AUSGERUTSCHT: St. Gallen bleibt Luzerns Punktelieferant

Gegen Luzern gibt es für den FC St. Gallen in dieser Saison weiterhin nichts zu holen. Er verliert 0:3 bei den Zentralschweizern, die mit dem Sieg vorerst den Kopf von Trainer Markus Babbel retten.

Christian Brägger, Luzern
Merken
Drucken
Teilen
Die St. Galler Alain Wiss, Karim Haggui und Nicolas Lüchinger (von links) lassen nach dem 0:3 die Köpfe hängen. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus)

Die St. Galler Alain Wiss, Karim Haggui und Nicolas Lüchinger (von links) lassen nach dem 0:3 die Köpfe hängen. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus)

Christian Brägger, Luzern

Knapp 25 Minuten vor Spielende musste Offensivspieler Marco Aratore weichen. Das Feld betrat Innenverteidiger Yrondu Musavu-King. Der Wechsel hatte Signalwirkung. Es war einer, den man grundsätzlich vollzieht, wenn es eine Führung zu verteidigen gilt. Oder man einen Punkt über die Zeit retten will. Nur war der FC St. Gallen vor 9470 Zuschauern in der Swissporarena zu jenem Zeitpunkt weit davon entfernt, sich etwas Zählbares zu bewahren. Etwas, womit es sich lohnte, die Heimreise aus Luzern anzutreten. 0:3 lag er da bereits zurück, überdies hatte Silvan Hefti nach einem Notbremsefoul die Rote Karte gesehen. Und so war es Musavu-Kings Aufgabe, seinen Mitspielern zu helfen, den Schaden zu begrenzen. Und den kompletten Untergang zu verhindern. Wenigstens diesen Plan erfüllten die Ostschweizer – es fiel kein Tor mehr.

Es war kein schöner Sonntag gestern. Weder vom nasskalten Wetter noch vom Fussball her, den St. Gallen bot. In Luzern, das zuletzt in neun Meisterschaftsspielen sieglos geblieben und ans Tabellenende abgerutscht war, bezogen die Ostschweizer in der 14. Runde eine verdiente Niederlage. Das Muster, das sie dabei bedienten, ist altbekannt: Einem guten Auftritt in der Super League liessen sie einen schlechten folgen.

Luzern hält dem grossen Druck stand

Der FC St. Gallen hätte sich so gesehen die Reise sparen können an eine Partie, die ausgerufen worden war als Schicksalsspiel von Markus Babbel. Luzerns Trainer sitzt heute wieder fester im Sattel. «Kompliment an meine Mannschaft. Sie hielt dem grossen Druck stand. Ich bin sehr glücklich, konnten wir den Bann brechen», sagte der dienstälteste Coach der Liga. Letztmals durfte sich der Deutsche vor drei Monaten in der Meisterschaft über einen Vollerfolg freuen. Gegen St. Gallen.

«Wir haben alle versagt», sagte Nicolas Lüchinger nach dem Spiel. «Wir verpassen es immer wieder, die Big Points zu setzen.» Dabei hätte der FC St. Gallen mit einem sogenannten «Big Point» wieder auf den zweiten Tabellenplatz vorrücken können. Doch dazu fehlte es ihm gestern an zu vielen Ecken und Enden, bereits nach 92 Sekunden sah man das kommen. So kurz dauerte es, bis Francisco Rodriguez die Führung für Luzern erzielte, als er von einem missglückten Befreiungsschlag Karim Hagguis profitierte. In der Folge schien St. Gallen weiter nicht präsent, erst nach zehn Minuten und dem Lattentreffer Marco Schneuwlys fand es besser ins Spiel. Und war zumindest ebenbürtig, oder wie Contini sagte: «In jener Phase waren wir am Gegner dran.» Doch weil Roman Buess vor der Pause den Ausgleich verpasste und Luzern erneut mit viel mehr Schwung startete, war die Angelegenheit nach 54 Minuten entschieden. Zuerst riss Haggui im Sechzehner so lange an Tomi Juric, dass der australische Stürmer die Chance auf einen Penaltytreffer bekam. Zwar hielt Daniel Lopar den Elfmeter, bei Shkelqim Demhasajs Nachschuss war der Goalie aber machtlos. Nicht machtlos war er kurz darauf bei Jurics Aufsetzer, nur spielte das keine Rolle mehr.

Contini war bedient, dennoch blieb er besonnen, selbst als das Mikrofon an der Pressekonferenz nicht richtig funktionierte. Es habe ihn enttäuscht, wie schlecht sein Team zweimal aus der Kabine gekommen sei. «Zudem nerven mich die individuellen Fehler.» In der Tat funktionierte das 4–1–4–1 nicht zur Zufriedenheit, St. Gallen wirkte uninspiriert, kraft- und mutlos. Und Tranquillo Barnetta sass 90 Minuten lang auf der Bank.