Olympischen Spiele 2020 sind die Schweizer trotz guter Resultate noch nicht qualifiziert. «Wir wollen wieder unser Bestes geben und weitere Punkte für die Olympiaselektion holen. Auf einem guten Weg sind wir ja», sagt Stefan Bissegger. Nur acht Teams sind bei Olympia zugelassen. (dg)