Ausgeklügeltes Postennetz entwickelt

Für die Schweizer Nacht-OL-Meisterschaft hat der Hinterthurgauer Kilian Imhof viel Vorarbeit investiert. Die Strecke ist abwechslungsreich und attraktiv. Und Thurgauer haben Titelchancen.

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Der Thurgauer Kilian Imhof im Gespräch mit Simone Niggli. (Archivbild: Brigitte Wolf)

Der Thurgauer Kilian Imhof im Gespräch mit Simone Niggli. (Archivbild: Brigitte Wolf)

Für die Nacht-Meisterschaft haben sich 600 Teilnehmer angemeldet. Welchen Reiz übt sie auf einen Orientierungsläufer aus, dass er durch die ganze Schweiz nach Wil pilgert, um daran teilzunehmen?

Kilian Imhof: Nacht-OL ist ein ganz spezielles Erlebnis, auch für Kenner immer wieder ein kleines Abenteuer. Wegen des eingeschränkten Sichtfeldes bietet auch ein einfacher Mittellandwald technisch grössere Herausforderungen als am Tag. Mit Massenstart, Massstab- und Geländewechsel versuchen wir zudem den Titelkampf möglichst abwechslungsreich und attraktiv zu gestalten. Der etwas grössere Aufwand wird offensichtlich geschätzt.

Sie haben ein komplexes Bahn- und Postennetz entworfen – werden die Athleten die Posten überhaupt noch finden?

Imhof: Durch den Massenstart wäre ja grundsätzlich das Nachlaufen eine simple Sache. Wir versuchen darum mit einem anspruchsvollen Gabelungssystem die Läuferinnen und Läufer zu selbständigem Orientieren zu zwingen. Zwar laufen alle dieselbe Strecke, die Anlaufreihenfolge ist aber unterschiedlich. Dies erfordert in der Tat höchste Aufmerksamkeit und wird einige Fehler provozieren.

Wer wird bei der Elite den Sieg mit nach Hause nehmen können?

Imhof: Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass auf der Anmeldeliste nicht weniger als 10 WM-Medaillen Gewinnerinnen und Gewinner figurieren. Simone Niggli-Luder und Daniel Hubmann werden dennoch schwer zu schlagen sein, obwohl Ex-Weltmeister Matthias Merz, Marathon Spezialist Marc Lauenstein und Lokalmatador Martin Hubmann bei den Männern sicher ein Wörtchen mitreden wollen. Zudem startet Schweden mit einem starken Team, angeführt von der amtierenden Mittelstrecken-Weltmeisterin Helena Jannson.

Viele Nachwuchstalente werden an der Nacht-SM das erste Mal in der Elite-Kategorie starten. Wie stehen ihre Chancen?

Imhof: Der Berner Florian Howald zählt für mich zu den Medaillenkandidaten. Patrick Wägeli aus Nussbaumen und die starken jungen Damen erwarte ich in den Top Ten.

Weshalb sollte man auch als Nicht-OL-Läufer unbedingt an der Nacht-SM vorbeischauen?

Imhof: Die OL Regio Wil versucht alles, um die erstmalige Schweizer Meisterschaft in Wil auch für die Zuschauer interessant zu gestalten. Am späteren Nachmittag wird eigens dazu für Zuschauer und Begleiter der Raiffeisen City-OL organisiert, ein Plausch in und um die Altstadt von Wil. Ab 20 Uhr kann dann die Entscheidung um die Meisterschaft beim Zieleinlauf im Lindenhof oder auf der Grossleinwand in der Festwirtschaft live mitverfolgt werden. Weltklasse für einmal sogar ohne Eintritt.

Interview: Urs Schönenberger