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AUFSTIEG: Weniger Süsses, mehr Yoga für Sprinterin Salomé Kora

Die St. Galler Sprinterin Salomé Kora kämpft mittlerweile um Hundertstelsekunden. Um schneller zu werden, arbeitet die 23-Jährige an Details – auch in der Küche.
Raya Badraun
«Der Tag füllt sich automatisch», sagt Salomé Kora. (Bild: Benjamin Manser)

«Der Tag füllt sich automatisch», sagt Salomé Kora. (Bild: Benjamin Manser)

Raya Badraun

Im Herbst kam Salomé Kora an ihre Grenzen. «Ich fühlte mich müde, war mental überlastet», sagt sie. An der Pädagogischen Hochschule standen die ersten Abschlussprüfungen an und sie musste viel lernen. Neben dem Training hatte sie da nicht einmal mehr Zeit für Massagen oder Physiotherapie. Geschweige denn für sich selbst. Eine Einzelgängerin sei sie nicht, sagt Kora. Aber Momente für sich, beim Lesen oder auf dem Sofa entspannen, sind ihr wichtig. Nun fehlten ­diese komplett. «Da habe ich ­gemerkt, dass etwas falsch läuft.» Im Dezember entschied sie sich, ihre Pläne zu ändern.

Es gab eine Zeit, da war die Ausbildung das Wichtigste für Kora. So schnell wie möglich wollte sie die Schule abschliessen, danach im Beruf Fuss fassen. Nun denkt sie anders. «Ich würde sehr gerne als Oberstufenlehrerin arbeiten», sagt sie. Doch dieser Beruf ist wenig flexibel, bei den Trainingslagern wäre sie aufgrund der Ferien zeitlich eingeschränkt. Deshalb kann sie sich momentan höchstens Einsätze als Stellvertretung vorstellen. Gleichzeitig hat sie gemerkt, dass ein Profileben möglich ist. Da sind nicht nur die starken Leistungen, die sie näher an die Weltspitze gebracht haben. Seit diesem Winter kann die Sprinterin und Staffelläuferin dank Sponsoren, privaten Gönnern und der Sporthilfe auch von der Leichtathletik leben. Es ist kein Alltag im Luxus. Doch Kora kann die Trainingslager in Südafrika und die Einheiten in der Schweiz bezahlen. Und sie hat nun eine Wohnung in Teufen. «Ich bin froh, nicht mehr von meinen ­Eltern abhängig zu sein», sagt die 23-jährige St. Gallerin, die in Arnegg aufgewachsen ist.

Mehr Zeit zum Lesen

In eineinhalb Jahren schliesst Kora ihre Ausbildung zur Oberstufenlehrerin ab. Bis sie sich ganz dem Sport widmen kann, legt sie zumindest den Fokus darauf. Im Dezember, nach der intensiven Zeit, hat sie entschieden, das letzte Semester aufzuteilen. So hat sie diesen und nächsten Frühling nur noch halb so viel Unterricht wie bisher. Im Herbst, während der Trainingspause, folgt zudem ein sechs­wöchiges Praktikum an einer Schule. Früher dachte sie, ein ­Leben als Profi sei langweilig. Mittlerweile weiss sie: «Der Tag füllt sich automatisch.» Zur Erholung nimmt Kora nun wieder öfter ein Buch zur Hand, liest so gerne wie früher als Kind. Und da ist noch ein Projekt, das sie angehen möchte. «Ich bin überhaupt nicht beweglich», sagt Kora mit einem Schmunzeln. «Das schränkt mich manchmal ein.» An freien Halbtagen plant sie deshalb Yoga- oder Pilates-Stunden zu nehmen. Dadurch erhofft sie sich etwa eine grössere Schrittlänge.

Es ist eine kleine Schraube, an der Kora dreht. Sie könnte jedoch den Unterschied machen. Denn es ist längst nicht mehr wie früher, als die St. Gallerin grosse Sprünge machte und ihre Bestzeit um Zehntel verbesserte. Ihre Technik war damals noch nicht ausgereift. Gerade am Start verlor sie viel Zeit. Eine Schwäche sind die ­ersten Meter jedoch längst nicht mehr. Und auch im Krafttraining hat sie Fortschritte gemacht. Früher, da war sie beim Aufwärmen noch Minimalistin. Heute macht sie eher eine Rumpfbeuge mehr als eine weniger. Um noch schneller zu werden, mehr herauszuholen, muss sie nun an den Details arbeiten. Kora kämpft um jede Hundertstelsekunde – nicht nur im Training. Auch ihren Alltag hat sie mittlerweile professionalisiert.

«Es ist ein Opfer, das ich gerne bringe»

Der schwierigste Schritt war die Ernährung. Kora backt sehr ­gerne, mag Süsses und auch Ungesundes. Mittlerweile achtet sie jedoch mehr darauf, was sie kauft und isst. So gibt es heute eher ­einmal Datteln statt Schokolade. «Die sind ja auch süss», sagt Kora, die beim Kochen ihrem ­Gefühl folgt statt Ernährungs­ratgebern. Ganz auf Süssigkeiten verzichten will sie allerdings auch nicht. Hin und wieder gönnt sie sich etwas, geniesst es bewusst und viel mehr als früher. «Auch wenn es schwierig ist, es ist ein Opfer, das ich gerne bringe», sagt Kora. Der Traum vom Profileben ist schliesslich grösser. Und die Saisonpause gibt es ja auch noch. «Dann darf ich wieder essen, was ich will.»

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