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AUFMERKSAMKEIT: Schweizer Internet-Star

Der 20-jährige Ski-Slopestyle-Fahrer Fabian Bösch hat mit seinem Rolltreppen-Video einen viralen Hit geschaffen. Der Schweizer Teammanager Dominik Furrer sagt, er habe dem Athleten nicht abgeraten – sondern ihn angespornt.
Claudio Zanini, Pyeongchang
Ein freiwilliger Helfer hält in Pyeongchang sein Treffen mit Fabian Bösch fest. Der 20-jährige Schweizer sagt: «Das Ziel ist das Podest.» (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Ein freiwilliger Helfer hält in Pyeongchang sein Treffen mit Fabian Bösch fest. Der 20-jährige Schweizer sagt: «Das Ziel ist das Podest.» (Bild: Jean-Christophe Bott/KEY)

Claudio Zanini, Pyeongchang

Ein schwedischer Journalist fragt uns, ob wir zur Medienkonferenz von Fabian Bösch gehen. «Was ist er für ein Typ?», will der Kollege wissen. «Macht er öfters solche Dinge?» Im Foyer des Hotels, wo das Treffen mit den Freeski-Fahrern stattfindet, wartet unter anderem ein Vertreter vom «Wall Street Journal». Er ist wegen Bösch da. Wie wohl die meisten an diesem Nachmittag.

Der Grund für das grosse Interesse am 20-Jährigen aus Engelberg ist ein kurzes Video. Es zeigt Bösch, wie er die Rolltreppe benutzt. Er macht dies so, wie wir es alle noch nie getan haben – und wohl auch nie tun werden. Bösch steht an der Aussenseite der Treppe und lässt sich einhändig ins nächste Stockwerk ziehen. Das Witzige: Ein Volunteer, der den konventionellen Weg wählt, scheint etwas irritiert ob der bizarren Situation.

Von 26 000 auf 52 000 Follower auf Instagram

Das Video wurde in zwei Tagen über 600 000-mal angeschaut. Böschs Follower haben sich in dieser Zeit von rund 26 000 auf über 52 000 hochgeschraubt – eine Verdopplung. News-Portale auf der ganzen Welt haben den Clip aufgegriffen. Sogar Lindsey Vonn meldete sich via Twitter. Sie wolle «diesen Typen und diese Rolltreppe» finden und das Kunststück selbst ausprobieren, schrieb die US-Amerikanerin. Mit dieser immensen Resonanz hat Bösch nicht gerechnet. Welche Eigenschaften über einen viralen Hit entscheiden, sei nicht durchschaubar. «Ein Video meines verrücktesten Tricks auf den Ski interessiert viel weniger.»

Entstanden ist das Rolltreppen-­Video, als sich die Freeski-Equipe im ­Hotelkomplex in Bokwang herumtrieb. «Wir mussten warten, es war langweilig. Dann kam uns diese Idee», sagt Bösch. Der Clip zeigt nicht seinen ersten Versuch. Er hat sich sachte herangetastet. Genauso, als würde er sich einen neuen Trick im Schnee antrainieren. Zuerst liess er sich beidhändig ein kurzes Stück von der Rolltreppe mitziehen, dann mit einer Hand, schliesslich ein längerer ­Abschnitt. «In unserem Sport bekommt man ein Gefühl für solche Dinge. An ­einen neuen Trick taste ich mich heran und mache ihn erst, wenn ich mir sicher bin, dass er funktioniert.» Das Risiko sei entsprechend gering gewesen. Dennoch rät Bösch von Nachahmungen ab. Der Skirennfahrerin Vonn würde er den Trick jedoch schon zeigen, sagt Bösch grinsend. «Gemeldet hat sie sich bis jetzt aber noch nicht.»

Die Angst vor Verletzungen bei der Rolltreppen-Fahrt sei nicht begründet, sagt der Schweizer Teammanager Do­minik Furrer. «Das ist vielleicht das ­Ungefährlichste, was Fabian macht. Im schlimmsten Fall wäre er zwei Meter runtergefallen. Nicht vergleichbar mit den Höhen im Training oder im Wettkampf.» Abgeraten hat Furrer seinem Athleten nicht von der Aktion. Im Gegenteil: «Ich habe Fabian angespornt», sagt er. Bösch besitzt die körperliche Konstitution, um ein solches Wagnis einzu­gehen. Er wiegt knapp 60 Kilogramm bei 1,70 Meter Körpergrösse. Bei den in­ternen Krafttests gehöre er aber zu den Besten. Und wenn sein Trainer Misra Torniainen über Bösch spricht, tönt das so: «Er ist ein Koordinations-Genie.» So aussergewöhnlich, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, ist das Benehmen der Freeskier nicht. Vielmehr verhalten sie sich ihrer Sportart entsprechend. Denn diese funktioniert grundlegend anders als das alpine Pendant. Während auf einer Slalom-Piste mehr Struktur vorhanden ist, und ein gewisser Drill im Training unabdingbar scheint, kennt der Slopestyle wenig Gesetze, die Freiheit regiert. Insbesondere der Kurs in Bokwang, wo am Sonntag der Final stattfindet, fordert noch mehr Kreativität als ­andere Hänge. Gerade im ersten Teil des Parcours sind die Möglichkeiten, die der Athlet wählen kann, divers.

Eine Vorgabe lautet, auch neben der Piste kreativ zu sein

Dass man seiner Kreativität auch abseits der Piste freien Lauf lassen soll, ist eine bewusste Zielvorgabe des Schweizer Trainerteams. «In Sotschi 2014 haben wir den Fokus zu stark auf den Wettkampf gesetzt. Das war der falsche Weg», sagt Teammanager Furrer. Die Ausbeute glich damals einem mittleren Debakel. Keiner der vier Athleten lan­dete in Russland unter den ersten 15. Der damals 16-jährige Bösch klassierte sich auf dem 23. Platz.

Von Südkorea will das Schweizer Freeski-Team nun mehr mitnehmen als Hunderttausende Klicks. Nebst Bösch stehen Andri Ragettli, Elias Ambühl und Jonas Hunziker am Start. Alle vier hätten das Potenzial für Medaillen, sagt Trainer Torniainen. Noch vor drei Monaten, als Bösch mit einer Blessur im Knie zu kämpfen hatte, meinte er, er wolle versuchen, in die Nähe der Top fünf zu kommen. Nun sagt Bösch, der unterdessen beschwerdefrei ist: «Das Ziel ist das Podest.» Die Tricks dazu habe er. Damit meint er diejenigen auf der Piste.

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