AUFTAKT: Wider den Trend

In Vorjahren waren die Rückrunden des FC St. Gallen schlecht, wie auch die Resultate gegen den morgigen Widersacher Vaduz. Beides wollen die Ostschweizer ändern – morgen beginnt ihre Mission.

Christian Brägger
Drucken
Teilen

Christian Brägger

Die TV-Experten Benjamin Huggel, Gürkan Sermeter und Mario Eggimann waren sich in der Sendung «Sport aktuell» einig – sie alle sprachen dem FC St. Gallen nicht die Rolle des Absteigers zu. Sondern Vaduz, Thun oder Lausanne. Wenn die drei früheren Profis das schon sagen: St. Gallen durchatmen also, Glück gehabt.

Glück. Dieses werden die Ostschweizer in der Rückrunde gewiss beanspruchen, aber nicht weniger als die Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg. Betrachtet man indes das Ende der Hinrunde bis zur Niederlage gegen Basel, liess das Team von Trainer Joe Zinnbauer mit elf Punkten aus fünf Spielen eben auch sein Können aufblitzen. Der Deutsche erinnerte gestern an diese guten Zeiten, auch des­wegen habe man sich auf dem Transfermarkt zurückgehalten, weil es zuletzt gepasst hatte. Damit es nun weiter passt, täte St. Gallen gut daran, bei der ersten Möglichkeit morgen gegen Vaduz ein Zeichen zu setzen – und dem Angstgegner im elften Versuch die erste Niederlage zuzufügen. Es wäre ein erster Schritt dahin, dass sich die Prophezeiung von Huggel und Co. bewahrheitet. Und St. Gallen entgegen dem Trend vergangener Jahre vielleicht gar eine tolle Rückrunde spielt.

Mit Barnetta, wohl ohne Salihovic

Trotz defensiver Transfertaktik verpflichtete der FC St. Gallen bekanntlich zwei Hochkaräter. Wovon der eine, Tranquillo Barnetta, morgen ab 13.45 Uhr im Rheinpark seine Rückkehr in einem Pflichtspiel mit St. Gallen feiert. Der andere jedoch, Sejad Salihovic, dürfte als Nicht-EU-Bürger wegen der voraussichtlich fehlenden Arbeitsbewilligung noch nicht mittun. Ebenfalls nicht Martin Angha, der weiterhin an einer Zerrung im Oberschenkel laboriert. Fraglich ist zudem Gianluca Gaudino, er hat noch Trainingsrückstand.

Nach der Kaderbereinigung präsentiert sich der FC St. Gallen im Jahr 2017 variabler, er hat an Erfahrung gewonnen und Zinnbauer sagte: «Wir finden heute eine veränderte, verbesserte Qualität in der Mannschaft vor.» Yannis Tafer sieht der Trainer nun «tendenziell» als Stürmer, vorne sei man dennoch anzahlmässig nicht topbesetzt: «Aber wir können uns anpassen.» Von der Nachwuchshoffnung Boris Babic zeigte sich der Coach angetan, der junge Stürmer habe einen guten Weg hingelegt. Bedeckt hielt sich Zinnbauer in der Goaliefrage: Daniel Lopar dürfte zumindest noch in dieser Halbsaison die Nase vorn haben. Captain bleibt weiterhin Toko, es habe hinsichtlich dieser Themas keine Diskussionen mit Barnetta gegeben, und Zinnbauer sagte: «Tranquillo braucht die Binde nicht, um hier Stellenwert zu bekommen. Er ist auch so ein Führungsspieler, das sieht man ja.»

Überdies mochte der Coach die Testspiele nicht überbewerten. Vielmehr sagte er: «Wir wollen in Vaduz siegen.» Selbst wenn Zinnbauer dies verneinte, geht es dort auch ums Prestige. Und darum, einen Trend zu setzen.