AUFTAKT: Ein ungewohntes Gefühl

Die Mountainbikerin Jolanda Neff startet morgen in Mailand in die Saison. «Ich bin noch nicht in Wettkampfform», sagt die 24-jährige Rheintalerin.

Raya Badraun
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Die ersten Rennen hat Jolanda Neff in den vergangenen Jahren stets gewonnen. Es war immer ihr Anspruch, bereits zum Saisonstart in Bestform zu sein. Nun hadert sie mit sich. Denn dieses Jahr ist es anders. Morgen startet die Mountainbikerin in Mailand zu ihrem ersten Rennen und hat keine Ahnung, wo sie steht. «Ich hoffe, ich bin besser, als ich mich fühle», sagt Neff. In Wettkampfform sei sie jedoch noch nicht. Für die Rheintalerin, die meist vorne mitfährt, ist das ein ungewohntes Gefühl, das nicht ganz einfach zu akzeptieren ist. Doch sie hat es bewusst gewählt.

Seit vergangenem Herbst ist sie Studentin und will der Ausbildung Raum geben. Sie mag dieses neue Leben und hätte sich am liebsten noch für weitere Kurse eingeschrieben. Denn Neff interessiert sich für vieles. Doch sie merkte auch, dass anderes zu kurz kommt, das Training zum Beispiel. Diesen Herbst und Winter hatte sie deutlich weniger Zeit für die Einheiten auf dem Velo als noch in den Jahren zuvor. «Es ist verlockend, mehr fürs Studium zu machen», sagt Neff. «Doch ich muss mir ins Bewusstsein rufen, dass ich Mountainbikerin bin, dass dies der Schwerpunkt ist.»

Neff wird an der Haustüre abgeholt

Vor allem im Herbst brauchte das Studium und die Umstellung viel Zeit. Nun hat Neff ihr Pensum leicht reduziert und hofft, dass sie den Umfang im Training wieder steigern kann. «Wenn ich sehe, was das Team alles für mich macht, will ich auch etwas zurückgeben», sagt die 24-Jährige. In den kommenden Wochen wird sie an jedem Wochenende unterwegs sein, entweder für Trainingseinheiten im Ausland oder für Rennen. Das Programm beinhaltet in diesem Jahr vor allem Wettkämpfe in und um die Schweiz. Deshalb ist immer das ganze polnische Kross-Racing-Team vor Ort. Das ist ein grosser Vorteil und wäre nicht in jeder Mannschaft möglich. An diesem Wochenende wird Neff sogar an der Haustüre abgeholt und nach dem Rennen in Mailand nach Thal zurückgebracht. Bei früheren Arbeitgebern reiste sie meist selbstständig an.

Am wichtigsten ist für Neff jedoch, dass das Umfeld stimmt. Während der Saison reist sie schliesslich oft mit der Crew umher und verbringt auch in Trainingslagern viel Zeit mit ihr. Beim Kross-Team ist das der Fall, sie fühlt sich aufgehoben und hofft auf eine längere Zusammenarbeit. Das liegt einerseits an den Fahrern, die sie noch von früher kennt und mit denen sie sich gut versteht. Und auch die Verantwortlichen gehen auf Neff ein. So erhält sie ein Mountainbike, dessen Design sie selbst mitgestalten durfte. «Das habe ich mir immer gewünscht», sagt Neff.

WM in Australien als Höhepunkt

Wie das Bike genau aussehen wird, weiss sie jedoch noch nicht. Vor dem ersten Weltcup-Rennen im tschechischen Nove Mesto wird das Geheimnis endlich gelüftet. Dann bekommt sie ihr neues Velo. Bis dahin dauert es noch zwei Monate. Genug Zeit für Neff, um in Wettkampfform zu kommen. Neben der Weltcup-Serie bildet die WM Anfang September in Australien ein weiterer Höhepunkt. «Ich freue mich auf die Saison und bin gespannt darauf, wie sie herauskommen wird», sagt Neff.

Raya Badraun