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Ausländerfrage entzweit die Klubs in der National League

Die Vereine der National League stimmen darüber ab, ob künftig sechs statt vier Ausländer eingesetzt werden dürfen. Dadurch sollen die Lohnkosten für Schweizer Spieler sinken. Der Zuger CEO Patrick Lengwiler spricht von einem «hausgemachten Problem».
Sven Aregger

Worum geht es?

Am kommenden Mittwoch stimmen die Klubvertreter der National League darüber ab, ob nächste Saison die Anzahl der Ausländer von vier auf sechs pro Match erhöht werden soll. Der Antrag stammt aus der Feder des SC Bern und Genève-Servette. Nur in zwei Saisons durften die Klubs bisher mehr als vier Ausländer einsetzen: 2005/06 und 2006/07 waren fünf Importprofis zugelassen, wobei zwei davon aus dem EU-Raum kommen mussten. Seither wird mit vier Ausländern pro Team gespielt.

Wie werden die Klubs voraussichtlich abstimmen?

Die vier Klubs Bern, Servette, Lausanne und Davos machen sich für zusätzliche Ausländer stark. Dagegen sind acht Vereine: Zug, Ambri-Piotta, Langnau, Biel, Lugano, Fribourg-Gottéron, die Rapperswil-Jona Lakers und die ZSC Lions. Die Initianten brauchen eine Mehrheit von sieben Klubs, um ihren Antrag durchzuboxen. Danach sieht es nicht aus. «Ich gehe davon aus, dass der Antrag abgelehnt wird», sagt Patrick Lengwiler, Geschäftsführer des EV Zug. Er betont aber auch: «Ich habe im Eishockey schon viele Überraschungen erlebt.» Meinungsänderungen bis zur Abstimmung sind nicht ausgeschlossen. Übrigens: Der Schweizer Verband enthält sich einer Empfehlung, und die Swiss-League-Klubs haben kein Mitspracherecht.

Was sind die Argumente der Befürworter?

Hauptgrund für den Antrag ist die Tatsache, dass Schweizer Spieler immer teurer werden. Für begehrte Schweizer mit auslaufendem Vertrag, beispielsweise für den HC-Davos-Center Enzo Corvi, ist von Angeboten in der Höhe von über 700000 Franken die Rede. In Europa werden nur in der KHL höhere Löhne bezahlt. Die Befürworter wollen die sich nach oben drehende Lohnspirale stoppen, indem 24 Kaderplätze für «billige» Ausländer frei werden. Es fehle eine Alternative zu den teuren Schweizern, begründen sie. «Bieten wir Spielern aus der Slowakei oder Dänemark 150000 Franken, kommen die zu Fuss», behauptet der Berner CEO Marc Lüthi. Und: «Wir haben 28 Schweizer Spieler in Nordamerika, der Markt hier ist zu klein für 12 National-League-Teams.» Mit zwei zusätzlichen Ausländern könne man Druck auf die einheimischen Spieler ausüben, den Konkurrenzkampf verstärken und folglich das Niveau in der Liga heben, heisst es bei den Befürwortern.

Was sind die Argumente der Gegner?

Die Gegner befürchten, dass sich der Graben zwischen den Spitzenmannschaften und den kleineren Klubs weiter auftun würde. Sie glauben, die finanziell starken Vereine würden weiterhin viel Geld für Ausländer ausgeben, um die bestmögliche Mannschaft zu stellen. Bei diesem Wettbieten könnten die restlichen Organisationen nicht mithalten. Weiter sind die Gegner der Ansicht, dass mehr eingesetzte Ausländer zu Lasten der jungen Spieler gingen, weil es für sie 24 Arbeitsplätze weniger gibt. Der Schweizer Goalienachwuchs, an dem es heute schon mangelt, würde durch Importtorhüter noch mehr geschwächt. Und die einheimischen Feldspieler könnten weniger Überzahl und Unterzahl spielen. Letztlich schade das alles der Schweizer Nationalmannschaft. Der EVZ-Chef Lengwiler sagt: «Die National League ist heute ein sehr gutes Produkt. Wir haben eine ausgeglichene, spannende Meisterschaft. Dieses Modell sollten wir nicht durch mehr Ausländer gefährden.»

Welche Alternativen gibt es?

Experten sind sich einig, dass die Kosten eingedämmt werden müssen. Die Frage ist nur wie. Lengwiler spricht von einem «hausgemachten Problem», er sagt: «Die Klubs setzen die Unterschrift unter die Verträge, wir dürfen somit nicht jammern. Wenn wir einen Spieler nicht bezahlen können oder wollen, müssen wir auch Nein sagen können.» Ein diskutiertes Szenario ist die Gehaltsobergrenze nach nordamerikanischem Vorbild. Allerdings lässt sich ein sogenannter Salary Cap zumindest kurzfristig nicht mit dem Schweizer Wettbewerbsrecht vereinen. Eine andere Möglichkeit, die sich auch SCB-Geschäftsführer Lüthi vorstellen kann, ist eine Reduktion von zwölf auf zehn Teams. Politisch ist das aber kaum durchsetzbar, weil kein Klub seinen Platz freiwillig räumen würde. Weiter gibt es den Ansatz, die Kader von 22 auf 20 Spieler zu verkleinern, um so die Lohnkosten zu senken. Die Schweizer hätten damit aber genau gleich viele Plätze, wie wenn vier statt sechs Ausländer eingesetzt werden dürften. Das zeigt: Eine einfache Lösung existiert nicht. Die Frage, wie man bestmöglich der ungesunden Lohnentwicklung entgegenwirken kann, dürfte die Klubs noch eine Weile beschäftigen.

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