AUSBLICK: Vor einer traumhaften WM

Der ehemalige Skirennfahrer und TV-Experte Marco Büchel spricht vor der WM in St. Moritz über die Schweizer Chancen, den aggressiven Schnee und Lara Gut als Überfliegerin.

Raya Badraun
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Raya Badraun

Bisheriger Saisonverlauf: «Es gab viele spannende Rennen. Vor allem bei den Frauen mischten wieder neue Gesichter vorne mit. Dass es nicht nur Seriensieger gibt, macht den Ski-Weltcup interessanter – auch im Hinblick auf den Gesamtsieg. Bei den Männern gab es in den Speeddisziplinen ebenfalls wechselnde Gewinner. Im Slalom hingegen weniger. Dort haben wir dafür einen Zweikampf auf höchster Stufe: Henrik Kristoffersen gegen Marcel Hirscher. Ich glaube, der Skirennsport hat bezüglich des Niveaus wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Es ist jedoch schade, dass es so viele Verletzte gibt. Das hängt mit der Naturschneemenge zusammen. Je weniger Schnee es hat, desto mehr wird auf Kunstschnee gefahren. Dadurch steigen die Verletztenzahlen.»

Überflieger der WM:«Marcel Hirscher. Im Slalom und im Riesenslalom sind die Medaillen für ihn schon fast vorprogrammiert. Wenn er dann auch noch die Kombination und den Super-G fährt, kommt vielleicht noch eine weitere dazu. Ich glaube jedoch nicht, dass es einen Fahrer gibt, der in St. Moritz dreimal gewinnen kann so wie Ted Ligety an der WM in Schladming 2013.»

Überfliegerin der WM: «Bei den Frauen wünsche ich mir im Sinne der Heim-WM, dass dies Lara Gut sein wird. Sie hat die Chance, in der Abfahrt und im Super-G Gold zu holen. Wenn sie in der Kombination einen guten Slalomlauf zeigt, steht sie auch dort auf dem Podest. Zudem kann sie im Riesenslalom ebenfalls gewinnen.»

Schweizer Chancen: «Die Zahl der möglichen Medaillen liegt zwischen null und sechs. Wobei ich eher zur oberen Zahl tendiere. Es müsste ganz blöd laufen, damit die Schweiz keine Medaille holt. Wendy Holdener im Slalom ist schon fast eine sichere Bank, Lara Gut mit ihren drei Disziplinen ebenfalls. Theoretisch hätten wir also bereits vier Medaillen. Bei den Männern hingegen wird es schwieriger. Wenn man den letztjährigen Weltcup-Final in St. Moritz anschaut, dann haben wir bereits zwei Medaillen mit Beat Feuz. Es würde mich zudem freuen, wenn es im Slalom und Riesenslalom je eine Schweizer Überraschungsmedaille geben würde. Die Chancen sind da, aber es ist sehr schwierig. Henrik Kristoffersen und Marcel Hirscher werden vorne dabei sein. Danach ist nur noch ein Plätzchen frei auf dem Podest. Für mich wäre es die schönste Überraschung, wenn ein Schweizer dieses besetzen würde.»

Tina Weirather: «Ich will sie nicht unter Druck setzen. Doch den Schnee und das Gelände in St. Moritz mag sie sehr. Zwei Faktoren sind jedoch entscheidend: Materialabstimmung und Wetter. Der Hang liegt oberhalb der Baumgrenze. Wer an einem sonnigen Tag ein Wölkchen erwischt und im Schatten fährt, hat keine Chance. Möglich sind zwei Medaillen, möglich ist jedoch auch, dass sie keine holt. Die WM hat ihre eigenen Gesetze.»

Wer fehlt am meisten: «Aksel Lund Svindal. Ich kann mich nicht an eine WM erinnern, an der er leer ausgegangen ist. Aus meiner Sicht wird er der grosse Abwesende sein.»

Der Schnee in St. Moritz: «Das Besondere ist, dass die Piste höher liegt als andere im Weltcup. Deshalb ist die Luft trockener. Zudem hat das Engadin die tieferen Temperaturen. Das ergibt einen kompakteren, einen aggressiveren Schnee. Wenn du also das Knie nur leicht bewegst, geht der Ski sofort mit. Es wird zudem wenig mit Wasser gearbeitet, dadurch gibt es kaum eisige Stellen. Das kommt manchen Athleten entgegen, anderen nicht. Ich habe es immer gemocht.»

WM in der Schweiz: «Traumhaft. Man kann die WM natürlich nicht abwechslungsweise in Österreich und der Schweiz durchführen. Aber das sind eben die grossen Alpenländer mit der Skitradition. Die Schweizer wissen ausserdem, wie man eine WM organisiert. Das wird qualitativ etwas vom Besten werden, was es gibt. Ich hoffe, dass es ein Volksfest wird.»