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AUSTRALIAN OPEN: Ein Spiel wie ein Spektakel

In einer denkwürdigen Halbfinal-Partie in Melbourne bezwingt die Rumänin Simona Halep die Deutsche Angelique Kerber in 2:20 Stunden 6:3, 4:6, 9:7. Im Final trifft Halep auf Caroline Wozniacki.
Jörg Allmeroth
Nur fünf der ersten 25 Punkte gehen an die 30-jährige Angelique Kerber, danach aber begeistert sie mit einer Aufholjagd. (Bild: Ng Han Guan/AP)

Nur fünf der ersten 25 Punkte gehen an die 30-jährige Angelique Kerber, danach aber begeistert sie mit einer Aufholjagd. (Bild: Ng Han Guan/AP)

Jörg Allmeroth

Natürlich sollte man mit dem Wichtigsten anfangen, auch nach diesem Spiel, nach diesem denkwürdigen Grand Slam-Nachmittag in Melbourne. Das Wichtigste also lautete: Angelique Kerber hat ihren Halbfinal verloren, 3:6, 6:4 und 7:9 gegen die Weltranglisten-Erste Simona Halep aus Rumänien. Eine Wiederholung der Wundertat von 2016, damals gegen Serena Williams, war damit vom Tisch. Aber das Wichtigste muss nicht immer das allein Entscheidende sein. Jedenfalls nicht dann, wenn man sich von einer der grossen Tennisbühnen so verabschiedet wie Kerber am 25. Januar 2018. Kerber ging etwas matt und müde in diese Partie, nach 13 Minuten lag sie 0:5 hinten. Es wäre ein Leichtes gewesen, innerlich einen Schlussstrich unter das Kapitel Melbourne zu ziehen.

Eines der besten Spiele der jüngeren Tennisgeschichte

Aber als Kerber nach zwei Stunden und zwanzig Minuten leicht grimmig zum Netz schritt, um Halep zu gratulieren, war auch sie eine Gewinnerin. Das hört sich nach Verlierer-Romantik an, aber es stimmte haargenau. Denn von Scheitern konnte nicht wirklich die Rede sein nach dem besten Spiel dieses Turniers, dem besten Spiel der neuen Saison und einem der besten Spiele der jüngeren Tennisgeschichte. «Ich bin gerannt, bis es nicht mehr ging. Bis zum letzten Punkt», sagte Kerber ­später. Es war totales Tennis, dieses Spektakel-Spiel. Ein Schlagabtausch auf Biegen und Brechen. Oft buchstäblich bis zum Um­fallen. Kerber und Halep zeigten Ästhetik und Athletik, in einem Kampf, der im dritten, alles entscheidenden Akt an Schwergewichtsboxen erinnerte – mit zwei Stars, die sich wieder und wieder und wieder beharrlich weigerten, aufzugeben. «Wenn eine Spielerin alles gibt, dann kannst du als Trainer nicht unzufrieden sein», befand Kerbers neuer Coach, der Belgier Wim Fissette.

Statt ihrer Chefin versucht nun Halep, sich gegen die Dänin Caroline Wozniacki zur Grand-Slam-Königin von Melbourne krönen zu lassen. Die Ausgangslage vor dem Final ist bizarr: ­Halep und Wozniacki sind die Nummer eins und die Nummer zwei der Welt, aber beide leben bisher mit dem Malus, in ihrer Karriere noch keins der vier ­Major-Turniere gewonnen zu ­haben. Wer das Endspiel gewinnt, wird dann auch am Montag nach den Australian Open die Nummer eins der Rangliste sein. Eins ist klar: Es wird schwer sein, die aussergewöhnliche Klasse des Halbfinals zwischen Kerber und Halep zu übertreffen, diese verbissene, zermürbende Aus­einandersetzung. 6:3 und 3:1 führte Halep, Kerber balancierte über dem Abgrund. Doch von da an ging es erst so richtig los mit der wilden Parforcejagd. «Besser kann Frauentennis nicht sein», befand die Amerikanerin Chris Evert. Die Grösse dieses Spiels entwickelte sich, weil Kerber spät ihre Zweifel überwand. Eben noch auf dem Weg ins frühe Aus, nahm sie wieder ihr Herz in die Hand. Holte auf, gewann den zweiten Satz, ging sogar im ­dritten Durchgang in Führung. Um dann aber wieder Halep ­vorbeiziehen lassen zu müssen. Das Auf und Ab war faszinierend und mitreissend. Erst hatte dann Halep zwei Matchbälle, aber Kerber hatte etwas gegen das Aus, wehrte die Siegpunkte für die Rumänin ab. Dann hatte die Deutsche selbst bei 6:5- und 40:15-Führung zwei Matchbälle für den Einzug in ihren vierten Grand-Slam-Final. Aber nun ­erhob nervenstark Halep Einspruch. «Ich konnte nicht viel anders machen», sagte Kerber, «sie hat einfach gut gespielt in dieser Situation.»

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