Bach auf «Dornröschen»

WARTH. Mit zwei Partiten und einer der Sonaten für Violine solo von Johann Sebastian Bach hat die deutsche Geigerin Isabelle Faust den Musikfreunden eine Sternstunde in Ittingen beschert.

Katharina von Glasenapp
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Isabelle Faust (Bild: pd/Marco Borggreve)

Isabelle Faust (Bild: pd/Marco Borggreve)

Wird Bachs «Wohltemperiertes Klavier» das Alte Testament für Pianisten genannt, so gilt ähnliches sicher für die je drei Partiten und Sonaten für Violine solo: Jeder Geiger, jede Geigerin setzt sich damit auseinander, immer wieder neu werden ihre Geheimnisse entschlüsselt, gedeutet, in den Kontext der Zeit gestellt. Die Beschäftigung mit Bach hört nie auf, und sie erfüllt Interpreten wie Hörer stets mit Freude. Dieser Eindruck stellte sich in jedem Fall am strahlenden Sonntagmorgen ein, als Isabelle Faust die Bühne der Ittinger Remise betrat.

Ganzheitliches Schwingen

Konzentriert, klar, wunderbar rund und ausgewogen im Klang breitet sie den Kosmos von Bachs Tanz- und Sonatensätzen aus, ihr Spiel wirkt gelöst und mühelos und hat doch so viel Tiefgang. Mit dem Präludium der E-Dur Partita BWV 1006 öffnet sie den Raum, wandert durch die Tonarten, differenziert fein zwischen Haupt- und Nebentönen, nimmt das Publikum mit in einem ganzheitlichen Schwingen. Sie atmet, wird eins mit dem Instrument, das den schönen Namen «Dornröschen» trägt, weil die Stradivari lange verschollen war und von ihr im Spiel über Jahre wiederbelebt und buchstäblich wachgeküsst worden ist. Isabelle Fausts Auftreten zeichnet eine Haltung der Demut aus, und noch in der grössten Konzentration bewahrt sie sich ein Strahlen und Staunen über die Musik. In den Tanzsätzen, die dem ausgedehnten Präludium folgen, deckt sie die einzelnen Charaktere auf, zierlich und fein artikuliert in der Gavotte, herzhaft und kernig in der Bourrée.

Leichthändig und transparent

Partiten, also kleine Suiten mit stilisierten Tanzsätzen, und Sonaten wechselt Bach in seinen sechs Meisterwerken für Violine solo ab. Von den Sonaten wählte die Geigerin die in C-Dur BWV 1005: Auch deren Adagio öffnet den Klangraum zu einem ungeheuer komplexen, chromatisch verdichteten Satz. Spannungsklänge entstehen, die Isabelle Faust auskostet und die sich in einem kompositorischen Wunderwerk von Fuge auflösen. Trotz aller Verflechtungen bleibt ihr Spiel leichthändig, stressfrei und transparent. Nach der gewaltigen Fuge folgen ein zurückgenommenes Adagio und ein Springbrunnen auf- und ab wogender Figuren.

Nach der Pause stand noch die d-Moll-Partita BWV 1004 auf dem Programm, in der eine Folge von kürzeren Tanzsätzen von der berühmten Chaconne überhöht wird. Immer gelingt der Künstlerin die Balance zwischen Ruhe und Bewegung, mit subtilen Schwerpunkten und fein ausgeleuchteter Dynamik.

Da bildet die Sarabande bereits einen Ruhepol innerhalb der federleichten Springtänze, bevor die Chaconne in Fausts fliessendem Tempo geradezu kurzweilig wirkt. Die zugrunde liegende Basslinie ist stets präsent, darüber breitet sie den Kosmos der Bach'schen Variationen mit wunderbarer Ruhe aus. Zum Schluss leuchten die Klänge wie eine Corona über dem Ganzen, das Publikum dankt mit ergriffener Stille.

So, 30.3., 11.30, Kartause Ittingen: Hanna Weinmeister, Anita Leuzinger und Anton Kernjak spielen die Klaviertrios C-Dur Hob.XV:27 von Haydn, G-Dur von Debussy und Nr. 1 B-Dur D 898 von Schubert. www.kartause.ch

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