Aus dem Helden wird das Opfer

Nico Rosberg und Mercedes dominieren den Grand Prix von Australien. Teamkollege Lewis Hamilton, Titelverteidiger Sebastian Vettel und dessen neuer Red-Bull-Teamkollege Daniel Ricciardo sind die Verlierer des Formel-1-WM-Auftakts.

Peter Lattmann/Melbourne
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AUTOMOBIL. Die neue Formel 1 meint es nicht gut mit Daniel Ricciardo. Die meisten der rund 100 000 australischen Zuschauer waren längst wieder zu Hause, als sich ihr vorher im Albert Park überschwenglich gefeierter Landsmann um die Früchte seiner tollen Leistung geprellt sah. Der 24jährige Strahlemann und Nachfolger von Mark Webber beim Red Bull Racing-Team musste als sensationeller Zweiter des Saisoneröffnungsrennens in Melbourne hinter dem überlegenen Mercedes-Star Nico Rosberg disqualifiziert werden, weil er bei seiner Galavorstellung mehr als die erlaubten 100 Kilogramm Benzin verbraucht hatte.

Keine Aussicht auf Erfolg

Red Bull wird das erst fünf Stunden nach der Zieldurchfahrt gefällte Urteil anfechten, hat damit aber wenig Aussicht auf Erfolg. Nutzniesser des Fehltritts war McLaren-Mercedes, das mit dem dänischen Debütanten Kevin Magnussen und dem britischen Altmeister Jenson Button die Plätze zwei und drei erbte.

Obwohl Mercedes den aus seiner 32. Pole-Position gestarteten Lewis Hamilton schon früh wegen eines Zylinderschadens verloren hat, ist Mercedes seiner Favoritenrolle beim Saisonauftakt in Melbourne gerecht geworden: Rosbergs vierter Grand-Prix-Sieg war nach einem Blitzstart nie gefährdet. Der 28jährige Deutsche mit finnischen Wurzeln und Wohnsitz in Monte Carlo kann sich in seiner neunten WM-Saison gute Chancen ausrechnen, wie einst Vater Keke Weltmeister zu werden. Als einzigem ist es bisher Damon Hill gelungen, in die Fussstapfen des Vaters zu treten.

Ferrari im Hintertreffen

Ebenso dominant wie der des eigenen Teams war mit sechs Klassierungen in den Top zehn der Auftritt von Mercedes als Motorenlieferant. Valtteri Bottas als Fünfter liess Williams trotz eines selbst verschuldeten Reifenschadens ebenso jubeln wie Nico Hülkenberg als Sechster Force India. Für die enttäuschende Ferrari-Power gab es nur durch Fernando Alonso und Kimi Räikkönen Punkte, für Renault nach Ricciardos Disqualifikation durch das Toro Rosso-Duo Jean-Erich Vergne/Daniil Kwjat. Der unerschrockene 19jährige russische Einsteiger wurde Neunter und löste damit Sebastian Vettel als jüngsten Punktegewinner aller Zeiten ab.