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Buschfeuer fordern Opfer: Gegnerin von Stefanie Vögele muss an den Australian Open aufgeben

Die Luftqualität in Melbourne ist wegen der Buschbrände ausserhalb der Stadt an der Südostküste so schlecht, dass Handwerker ihre Arbeit niederlegen. Trotzdem läuft die Qualifikation zu den Australian Open.

Simon Häring
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«Halten Sie Fenster und Türen geschlossen, lassen Sie ihre Haustiere drinnen», warnt die Stadt Melbourne ihre Bewohner. Handwerker fordert sie dazu auf, die Arbeit niederzulegen, und sich nach Möglichkeit nicht im Freien aufzuhalten. Die Sicht ist eingeschränkt, dunkle Schwaden hängen über der Stadt, rauchgeschwängert, gespenstische Stille. So schlecht ist die Luft derzeit in der Stadt an der Südostküste. Auf dem Air Quality Index AQI wird ein Wert von 371 ausgewiesen. Heisst: «Gefährlich.» Normal wären Werte um 50. Ursache sind die seit Oktober schwelenden Buschbrände in Australien. Und hier, in Melbourne, soll ab Montag das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres gespielt werden? Scheinbar.

Die Organisatoren der Australian Open haben Experten angeheuert, welche die Luftqualität laufend überprüfen. Das australische «Bureau of Meteorology» teilte mit, dass noch bis Mittwochnachmittag viel Rauch über Melbourne liegen werde. Werde es zu gefährlich, würden die Spiele unterbrochen. Notfalls werde bei geschlossenen Dächern gespielt. Am Dienstag wurde das Training zeitweise bereits unterbrochen, doch die Qualifikation wird gespielt. Und die schlechte Luft fordert bereits erste Opfer. Die Slowenin Dalila Jakupovic musste ihr Spiel gegen die Aargauerin Stefanie Vögele nach einer Hustenattacke aufgeben.«So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich hatte Angst, dass ich kollabiere», sagte Jakupovic. Die Luxemburgerin Mandy Minella sagt: «Ich bin schockiert, dass die Qualifikation bei den Australian Open begonnen hat. Was ist mit der Gesundheit der Leute, die da draussen arbeiten müssen?»

Dalila Jakupovic muss aufgeben

Roger Federer dachte an Verzicht

Die Deutsche Laura Siegemund und die Russin Maria Scharapowa beendeten ihr Match bei den Kooyong Classics, einem Einladungsturnier vor den Toren Melbournes, in beiderseitigem Einvernehmen vorzeitig. Die schlechte Luftqualität führte in Verbindung mit der brütenden Hitze beim Stand von 7:6, 5:5 zugunsten der 31-jährigen Deutschen zum Abbruch. «Es ist ein bisschen unglücklich», sagte Siegemund: «Gerade im zweiten Satz war die Luft nicht mehr so gut. Das haben wir beide gespürt. Man konnte kaum noch atmen.» Bei den Buschfeuern sind mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Weite Teile von Flora und Faune wurden zerstört. Gegen eine Milliarde Tiere sollen den Flammen zum Opfer gefallen sein.

Die Luft in Melbourne ist von Rauch geschwängert.

Die Luft in Melbourne ist von Rauch geschwängert.

Bild: Keystone

Eine Verschiebung der Australian Open haben die Organisatoren bislang ausgeschlossen. «Wir erwarten keine Verzögerungen, und wir haben zusätzliche Maßnahmen getroffen, um sicherzustellen, dass die Australian Open wie geplant ablaufen können», hatte Turnierdirektor Craig Tiley zuletzt gesagt. Roger Federer weilt bereits seit Ende der letzten Woche in Melbourne. Bei einem Sponsorenanlass sagte der Baselbieter, er habe mit dem Gedanken gespielt, nicht nach Australien zu reisen. Und bereits vor Wochenfrist hatte der Serbe Novak Djokovic angeregt, über eine Verschiebung der Australian Open nachzudenken. Sein Appell fand jedoch wenig Anklang. The Show must go on. Koste es, was es wolle.

Roger Federer trainiert seit Ende der letzten Woche in Melbourne.

Roger Federer trainiert seit Ende der letzten Woche in Melbourne.

Bild: Keystone