BAHNRADSPORT: Erfolgreich – aber weitgehend unbekannt

Claudio Imhof aus dem thurgauischen Sommeri ist einer der besten und aktuell auch erfolgreichsten Bahnradfahrer der Schweiz. Trotzdem ist der 26-Jährige ausserhalb der Bahnradszene weitgehend unbekannt.

Urs Nobel
Drucken
Teilen
Früher gab es für die Bahnfahrer mehrere Sechstagerennen. Claudio Imhof siegte vergangenen Winter in Amsterdam. (Bild: PD)

Früher gab es für die Bahnfahrer mehrere Sechstagerennen. Claudio Imhof siegte vergangenen Winter in Amsterdam. (Bild: PD)

Urs Nobel

sport@thurgauerzeitung.ch

Heute reist Claudio Imhof zusammen mit der Nationalmannschaft an die Weltmeisterschaft nach Hongkong. Das Regionaljournal Ostschweiz von Radio DRS unterhielt sich vor der Abreise mit dem Thurgauer.

Claudio Imhof, Sie gehören zu den besten Bahnradfahrern der Welt, sind in der Schweiz aber weitgehend unbekannt. Warum eigentlich?

Ich persönlich finde das auch schade. Der Schweizer Bahnradsport gehört seit den vergangenen Jahren zur Weltspitze, aber das wird kaum wahrgenommen. Wir fahren nun nach Hongkong und wollen mit Resultaten ­aufwarten, die in der Medien­landschaft Grund genug sind, ­vermehrt wieder über uns zu ­berichten.

Wie und wieso sind Sie zum Bahnfahren gekommen?

Als Junior fuhr ich beide Disziplinen und setzte als U23-Fahrer auch vermehrt auf die Strasse. Gesundheitliche Gründe haben sich dabei als hinderlich erwiesen, so dass ich mich in der Folge auf den Bahnradsport konzentrierte. Ich hatte relativ schnell Erfolg und wollte deshalb dieser Disziplin treu bleiben. Ich habe grosse Freude am Bahnsport und habe deshalb den Fokus in den vergangenen drei Jahren darauf gesetzt.

Befriedigt hat sie wohl deshalb der Gewinn der Bronzemedaille im Scratch an der WM 2016.

Auf jeden Fall. Wenn man aus gesundheitlichen Gründen immer wieder in seiner Entwicklung zurückgebunden wird, ist so eine Medaille an einer WM Balsam für die eigene Seele. Es ist auch eine riesige Genugtuung für all die schwierigen Momente, die ich durchzustehen hatte.

Was konkret für Erkrankungen und Verletzungen hatten Sie überhaupt?

Zuerst hatte ich das Pfeiffer’sche Drüsenfieber, darauf musste ich mich am Knie operieren lassen und fiel ein ganzes Jahr aus. Solche Dinge werfen einen immer zurück und es benötigt Zeit und Geduld, wieder zurück an die Spitze zu kommen. Ich bin stolz, es allen gezeigt zu haben, dass es möglich ist.

Verspürten Sie in dieser Phase nie den Wunsch, aufzuhören?

Doch, es gab solche Momente. Aber vor allem solche, in denen ich zweifelte, ob ich nochmals zurückfinden würde. Ich hinterfragte auch den Sinn der Sache. Aber Radsport ist mein Leben.

Die meisten Radsportler fahren übers Land. Sie nur im Kreis herum. Ist das nicht langweilig?

Auch wir Bahnfahrer fahren rund 80 Prozent unseres Trainings auf der Strasse. Auf der Bahn holen wir uns nur noch den letzten Schliff vor den Wettkämpfen.

Wo liegen überhaupt die grossen Unterschiede vom Strassen- zum Bahnfahrer?

Ein Bahnfahrer muss über eine verhältnismässig kurze Zeit ex­trem schnell sein. Auf der Strasse kann ein Rennen bis zu sieben Stunden dauern. Da braucht es ganz andere Voraussetzungen.

Erfolgreich waren Sie im letzten Jahr im Scratch. Erklären Sie bitte diese Disziplin.

Scratch ist vergleichbar mit einem Strassenrennen auf der Bahn. Es gibt keine Zwischenwertungen und keine Zwischensprints. Es zählt einfach, wer zuerst ins Ziel kommt.

Sie sind Mitglied des erfolgreichen Schweizer Vierers. Mit welchen Zielsetzungen reist dieses Team nach Hongkong?

Ich spreche einfach für mich: Ich will mein Maximum abrufen und meinen Beitrag zu einem möglichen Erfolg leisten. Ein Rang ist kaum vorherzusagen. Da nehmen die besten Teams der Welt teil und es entscheidet oft nur wenig über Sieg und Niederlage. Alles ist möglich.

Ein Erfolg würde auch ihren Namen bekannter machen. Kommen Sie als Bahnfahrer überhaupt finanziell über die Runden?

Es ist in den vergangenen Jahren tatsächlich immer schwieriger geworden, um über die Runden zu kommen. Früher zehrten wir Bahnfahrer noch vom grossen Geschäft mit den Sechstagerennen. Da konnte der eine oder andere von uns sein Einkommen ­sichern. Ich bin deshalb glücklich und dankbar, dass ich seit ein paar Jahren über treue Sponsoren verfüge, dank deren Unterstützung ich meinen Beruf und mein Hobby ausüben kann.

Quelle

Radio SRF, Regionaljournal Ostschweiz.