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AUFTAKTSIEGE: Der ganz normale Wahnsinn

Roger Federer und Stanislas Wawrinka starten erfolgreich in die Australian Open. Während bei Wawrinka die Freude über das genesene Knie dominiert, wird Federer erst nach dem Spiel so richtig gefordert.
Jörg Allmeroth
Titelverteidiger Roger Federer gewinnt in der ersten Runde gegen Aljaz Bedene in drei Sätzen. (Bild: Joe Castro/EPA (Melbourne, 16. Januar 2018))

Titelverteidiger Roger Federer gewinnt in der ersten Runde gegen Aljaz Bedene in drei Sätzen. (Bild: Joe Castro/EPA (Melbourne, 16. Januar 2018))

Jörg Allmeroth

Was muss man als Roger Federer nicht alles tun so an einem Arbeitstag an den Australian Open. Es reicht keineswegs aus, einfach nur sein erstes Match zu gewinnen – in diesem Fall souverän und ungefährdet mit 6:3, 6:4 und 6:3 gegen den braven Slowenen Aljaz Bedene. Nein, anschliessend steht einem auch erst mal der unvermeidliche John McEnroe als Auftaktbefrager in der Rod-Laver- Arena gegenüber. Ein Mann, der sich selbst gern in Szene setzt und Federer sogleich mit allen möglichen und unmöglichen Fragen bombardiert. Der den Maestro herausfordert, schlagfertig und eloquent zu sein.

Also muss sich Federer dann auch gleich einem Scheinthema stellen wie diesem: «Wie bewegt man sich und wie spielt man eigentlich so in deinem Alter, Roger.» Der 60-jährige kriegt darauf dies vom 36-Jährigen zu hören: «Ich habe immer hart im Fitnessstudio gearbeitet.» Noch ehe man den Hintersinn erkennen kann – nämlich die Andeutung, dass McEnroe vielleicht nicht so viel gearbeitet haben könnte –, geht McEnroe auch schon dazwischen: «Das ist doch Quatsch.» Worauf Federer unernst weitermacht: «Ich war eigentlich immer nur im Urlaub, die ganze Karriere über.» Um dann wieder seriös zu werden: «Es war halt mein Traum, lange spielen zu können. Und zum Glück lernte ich viele Leute kennen, die selbst lange gespielt haben. Das war eine Inspiration.»

Ein Comedian auf dem Platz

Federer darf und muss dann auch noch einmal auf 2017 zurückblicken – und er prägt dabei einen denkwürdigen Satz. Nämlich jenen, dass «man für einen Tango halt zwei braucht». Er meint damit den Final des vergangenen Jahres, den Kampf mit Rafael Nadal. Federer gibt auch zu Protokoll, dass er nicht unbedingt daran glaube, dass sich das Märchen wiederholen werde: «Ich weiss, dass der Wettbewerb aktuell noch härter ist. Ich will Chancen herausspielen und auch nutzen.»

Es kommt dann auch, gleich in diesen ersten Minuten nach dem Sieg, der Schauspieler und Comedian Will Farrell auf den Platz. Ein Überraschungsgast für Federer, der sich verschwitzt dem nächsten Ulk zu stellen hat. Ob er eher ein Vampir oder ein Hexer sei, will Farrell etwas sinnbefreit wissen. Federer stutzt, sagt dann: «Wohl ein Vampir.» Nächste Frage von Farrell, nächster Jux: «Würdest du dein Spiel als seidene Gazelle beschreiben?» Federer zweifelt ironisch: «Werden die denn nicht am Ende gefressen?» Worauf der Komiker repliziert: «Nicht, wenn sie schnell genug sind.»

So kann es also zugehen, wenn man Roger Federer heisst und von Gott und der Welt nicht nur um ein gutes Spiel, sondern auch um lustige, launige Konversation gebeten wird. Und wenn man mit seinem Auftaktspiel erst mal keine grossen Fragen zulässt, weil man zwingend überlegen war. Später übrigens geht das Frage-und-Antwort-Spiel sozusagen in der nächsten Dimension weiter, bei den berufsmässigen Auskunftsleuten im Pressesaal. Und was wollen die wissen: Natürlich, wie das da draussen auf dem Centre Court mit den Herren McEnroe und Farrell so gewesen sei. «Ich habe mir Mühe gegeben, gute Antworten zu finden», sagt Federer, der morgen auf den Deutschen Jan-Lennard Struff trifft. Er ist wieder haushoher Favorit und wird sich auf diese oder jene sportfremde Frage einstellen dürfen.

Warwinkas Knie besteht den Test

Und Stan Wawrinka? Es gab schlicht zwei gute Nachrichten von ihm: Erstens, er gewann nach sechseinhalb Monaten Zwangspause seinen ersten Ernstkampf 6:3, 6:4, 2:6 und 7:6 gegen den Litauer Ricardas Berankis. Und zweitens, das Problemknie des Westschweizers hielt – wider alle Zweifel und Selbstzweifel. «Es war schwierig und auch schmerzvoll. Aber ich habe mich durchgebissen», sagte Wawrinka erleichtert. In der zweiten Runde wird der dreifache Grand-Slam-Sieger nun gegen Tennys Sandgren gefordert sein. Der Amerikaner belegt in der aktuellen Weltrangliste momentan den 97. Platz. Es sollte also ein machbarer nächster Test für Wawrinka werden, wodurch das Vertrauen in seinen Körper Stück für Stück zurückkehren sollte.

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