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AUFSCHWUNG: Mit Schweizer Hilfe zu alter Stärke

Sebastian Vettel untermauert mit dem Sieg im Grand Prix von Bahrain seine Ambitionen in der Formel 1. Die Rückkehr in den Kreis der Titelanwärter verdankt der Deutsche auch einem Romand.
David Bernold (sda)
Sebastian Vettel jubelt nach dem Rennen mit den Ferrari-Mechanikern. (Bild: Hassan Ammar/AP)

Sebastian Vettel jubelt nach dem Rennen mit den Ferrari-Mechanikern. (Bild: Hassan Ammar/AP)

David Bernold (SDA)

«In einem solchen Moment würdest du am liebsten die Zeit anhalten. Einfach wunderbar», sagt Sebastian Vettel nach dem Rennen in Bahrain. Der Deutsche siegt – und geniesst. Er geniesst wohl mehr als jemals zuvor. Wer mag es ihm verdenken nach einem Jahr voller Frustration und Ohnmacht, nach einer Saison ohne reelle Chance, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Diese Hoffnungslosigkeit und die praktisch im Zwei-Wochen-Turnus offenbarten Mängel haben weh getan.

Der Sieg vor dem Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Valtteri Bottas in Sakhir, sein zweiter in dieser Saison nach jenem drei Wochen zuvor beim Auftakt in Melbourne, hat für Vettel einen besonderen Stellenwert. Selbstverständlich haben die perfekt umgesetzte Taktik mit dem vorgezogenen ersten Boxenstopp für das Reifenwechseln und eine Sanktion gegen Hamilton zum erfolgreichen Abstecher in die Wüste Bahrains beigetragen. Der Engländer war von den Stewards mit einer Zeitstrafe von fünf Sekunden für seine verlangsamte Anfahrt in die Boxengasse zum ersten Reifenwechsel belegt worden, mit der er Daniel Ricciardo im Red Bull behindert hatte. Vettel hat gleichwohl die Gewissheit, mit dem SF70-H, dessen Name an das 70-jährige Bestehen der Scuderia aus Maranello erinnern soll, über ein Auto zu verfügen, das im dritten Jahr bei Ferrari zum ersten WM-Titel taugt. Die Ränge 1 in der Fahrer- und in der Teamwertung belegen das.

Ferraris Schlüsselfigur kommt aus Lausanne

Vettel weiss, wem er die wiedergewonnene Stärke zu verdanken hat. «Unser gesamtes Team leistet Grossartiges. Die Leute in der Fabrik und an der Strecke arbeiten unglaublich hart, Tag und Nacht.» Vettel mag keinen seiner Mitarbeiter hervorheben. Einer wird im Zusammenhang mit dem Aufschwung bei Ferrari aber immer wieder genannt: Mattia Binotto, im vergangenen August als Nachfolger des freigestellten und nunmehr für Mercedes tätigen Briten James Allison zum Technischen Direktor befördert.

Der in Lausanne geborene 47-Jährige hat in seiner Geburtsstadt am Polytechnikum ein Studium in Mechanik abgeschlossen und sich danach in Modena zum Fahrzeugingenieur ausgebildet. Seit 1995 arbeitet Binotto für Ferrari. Der «italienische Romand» sieht sich in seiner heutigen Funktion primär als Manager, bei dem auf der technischen Seite alle Fäden zusammenlaufen. Binotto hat den Arbeitsfluss im Werk in Maranello komplett umgestaltet. Er legt grossen Wert auf Teamarbeit und lässt seinen Mitarbeitern den nötigen Spielraum für kreative Lösungen.

Binottos besonnene, ruhige Art und die Fähigkeit, auch in hektischen Situationen den Überblick zu bewahren, werden in der obersten Chefetage hoch geschätzt. «Die ehemalige Struktur war als hierarchische Organisation aufgebaut, die den Informationsfluss gehemmt hat. Mit Binotto gibt es mehr Transparenz», sagt Ferrari-Präsident Sergio Marchionne.

Die ganz grosse Bewährungsprobe hat Binotto noch vor sich. Er wird in den nächsten Monaten Taktgeber für die Weiterentwicklung des Autos sein. Er wird die zentrale Figur sein im Wettrüsten, das den Titelkampf (mit-)entscheiden wird. Bei Ferrari glauben sie daran, dass Binotto das schaffen wird. So auch Vettel. Mit Binottos Unterstützung will er seine Position als Nummer 1 verwalten – und Genussmensch bleiben.

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