Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

AUSTRALIAN OPEN: Kampfansage von Dimitrow

In einer dramatischen Achtelfinalpartie besiegt Grigor Dimitrow in Melbourne Lokalmatador Nick Kyrgios. Nach Spielschluss kommt es zu einer rührenden Szene.
Jörg Allmeroth
Knapp dreieinhalb Stunden musste Grigor Dimitrow kämpfen, bis er feiern durfte. (Bild: Narendra Shrestha/EPA)

Knapp dreieinhalb Stunden musste Grigor Dimitrow kämpfen, bis er feiern durfte. (Bild: Narendra Shrestha/EPA)

Jörg Allmeroth

Viele Jahre lang war Grigor ­Dimitrow das ewige Talent des umherziehenden Tennisbetriebs. Der Mann, dem Mitte zwanzig dann auch nicht mehr wirklich schmeichelte, wegen stilistischer Ähnlichkeiten als «Baby-Federer» bezeichnet zu werden. Nun aber scheint es, als habe der elegante Bulgare seiner Karriere doch noch rechtzeitig den grossen Dreh verpasst – mit bemerkenswerten Schritten nach vorn. Und sehr guten Ergebnissen auch auf den Bühnen, die etwas zählen in seinem Sport.

Rund zwei Monate nach seinem Sieg bei den ATP Finals in London jedenfalls hat sich der 26-jährige Ästhet am Ball nun auch wieder als ernsthafter Mitfavorit bei den Australian Open etabliert. Sein 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 4:6, 7:6 (7:4)-Sieg über den aus­tralischen Lokalmatador Nick Kyrgios war in jeder Beziehung eine Kampfansage an die Konkurrenz, ein Ausrufezeichen in einem Wettbewerb, in dem bisher wieder einmal meist über die verdienten Meister der Branche gesprochen wurde – über Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic. Doch so wie sich Dimitrow, aktuell die Nummer drei der Welt, in der hitzigen Atmosphäre dieser Nachtvorstellung gegen Kyrgios durchsetzte, wie er die Nerven behielt in diesem Tiebreak-Krimi und auch gelegentliche Feindseligkeiten der Kulisse ignorierte, kann ihn keiner mehr übersehen bei der Pokalvergabe in Down Under.

Der Stolz des Siegers

«Ich bin schon ein wenig stolz, dass ich diese Aufgabe gegen ­einen richtig starken Gegner gemeistert habe», sagte Dimitrow später. Am Netz war es direkt nach Dimitrows Sieg noch zu einer denkwürdigen, anrührenden Szene gekommen: Sieger und Verlierer umarmten sich, und dann forderte Kyrgios seinen Bezwinger auf, mit ähnlicher Attitüde auch an weitere Aufgaben heranzugehen, mit dem Wort: «Believe.» («Glaub an Dich»). Es sei «ganz grosser Sport» gewesen, befand Australiens ehemaliger Championspieler Pat Cash, «ein Match, das auch eines Finals würdig gewesen wäre». Beide Akteure hätten auf der «absoluten Höhe ihrer Kunst» gespielt, notierte Ex-Superstar und TV-Experte Boris Becker. Dimitrow wird in der Runde der letzten acht nun auf den ungesetzten Briten Kyle Edmund treffen, der zuvor den Südtiroler Andreas Seppi ausgeschaltet hatte. Der Bulgare ist deutlicher Favorit, man darf wohl ohne allzu viel Risiko davon ausgehen, dass er wie im vergangenen Jahr im Melbourne-Halbfinale auftauchen wird. Damals hatte er in einer herausragenden Partie gegen Rafael Nadal verloren. Ob es zu einem Wiedersehen mit dem mallorquinischen Matador kommt, ist offen – aber durchaus möglich. Nadal muss nach seinem gestrigen Erfolg gegen den wuseligen Argentinier Diego Schwartzmann (6:3, 6:7, 6:3, 6:3) erst einmal den Kroaten Marin Cilic ausschalten – der Wimbledon-Finalist der Vorsaison ist eine ausserordentlich hohe Hürde. Gewänne Nadal, wäre das neuerliche Rendez-vous mit Dimitrow perfekt.

Dimitrow weigert sich, klein beizugeben

Mann der Stunde war freilich Dimitrow, der wie im Match auch bei den Gesamtpunkten einen hauchdünnen Vorsprung gegen Kyrgios ins Ziel rettete. Der verwandelte Matchball im Tiebreak des vierten Satzes bedeutete den 157-zu-156-Vorsprung – ein Fakt, der illustrierte, wie umkämpft diese Abendgala war. Fast unglaublich, aber wahr: Kyrgios schlug 76 Winner und 36 Asse, doch als Sieger ging er nicht vom Platz. Ganz einfach, weil Dimitrow sich weigerte, in diesem ­Angriffssturm klein beizugeben. Seine Abdeckung des Platzes, seine körperliche Geschmeidigkeit waren beeindruckend – es erinnerte, ob man nun wollte oder nicht, eben doch an Federers Bewegungsmuster. Auszuschliessen ist ja nicht, dass sie sich noch begegnen werden: Der Maestro und der Mann, der so lange als sein kongenialer Erbe galt. Es wäre dann im Endspiel von Melbourne.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.