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Positives Dopingergebnis: Martin Grab streitet weiterhin ab

Der sechste Dopingfall im Schwingen und der vierte eines Eidgenossen ist der mit Abstand spektakulärste. Er betrifft Martin Grab, einen Schwinger, der zusammen mit seinen Altersgenossen Jörg Abderhalden und Arnold Forrer eine Epoche geprägt hat.
Peter Lerch (SDA)

Die B-Probe hat den Befund des am 17. April von Antidoping Schweiz unangekündigt vorgenommenen Dopingtests bestätigt. Erneut wurde die verbotene Substanz Tamoxifen festgestellt.

Die B-Probe wurde in Anwesenheit von Martin Grab und Antidoping Schweiz im WADA-Labor in Lausanne geöffnet. Für Martin Grab, den 39-jährigen Schwyzer aus Rothenthurm, ist es gemäss eigener Medienmitteilung "absolut unerklärlich", wie die Substanz in seinen Körper gelangen konnte. "Ich bin erschüttert, schockiert und verunsichert über dieses Resultat. «Fairer »und sauberer Sport ist und war für mich mein ganzes Leben lang das Wichtigste. Ich selber bin schockiert und brauche Zeit, das Ganze zu verarbeiten."

Tamoxifen wurde und wird von Dopern verwendet, um die Nebenwirkungen eines Anabolikums, eines muskelbildenden Präparats, zu dämpfen. In der Wirkung ist es also ein verschleierndes Mittel. In einem Kraftsport wie Schwingen sind Anabolika stark leistungsfördernd. Tamoxifen steht seit 13 Jahren auf der massgeblichen Liste verbotener Substanzen des Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. In der Medizin ist es ein grösstenteils für Frauen verschriebenes Medikament gegen Brustkrebs.

Grab wird den Fall nicht weiterziehen. Er verzichtet auf einen Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne. Er dürfte damit in jedem Fall die nach der Dopingprobe vom 17. April errungenen Erfolge aberkannt bekommen. Es sind dies der Festsieg Zuger Kantonalen in Menzingen und der Kranzgewinn am Schwyzer Kantonalfest in Sattel. Nach dem Schwyzer Fest vom 6. Mai trat Grab, wie er zwei Wochen vorher angekündigt hatte, feierlich zurück. Grab kann auch gesperrt werden, allerdings hätte eine Sperre nach dem Rücktritt lediglich noch eine symbolische Wirkung.

Martin Grab nahm Stellung zur positiven B-Doping Probe (Bild: Thomas Hodel / Keystone (Einsiedeln, 4. August 2018))

Martin Grab nahm Stellung zur positiven B-Doping Probe (Bild: Thomas Hodel / Keystone (Einsiedeln, 4. August 2018))

Seit Dopingproben im Schwingsport erhoben werden, ist Martin Grab der vierte - und prominenteste - eidgenössische Kranzschwinger, der positiv getestet und verurteilt wird. Die früheren waren ab 2001 Beat Abderhalden, der Bruder des Überschwingers Jörg Abderhalden, Thomas Wittwer und Bruno Gisler. Erst seit Anfang 2017 werden die Proben auf Anordnung von Antidoping Schweiz vorgenommen. Seit dieser Zeit ist der Eidgenössische Schwingerverband Mitglied von Swiss Olympic. Seither werden Dopingproben im Schwingen - wie im Fall von Grab - auch ohne Ankündigung durchgeführt.

Martin Grab gehörte bis vor etwa acht Jahren zu den besten Schwingern. Seine grössten Erfolge errang er mit den Siegen am Expo-Schwinget 2002 in Murten und am Unspunnenfest 2006 in Interlaken. In Estavayer 2016 sicherte er sich den siebten eidgenössischen Kranz in Folge.

Doping als Antwort auf alle offenen Fragen

Das Vorgehen und die Aussagen von Martin Grab Ende April und Anfang Mai dieses Jahres waren widersprüchlich und hatten Fragen aufgeworfen. Wie kann ein Schwinger, der vorher fast sechs Jahre lang kein Fest gewonnen hatte, im ersten Kranzfest der Saison mit fast 39 Jahren alle sechs Gegner - zum Teil starke Gegner - auf den Rücken legen? Wie kann dies einem alten Schwinger gelingen, der nach eigenen Aussagen gleichzeitig an chronischen Hüftproblemen leidet und deshalb nach dem nachfolgenden Fest zurücktreten will? Wieso nimmt ein Schwinger die ganze aufwendige Saisonvorbereitung auf sich, nur um noch zwei Kranzfeste der dritten Kategorie zu absolvieren?

