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AUSSERGEWÖHNLICH: Der schnellste Wikinger

Der Norweger Karsten Warholm ist mit 21 Jahren der jüngste Weltmeister über 400 m Hürden. Nun startet der grossartige Unterhalter bei Weltklasse Zürich.
Raya Badraun, Zürich
Karsten Warholm feiert im Olympiastadion von London seinen Sieg mit einem Wikingerhelm. (Bild: Diego Azubel/EPA (London, 9. August 2017))

Karsten Warholm feiert im Olympiastadion von London seinen Sieg mit einem Wikingerhelm. (Bild: Diego Azubel/EPA (London, 9. August 2017))

Raya Badraun, Zürich

«Der Schrei» heisst ein Bild von Edvard Munch. Seit kurzem ist es auf der Facebook-Fanpage von Karsten Warholm zu finden. Mit einem kleinen Unterschied zum Original: Der Kopf ist ein anderer. Warholm ist nun darauf zu sehen, wie er mit aufgerissenen Augen in die Kamera starrt, die Hände vor dem aufgesperrten Mund. Ungläubig sieht er aus, fast schockiert. So war wohl auch seine Gefühlswelt, als er an der WM in London das Ziel erreichte. Er war Weltmeister über 400 m Hürden geworden – und konnte es kaum fassen. So bat er kurz darauf einen der vielen Fotografen, ihn doch zu kneifen. Doch es war kein Traum. Sein Fest im Stadion war deshalb so ausgiebig wie kaum ein anderes an dieser WM. Am Ende lief er mit einem Wikingerhelm umher, den er im Publikum gefunden hatte. Und die Flagge trug er wie einen Superheldenumhang. «Er ist der perfekte Held für Norwegen», schrieben die heimischen Zeitungen.

Warholm ist mit seinen 21 Jahren der jüngste Weltmeister über diese Distanz und seit 30 Jahren der erste, der für Norwegen einen WM-Titel auf der Tartanbahn holte. Doch nicht nur die Leistung, auch seine Art machen ihn zu einem Ausnahmeathleten. Unbekümmert und furchtlos stürmte er im Olympiastadion zu Gold. Und im gleichen Stil gibt er sich auch bei Pressekonferenzen. Mit seinen Antworten, frisch von der Leber weg, bringt er die Zuhörer immer wieder zum Schmunzeln. Eine kleine Kostprobe? Auf die Frage nach seinem Vorbild antwortet er am Tag vor dem Diamond-League-Meeting in Zürich, dass er niemandem nacheifere. «Ich bin keine Kopie, sondern das Original.»

Es scheint fast so, als hätte Warholm nie etwas anderes gemacht, als die Menschen um sich zu unterhalten. Dabei ist er ein Neuling, was die grosse Aufmerksamkeit betrifft. Ausserhalb von Norwegen rückte er erst in diesem Jahr ins Scheinwerferlicht, nachdem er bei den Diamond-League-Meetings in Oslo und Stockholm triumphiert hatte. Viel mehr als seine Zeiten wussten die Zuschauer jedoch nicht über ihn. Und die wenigsten glaubten, dass er im gleichen Stil an der WM in London rennen und gewinnen würde. Der Druck schien zu gross. Doch Warholm liess sich davon nicht beeindrucken. «Ich habe keine Angst davor, zu verlieren», sagt er. Das sei entscheidend.

Vom Mehrkämpfer zum Hürdenläufer

Der Mann mit den blonden Haaren und den blauen Augen, der den kräftezehrenden Hürdenlauf so einfach aussehen lässt, ist auch Wirtschaftsstudent. Mit drei Kollegen wohnt er in Oslo und hat eine Freundin. «Zeit für sie zu finden, ist jedoch nicht einfach», sagt er. Denn den grösseren Teil seines Lebens nimmt der Sport ein. Als Achtjähriger hat er mit der Leichtathletik begonnen. Zuerst war er Mehrkämpfer, eine gute Basis. Doch wie Dafne Schippers, die holländische Weltmeisterin über 200 m, liess er schliesslich die Königsdisziplin hinter sich, um Hürdenläufer zu werden. Warholm wollte damals mehr als nur zwei Wettkämpfe pro Jahr bestreiten. Er wollte reisen, an den grossen Meetings dabei sein – so wie heute bei Weltklasse.

Aus dem Neuling wurde nun innerhalb kurzer Zeit der Favorit. «Ich versuche, in Zürich ein Hase zu sein», sagt Warholm. «Oder ein Wolf.» Da sei er sich noch nicht ganz sicher. Dann schaut er auf das kleine Podest, auf dem die Diamond Trophy steht. «Der Pokal würde mir jedoch noch gefallen.»

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