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Ausnahmekönner unter sich

Joel Wicki entscheidet das Rigi-Bergkranzfest mit sechs Siegen für sich. Zweimal muss er gegen Armon Orlik antreten – der Bündner ist am Ende dem Sieg nahe.
Claudio Zanini
Joel Wicki (links) bei seinem Schlussgang-Sieg gegen Armon Orlik. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Rigi, 8. Juli 2018))

Joel Wicki (links) bei seinem Schlussgang-Sieg gegen Armon Orlik. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Rigi, 8. Juli 2018))

Armon Orlik gegen Joel Wicki: Es ist momentan das packendste Duell, das der Schwingsport zu bieten hat. Zwei Offensivschwinger, körperlich überdurchschnittlich fit, und beide kriegen kein Nervenflattern, wenn sie grossen Namen gegenüberstehen. Wenn der 23-jährige Bündner aus Maienfeld und der 21-jährige Luzerner aus Sörenberg aufeinandertreffen, dann läuft etwas im Sägemehl. Dann sieht man von der Tribüne aus, wie jede einzelne Muskelfaser angespannt ist und nur auf das «Guet» des Kampfrichters wartet, um den ersten Zug explodieren zu lassen.

Und weil das so attraktiv ist, den beiden zuzusehen, ist es auch verständlich, dass die Schwingerfamilie nicht genug kriegen kann von Wicki versus Orlik. In den vergangenen zwei Wochen gab es dieses Duell nun dreimal. Angefangen hat es am Nordostschweizer Verbandsfest, Wicki trat in Herisau als Gast an. Natürlich wurde ihm der stärkste Einheimische im Feld, nämlich Orlik, im ersten Gang zugeteilt. Orlik löste die Aufgabe clever, schwang nicht kopflos und siegte.

An diesem Sonntag kam aber der Nordostschweizer Orlik in ­ die Innerschweiz. Und Überraschung: Er musste mit Wicki auf der Rigi anschwingen. Herisau wiederholte sich nicht. Wicki legte Orlik mit einem Fussstich auf den Boden und arbeitete ihn dort auf den Rücken.

Pfiffe von den Rängen

Die Revanche von Wicki war geglückt. Der Luzerner reihte von nun an Sieg an Sieg. Nach fünf Gängen stand er alleine an der Spitze der Zwischenrangliste, der Schlussgang war ihm damit nicht mehr zu nehmen. Komplexer war die Frage, wen man Wicki im ­finalen Duell gegenüberstellen soll. Vier Bewerber mit derselben Punktzahl gab es, sie alle belegten hinter Wicki den zweiten Rang: Daniel Bösch, Armon Orlik, Domenic Schneider und Andreas Ulrich. Drei Gäste und ein Einheimischer – der Gersauer Ulrich. Und hier griff nun eine Regel, die für schwingferne Kreise eigentümlich wirken kann, aber genau so im technischen Regu­lativ nachzulesen ist. «Weisen mehrere Schwinger die gleiche Punktzahl auf, so bestimmt das Einteilungskampfgericht das Schlussgangpaar.» Und nun die Zuschauerfrage: Welchen dieser vier Schwinger hat das Kampf­gericht wohl ausgewählt?

Richtig geraten: Orlik. Ein Entscheid, der nachvollziehbar ist, denn Orlik hatte im Vergleich zu den anderen das happigere Programm. Gerechtfertigt wäre wohl auch eine Schlussgang-Teilnahme von Daniel Bösch gewesen, denn der St. Galler hatte im Vergleich zu den anderen drei keine Niederlage eingefangen.

Es kam also zum dritten Aufeinandertreffen zwischen Wicki und Orlik. Dank der 1,25 Punkte Vorsprung auf Orlik wäre Wicki mit einer Schlussgang-Nieder­lage noch Co-Sieger gewesen. Wicki hatte schliesslich weniger zwingende Angriffe als der Bündner. Einmal wurde er von Orlik am Platzrand auf den Rücken ­gelegt, doch das Resultat zählte nicht, weil der Platzkampfrichter vorher abbrach. Als von den Rängen daraufhin Pfiffe zu hören waren, meldete sich der Speaker und erinnerte daran, dass auf Rigi-Staffel nicht dieselben Sitten wie an der Fussball-WM gelten. Nach rund acht Minuten war es dann Wicki, der mit einem Kurzzug diesen attraktiven Schlussgang beendete. Es ist sein vierter Kranzfestsieg in dieser Saison. Die Bescheidenheit legte er zumindest für das Siegerinterview ab: «Was Armon und ich heute zeigten, war höchster Schwingsport.» Gegen den Bündner müsse man besonders entschlossen ans Werk gehen, sonst sei nichts zu holen. «Armon macht etwas richtig, oder er lässt es bleiben. Es gibt fast keinen, der so konsequent ist wie er.» Einen gibt es wohl. Nämlich Wicki selbst.

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