Hat Martin Grab diesen Frühling tatsächlich gezielt und wissentlich gedopt, sind auf einen Schlag alle Unklarheiten beseitigt und alle Fragen beantwortet. Aktives Doping ist trotz Grabs Beteuerungen die einzige Erklärung, die zu allen Tatsachen passt. Demnach muss man den folgenden Ablauf vermuten.

Am 17. April, fünf Tage vor dem Start zur Kranzfestsaison mit dem Zuger Kantonalen in Menzingen, wird Grab von Kontrolleuren von Antidoping Schweiz besucht. Er weiss, dass der Test ein positives Ergebnis hervorbringen wird. Er weiss auch, dass er nach der Analyse der B-Probe, die er verlangt und die ihm etwas Zeit gibt, bestraft und gesperrt werden wird. Um eine Sperre zu vermeiden beziehungsweise hinfällig zu machen, muss er zwingend vor der Öffnung der B-Probe zurücktreten. Einen plötzlichen Rücktritt nach der minutiösen Saisonvorbereitung kann er nur mit einer Verletzung plausibel begründen. Er spricht tatsächlich von chronischen Hüftschmerzen. Er könnte jetzt sofort aufhören. Er entscheidet sich aber, zuerst noch das Zuger Fest zu bestreiten. Danach gibt er bekannt, dass er nach dem nachfolgenden Schwyzer Kantonalfest am 6. Mai, in seiner engsten Heimat in Sattel, zurücktreten werde. Mit Hüftschmerzen. Solche Hüftprobleme widersprechen jedoch komplett den Leistungen, die Grab an beiden Festen abliefert. Grab erntet Beifall für eine wundersame Auferstehung. Er muss wegen der anstehenden Veröffentlichung des definitiven Dopingbefunds am Rücktritt festhalten.

Dies ist eine Vermutung: Wäre er nicht getestet worden, hätte er die ganze Saison geschwungen - und auch die Saison 2019, an deren Ende das Eidgenössische in Zug steht. Dort hätten ihm 50'000 in der Arena gebührend in den schwingerischen Ruhestand verabschiedet. Und vielleicht hätte er sogar noch seinen achten eidgenössischen Kranz gewonnen.

Das wichtigste und unumstössliche Indiz im ganzen Fall Grab ist das Tamoxifen. Wie konnte es in Grabs Körper gelangen? In seiner Familie wird das Mittel als Medikament nicht gebraucht. Sonst hätte Grab es längst gesagt. In seinem Umfeld wurde der Verdacht laut, ein Neider könnte den Schwinger sabotiert haben. Aber wer sollte ihm gerade jetzt, da die Karriere nicht mehr lange dauern wird, Böses tun wollen? Und wann, wo und wie hätte er dem Schwinger die Tablette unterjubeln sollen? Auch hier gibt es nur eine Erklärung, die zur Tatsache passt: Martin Grab hat das Mittel selbst eingenommen. Aktiv und willentlich.

Keine früheren Auffälligkeiten

In der ganzen Karriere von Martin Grab haben sich keine leistungsmässigen Auffälligkeiten gezeigt, die auf Doping hätten schliessen lassen. Viele seiner grossen Erfolge errang er im Alter von 23 bis 27 Jahren. Der letzte übergeordnete Festsieg - am Schwarzsee - gelang ihm 2012, mit 33 Jahren. Danach wurde er sukzessive schwächer, auch weil er immer wieder mit Verletzungen kämpfen musste. Die Saison 2017 war seiner sogar unwürdig. Jegliche Spitzenergebnisse blieben aus. Für den Unspunnen-Schwinget meldete er sich ab. Möglicherweise hätte er es nicht einmal ins 33 Athleten umfassende Aufgebot des Innerschweizer Verbandes gebracht.

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